Ersthelferin erzählt Drei Mütter retten Siebenjährige vor dem Ertrinken
Erst sah Jessica Weigel nur etwas Pinkes, dann wurde ihr klar: Da ertrinkt ein kleines Mädchen. Sie griff sofort ein.
Großsander - Nur einen schimmernden pinken Fleck sah Jessica Weigel im Wasser. Irgendetwas schwamm dort, nur was? Eigentlich spielte die Polizeioberkommissarin mit ihrer zwölfjährigen Tochter im Badesee Großsander. Die Familie war zusammen mit den Nachbarn zum ersten Mal an dem See. Der sonnige, warme Dienstagnachmittag lud zu einem Badetag ein. Mutter und Tochter spielten im Nichtschwimmerbecken mit einem Ball. Und da war es: dieses kleine, pinke Schimmern. Die 48-Jährige ging darauf zu. „Ich dachte, es sei eine Plastikgießkanne für Kinder“, erinnert sie sich. Doch dann sah sie es: Ein siebenjähriges Mädchen lag mit dem Gesicht nach unten im Wasser.
Jessica Weigel dachte nicht lange nach. Sie griff nach dem Mädchen und drehte es um. „Ihr Gesicht war schon ganz blau“, sagt sie. Sie schrie um Hilfe, ihre Tochter ebenso und die beiden brachten das Kind an den Strand.
Alle Lebensretterinnen gut ausgebildet
Die Rufe der beiden waren erfolgreich, am Strand warteten schon zwei Frauen. „Beide waren berufsbedingt in Erster Hilfe ausgebildet“, sagt Weigel. So leiteten sie umgehend die lebensrettenden Maßnahmen ein. Während Weigel den Kopf des Mädchens hielt, führten die anderen beiden Frauen die Reanimation durch. Nach einigen Reanimationszyklen kam das kleine Mädchen wieder zu sich. „Sie spuckte auf einmal das Wasser aus“, sagt Weigel. Die Polizistin schüttelt es noch immer, wenn sie daran denkt. „Da kam so viel Wasser aus diesem kleinen Mädchen“, sagt sie. Derweil kam die Mutter der Siebenjährigen hinzu. „Ich habe sie gebeten, mit ihrer Tochter zu reden. Sie hatte ja Angst“, sagt Weigel. Derweil schirmten die Partner der drei Frauen die Stelle mit Decken ab, „so dass wir uns in Ruhe um das kleine Mädchen kümmern konnten“, sagt sie. Auch die Rettungsschwimmer der DLRG halfen mit ihrer Ausstattung, um dem Mädchen zu helfen.
„Das hat einfach alles so gut ineinander gegriffen“, sagt Weigel. Die Frauen hätten alle aufgrund ihrer Jobs genau gewusst, was sie zu tun hatten. „Eine von ihnen arbeitet auch im Rettungsdienst in Leer“, sagt Weigel. „Ich bin so dankbar, dass das alles so geklappt hat und dass wir das Mädchen retten konnten“, sagt sie. Die Siebenjährige wurde mit dem Rettungsdienst ins Krankenhaus gebracht. Sie sei stabil und nicht mehr in Lebensgefahr, teilt die Polizei mit.
„Das war ein riesiges Glück“
Für Jessica Weigel ein riesiges Glück, wie sie sagt. „Was wäre denn gewesen, wenn ich nicht länger mit meiner Tochter Ball gespielt hätte oder wenn ich mir bei dem pinken Teil im Wasser nichts gedacht hätte?“, fragt sie sich und ist froh, dass es so ausgegangen ist.
Sie habe noch zuvor mit ihrer Freundin darüber gesprochen, wie gut neonfarbende Badekleidung für Kinder sei, „weil mein Sohn Badeshorts in neon-orange hat“, sagt sie. Dass das Mädchen auch einen pinken Badeanzug getragen habe, sei großes Glück gewesen.
Knallige Farben sind wichtig
Darauf weist auch Heinz Trauernicht, Bürgermeister der Gemeinde Uplengen, hin. „Die schnelle Rettung hat das siebenjährige Mädchen nicht zuletzt seinem auffälligen neonpinken Badeanzug zu verdanken. Immer wieder fällt den Rettungsschwimmern auf, wie schwer es ist, Personen in unauffälliger Badebekleidung in Gefahrensituationen zu entdecken.“ Daher möchte die Gemeinde Uplengen vor allem Eltern darauf hinweisen, bei ihren Kindern auf auffällige Badebekleidung zu achten und appelliert insbesondere nochmal an die Aufsichtspflicht der Erziehungsberechtigten. „Ich bin heilfroh, dass das so ausgegangen ist“, sagt Trauernicht im Gespräch mit dieser Zeitung. Es sei großartig, dass die Ersthelferinnen und auch die Rettungsschwimmer so gut reagiert hätten. „Gerade bei Kindern geht einem das sehr nahe“, sagt er.
Das bestätigt Jessica Weigel. Der zweifachen Mutter geht alles auch einen Tag nach ihrer rettenden Tat noch nah. Ihre Tochter habe ebenso noch sehr mit dem Anblick des kleinen Mädchens zu kämpfen, sagt Weigel. „Sie fragt immer: Geht es ihr wirklich gut?“, erzählt Weigel. Es werde sie noch einige Zeit beschäftigen, aber sie sei froh, dass es gut ausgegangen sei.