Hannover Rechtes Gegröle an Schulen: Verantwortung nicht auf Lehrer abwälzen
„Deutschland den Deutschen – Ausländer raus“: Zum Partyhit „L‘amour toujours“ grölen auch Schüler solche Parolen. Da muss im Elternhaus schon einiges schiefgelaufen sein.
Einige Bier, Wein oder Kurze intus und schon wird der eigentlich harmlose Partyhit „L‘amour toujours“ in widerwärtiger Weise verschandelt, indem Feiernde scheinbar völlig ungeniert und ausgelassen zum Refrain „Deutschland den Deutschen – Ausländer raus!“ grölen. Manche dürften auch nüchtern eingestimmt haben.
Was in jüngster Zeit auf Schützenfesten und an Pfingsten auf Sylt zu beobachten war, ist eine völlige Enthemmung, die weder durch übermäßigen Alkoholkonsum noch einen Partyrausch zu rechtfertigen ist.
Damit nicht genug, fanden sich Nachahmer an diversen Schulen in Niedersachsen und in anderen Bundesländern, wie eine Abfrage unserer Redaktion in den Bildungsministerien ergeben hat. Schleswig-Holsteins zuständige Ministerin Karin Prien weist zu Recht darauf hin, „dass es kein Scherz ist, solche Parolen zu singen“.
Ausgerechnet an Schulen. Den Orten, wo Menschen aus verschiedenen Nationen gemeinsam lernen und aufs Leben vorbereitet werden sollen. Es ist gut und richtig, dass solche Taten entsprechend sanktioniert werden. Und es stimmt auch, dass Lehrer bei der Vermittlung unserer demokratischen Grundordnung eine Schlüsselrolle einnehmen.
Doch die Verantwortung allein auf die Schulen abzuschieben, greift zu kurz. Respekt und Verfassungstreue lernt man nicht nur im Unterricht, sondern im besten Fall bereits im Elternhaus. Wer sich dazu hinreißen lässt – und sei es auch „nur“ aus einer Feierlaune heraus – lauthals in fremdenfeindliches Gegröle einzustimmen, hat vermutlich nie einen ordentlichen Grundwerte-Kompass an die Hand bekommen.
Umso wichtiger ist es, aufzustehen und dagegenzuhalten, wenn Mitmenschen durch rechtsradikale Parolen verunglimpft werden. Und das nicht nur beim Schützenfest oder der Party auf Sylt, sondern auch und insbesondere in der Schule.