Gartenserie Artenvielfalt mit Wildpflanzen und Naschgärten fördern
Garten-Expertin Karin Berends-Lüürßen erklärt den Trend des Rewilding. So wird der Garten in eine Oase für Insekten, Vögel und Pflanzen verwandelt.
Langholt - Das Gartenjahr ist im Juli angekommen. Das Wetter ist durchwachsen und nicht zu heiß. Ich mag, dass es ab und an regnet, um nicht so viel gießen zu müssen. Moderate Temperaturen sind auch nicht das Schlechteste. Aber über 20 Grad darf es dann doch gerne sein. Heute möchte ich etwas über den neuen Trend der Wilding- oder „Rewilding“-Bewegung berichten. Diese Bewegung versucht, die Zeiten zurückzudrehen, als heimische Pflanzen auf sonnigen Wiesen, in dunklen Wäldern und an mäandernden Flussufern und schattigen Bächen gediehen. Mit dieser Artenvielfalt der Pflanzenwelt blühten Insekten, Vögel und Säugetiere auf. Es ist weit entfernt von heute mit unseren Listen an gefährdeten Pflanzen und Tieren.
Rasen in Wiese umwandeln
Renaturierung in sonnigen Räumen könnte eine Rasenfläche betreffen. Hierbei wird ein Rasenstück in eine Wiese umgewandelt. So wie Bienen zusammenarbeiten, um einen Bienenstock zu bauen, ist der Gedanke dabei, dass in einer Gemeinschaft von Wiesen ein Korridor von Wildpflanzen geschaffen wird. Somit finden die Insekten in einem großen Bereich einen zusammenhängenden Wildwiesen-Korridor vor, um überleben zu können. Jeder kann sich mit einer kleinen Fläche daran beteiligen. Sogar im Kübel oder auf dem Balkon sowie auf der eigenen Terrasse ist es möglich. Ich finde es einen schönen Gedanken, dass alle in ihren Möglichkeiten beteiligt sind.
Diese Bereiche tragen wesentlich zum Schutz und Erhalt einheimischer Singvögel, Bestäuber und anderer Arten bei. Es ist natürlich auch im Schatten einiges möglich, um etwas zu renaturieren. Eine Art Waldgarten zu erschaffen, mit Bäumen und Unterpflanzung von Stauden und Wildpflanzen, schafft Unterschlupf für viele Tiere und natürlichen Schatten für den Menschen. Die Luft wird nicht so aufgeheizt, und wir lieben es doch, im natürlichen Schatten einen Tee oder Kaffee zu trinken.
Naschgarten anlegen
Eine weitere Möglichkeit ist es, einen Naschgarten in diesem Bereich zu schaffen, den man auch gerne mit den Vögeln teilt. So geht es Tier und Mensch auf jeden Fall besser. Rote und Schwarze Johannisbeeren, Traubenkirschen, Stachelbeeren und Felsenbirne sowie Holunder und Weiden ziehen Bestäuber magisch an. So können wir alle mit nicht so großem Aufwand zur Arterhaltung beitragen. Auch Wasser im Garten kann man renaturieren, indem man das Regenwasser in Regentonnen zum Gießen verwendet oder einen kleinen Bach im Garten damit speist. Auch das Pflanzen von Uferstauden oder Büschen kann helfen, dass unser verschmutztes Abwasser nicht in die Kanalisation gelangt und sofort von den Pflanzen aufgebraucht wird. So kommt es zu weniger Überschwemmungen.
Natürlich können wir in heutigen Zeiten nicht in die Vergangenheit zurück. Aber für den Menschen und die Natur ist das ein Anfang eines Heilungsprozesses. Ich denke, auch mit kleinen Schritten können wir alle dazu beitragen, dass es wieder mehr Artenvielfalt, weniger Überschwemmungen, bessere Luft und nicht mehr so heiß in Siedlungen oder Städten wird. Pflanzt mehr Bäume und macht so viel natürliches Grün wie möglich. Wilde Ecken und Totholz sind auch vonnöten. Kurz gesagt, ist zu viel Aufräumen nicht gut für die Natur und im Endeffekt auch nicht für uns Menschen.