Osnabrück  Caspar David Friedrich: Heute wirkt er zeitgenössisch, damals aus der Zeit gefallen

Tobias Sunderdiek
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Von Tobias Sunderdiek
| 07.07.2024 10:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ein Bild von Caspar David Friedrich im Pommerschen Landesmuseum in Greifswald. Am 28.04.2024 wurde hier die Ausstellung „Caspar David Friedrich. Lebenslinien. Eine Wanderung in Zeichnungen & Bildern“ eröffnet. Foto: dpa/Stefan Sauer
Ein Bild von Caspar David Friedrich im Pommerschen Landesmuseum in Greifswald. Am 28.04.2024 wurde hier die Ausstellung „Caspar David Friedrich. Lebenslinien. Eine Wanderung in Zeichnungen & Bildern“ eröffnet. Foto: dpa/Stefan Sauer
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Er malte Bilder, in denen man für Stunden versinken kann. Doch ihren Schöpfer Caspar David Friedrich machten sie erst nach seinem Tod berühmt. Zu Lebzeiten blieb sein Atelier unbesucht, er wurde verlacht. Heute sind seine Bilder nicht mehr wegzudenken.

Menschen, meist von hinten gemalt, verschwinden in Nebellandschaften voller Nebel oder vor scheinbar unendlicher Weite. Oder die Bilder zeigen vereinzelte, oft kahle, nicht selten knöcherige Bäume. Schiffssegel verschwinden vor Sonnenuntergängen am Horizont, ein anderes berühmtes Gemälde zeigt aufeinandergestapelte Eisschollen im Winter. Ein berühmtes Motiv waren auch die Kreidefelsen an der Ostsee.

Es sind Bilder, in die man sich lange Zeit versinken kann. Caspar David Friedrich machten sie nach seinem Tod berühmt und zu einem der berühmtesten Vertreter der deutschen Romantik. Es sind auch Bilder, die Fragen aufwerfen: Was kann ein Bild nicht zeigen, aber erfahrbar machen? Was ist der Mensch? Hat er eine Bestimmung? Überlebt er die Natur, oder überlebt die Natur ihn? Was ist die Unendlichkeit?

Doch das Missverständnis, dass Friedrich damals mit seiner Kunst erntete, ist nicht nur immens, sondern auch unter anderem Gegenstand in der Arte-Sendung „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ in der Reihe „Große Kunst erleben“ 7.7., 16.55 Uhr), inszeniert von Angelika Kellhammer. Heute undenkbar, doch selbst Genies erkannten damals Friedrichs Genius nicht. Zum Beispiel Johann Wolfgang von Goethe. War er zunächst noch Förderer zu Beginn von Friedrichs Malerkarriere, verstand der Dichterfürst aber nicht die künstlerische Absicht hinter den Bildmotiven. Genau wie viele Zeitgenossen des Malers. Schlimmer noch: die Bilder wurden in Ausstellungen verlacht.

Friedrich wird damit häufig als ein aus seiner Zeit gefallener Avantgardist und Vertreter der Vormoderne verortet. Was ihn heute so zeitgenössisch erscheinen mag, lag als Frage jedoch zu seinen Lebzeiten noch in künstlerischer Ferne.

Am Ende seines Lebens war der Maler dann vergessen, er hatte einen Schlaganfall und starb früh: Mit nur 66 Jahren im Jahr 1840. Da waren seine Bilder längst nicht mehr in Ausstellungen zugegen, sein Atelier blieb unbesucht. Erst im 20. Jahrhundert, etwa um 1900, wurde Friedrich wiederentdeckt. Und heute? Ausstellungen wie zuletzt noch in den Hamburger Kunsthallen wurden zu Mega-Events, Auktionen erzielen Millionengewinne, sein Werk wird auf Briefmarken verehrt. Und ob auf Postkarten, Postern, T-Shirts oder als Motiv auf Tassen – heutzutage sind seine Bilder omnipräsent.

Gerade läuft mit viel Erfolg eine Ausstellung anlässlich seines 250. Geburtstages in der Alten Nationalgalerie in Berlin (noch bis 4.8.) Es folgen noch Ausstellungen des Albertinums in Dresden (24.8.2024 – 5.1.2025) sowie in Zusammenarbeit mit dem Albertinums im Kupferstich-Kabinett der Staatlichen Kunstsammlungen zu Dresden (24.08. – 17.11.2024). Auch die Stadt Greifswald, der Geburtsort des Ausnahmekünstlers, feiert in vielen Veranstaltungen den 250. Geburtstag Friedrichs. Darüber hinaus gibt es auch die Möglichkeit, virtuell in die Bilderwelten zu reisen. Es gibt also einiges (wieder-) zu entdecken. Dieses Jubiläumsjahr bietet reichlich Gelegenheit dazu.

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