Neuer Laden in Bingum Einzelhandel statt Leerstand – Leeraner Ortsteil wird belebt
Der Bäcker im Ort hat dicht: In Bingum traf man sich bei Bruhns im Dorfkern. Nun gibt es gute Neuigkeiten. Eventuell auch für weitere Ortsteile von Leer.
Bingum - Ein Zettel mit einer Info anstelle von Brötchen: In Bingum hatte Bäcker Bruhns im September vergangenen Jahres geschlossen. Personalprobleme hatten ihn dazu gezwungen, das teilte Bäckermeister Enno Bruhns den Kundinnen und Kunden bei Facebook mit. Der Laden lag zentral in Sichtweite der Ortsdurchfahrt.
„Für Bingum ist das erst einmal sehr schade“, sagte Ortsvorsteher Sönke Eden seinerzeit gegenüber dieser Zeitung. Als Element in der Nahversorgung, aber auch als Treffpunkt sei der Laden essenziell gewesen. Nun gibt es Grund zur Freude: „Es ist korrekt, dass wir in Bingum einen begehbaren Warenautomaten planen, der die Nahversorgung des Ortes gewährleisten soll“, schreibt Dr. Christiane A. Kolass, Pressesprecherin der J. Bünting Beteiligungs AG.
Wie weit ist das Ganze?
Der Vorgang steckt noch in der Anfangsphase. Aktuell hat Bünting einen entsprechenden Bauantrag bei der Stadt Leer eingereicht, bestätigt Stadtsprecher Edgar Behrendt. Der Antrag werde „aktuell von uns geprüft“.
Das Unternehmen habe der Stadtverwaltung in diesem Zusammenhang sein Konzept vorgestellt. „Wir begrüßen diesen Vorstoß, zumal dadurch zum einen die Nahversorgung aufrechterhalten werden kann und es zum anderen keinen Leerstand mehr in dem Gebäude geben wird“, sagt Behrendt.
Sollte sich dieses Projekt etablieren, „könnte es sicherlich auch für andere Ortsteile in Leer, in denen es Schwierigkeiten in Sachen Nahversorgung gibt, eine Option sein“.
Was wird es in dem neuen Laden geben?
Geplant ist eine sogenannte C-Box: „Den Kunden wird ein Sortiment mit Artikeln des täglichen Bedarfs, insbesondere Lebensmitteln, zur Verfügung stehen“, sagt Kolass. Wann genau man alles Nötige wieder direkt im Ort bekommen kann, stehe derzeit noch nicht fest. Derzeit ist unter anderem der „Bäckerei“-Schriftzug noch an der Fassade angebracht. „Der Eröffnungstermin steht noch nicht fest“, so Kolass.
Einerseits sei der Bäcker auch ein Treffpunkt gewesen. „Andererseits gehört so etwas zur Grundversorgung in einem Ort, wenn man so will, ist es genauso Teil der Infrastruktur wie eine Bushaltestelle“, sagt Ortsvorsteher Eden. Mit den neuen Siedlungen sei Bingum ein wachsender Ort, der eine eigene Grundversorgung brauche.
Wo muss man denn derzeit hinfahren?
Zum Thema Einkaufen informiert beispielsweise der Verkehrsverein Bingum auf seiner Internetseite über die Läden, die es direkt im Ortskern gibt. Demnach gibt es einen: Appelboom. Dort finde man Dekoartikel für Haus und Garten oder Blumen und Pflanzen.
Ansonsten weist der Verein auf nahegelegene Einkaufsmöglichkeiten hin: „Die Stadt Leer bietet darüber hinaus große Supermärkte und zahlreiche Geschäfte in der Innen- und Altstadt“, schreibt der Verein. Dabei ist Bingum mit dem Campingplatz nicht gerade unbeliebt bei Touristen, der Ort selbst wächst. Das bestätigt Stadtsprecher Behrendt: „Aktuell leben in Bingum 1633 Bürgerinnen und Bürger.“ Im Zehnjahresvergleich sei das eine leicht steigende Tendenz von plus 74. Im Jahr 2014 hatten 1559 Bürgerinnen und Bürger in Bingum gelebt.
Was tut sich in anderen Orten?
Anfang des Jahres gab die Unternehmensgruppe Bünting bekannt, mit einem neuen Einkaufskonzept für ihre Marke Combi die Grundversorgung mit Lebensmitteln auch in kleineren Orten sicherstellen zu wollen. In Form von begehbaren Automaten, „C-Box“ genannt. Eine solche Containerlösung entsteht derzeit in der Gemeinde Nortmoor (Samtgemeinde Jümme). Anfang des Jahres gab es dazu folgende Eckdaten: 40 Quadratmeter, etwa 500 Artikel. Auch in Wymeer (Gemeinde Bunde) soll eine C-Box eröffnen.
Die Bünting-Gruppe überlegt derzeit, ob solch ein Modell auch für Ditzumerverlaat möglich wäre. „Wir prüfen das noch“, sagte Matthias Adler, Expansionsleiter Nord bei Bünting, Mitte Juni auf Nachfrage. Man kläre die Rahmenbedingungen. Unter anderem gehe es um die konkreten Konditionen. Außerdem müssten Wirtschaftlichkeitsberechnungen angestellt werden. Anders als in Wymeer und Nortmoor sei in Ditzumerverlaat aber kein Laden in Containerbauweise geplant. „In Ditzumerverlaat würde es schon Sinn machen, den vorhandenen Laden zu nutzen“, so Adler. Ähnlich also wie in Bingum.
In Weener gibt es bereits einen Laden, der voll digitalisiert ist. Markus Leggedör hat neben seiner Fleischerei den ersten personallosen Selbstbedienungsladen in der Region eröffnet. „Wir sind aber kein 24/7-Supermarkt und auch kein Späti“, sagte der Weeneraner gegenüber dieser Zeitung. 85 Prozent Waren aus eigener Produktion werden dort angeboten, aber auch viele andere Lebensmittel von regionalen Anbietern. Zugang bekommt man über einen QR-Code, den man sich herunterlädt, das Kassensystem scannt die Waren selbst, gezahlt wird ebenfalls via Handy.