Erster Fehntjer Döner-Imbiss Wie Rhauderfehn vor 30 Jahren auf den Döner kam
Als Ibrahim Özdamar vor 30 Jahren seinen Döner-Imbiss Pantry eröffnete, war vieles noch anders. Das Fehn-Center hatte den Papenburger nach Rhauderfehn gelockt.
Westrhauderfehn - Ganz Deutschland diskutierte über den Stinkefinger-Zeig von Stefan Effenberg bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1994, und in Rhauderfehn freuten sich die Fans des Ballsports auf das Gastspiel vom Hamburger Sportverein an der Werftstraße gegen TuRa 07 Westrhauderfehn. Bei einem Fußballfan aus Papenburg stand an jenen Tagen aber der Sprung in die Selbstständigkeit im Vordergrund. Ibrahim Özdamar eröffnete seinen Döner- und Pizza-Imbiss Pantry am Untenende.
„Von der WM habe ich wenig mitbekommen“, sagt er: „Damals hatte ich noch nicht einmal einen Fernseher hier.“ Auch das hat sich in den 30 Jahren geändert. Mittlerweile läuft bei großen Turnieren immer das TV-Gerät, und Özdamar ist auf dem Laufenden, was gerade auf dem Rasen geschieht.
Es gab schon drei Döner-Imbisse in Papenburg
Dass der Papenburger ans Untenende nach Westrhauderfehn kam, lag an dem guten Standort. „In Papenburg gab es damals schon drei Geschäfte mit Döner“, sagt er. Damals habe er geglaubt, dass es zu viel für die Stadt ist. Als ein Bekannter, der kurze Zeit in dem ehemaligen Gebäude der Volksbank ein Restaurant betrieben hatte, verkaufen wollte, nutze er die Chance. „Ich wollte schon immer selbstständig werden“, sagt Özdamar. An Wochenenden hatte der gelernte Elektro-Installateur schon öfter bei Bekannten ausgeholfen – er kannte sich mit Döner aus. „Sowas gab es in Rhauderfehn noch nicht“, sagt er.
Außerdem standen die Räume direkt am Fehn-Center: Aldi, Ihr-Platz, der Baumarkt D.I.Y. und weitere Geschäfte standen in unmittelbarer Nähe. Özdamar hoffte auf viel Laufkundschaft. Eröffnet hat er sein Geschäft am Freitag, 1. Juli 1994. „Viele kannten den Döner noch nicht.“ Besonders die jungen Fehntjer seien zum Probieren gekommen. 2,50 Mark habe der Döner damals gekostet, meint Özdamar. Und abgesehen von Zaziki habe es damals keine Soßen gegeben. „Das kam erst später.“
„Döner-Amazon“ von Rhauderfehn
Neben dem Preis – der liegt seit kurzem bei 6 Euro – hat sich noch etwas geändert. „Die Qualität des Fleischs ist heute besser“, sagt Özdamar. Die Hersteller würden – auch aufgrund von Auflagen – mehr Wert auf Qualität legen.
Um den Döner zum Kunden zu bringen, habe er sich damals noch etwas aus den Städten abgeschaut: einen Lieferdienst. „Wir waren sowas wie Döner-Amazon“, sagt er und lacht. Der Online-Händler wurde im selben Jahr gegründet. Özdamar und seine Kollegen – bis heute helfen oft auch Mitglieder seiner Familie mit – sind von Anfang an bei Bestellungen auch zum Kunden gefahren. Das war damals, in der Zeit ohne Navigationsgeräte, gar nicht so einfach. „Wir haben mit Karten gearbeitet“, sagt Özdamar. Da die Papierpläne viel genutzt wurden, seien sie beim Zusammenfalten oft gerissen. Daher habe er die Ortspläne immer Kartonweise gekauft. Zehn bis 15 Stück auf einmal. Etwa 50.000 Kilometer fahre er pro Jahr. Ob mehr Kunden Pizza oder Döner kaufen? „Das ist ungefähr gleich“, sagt er.
Das Fehn-Center, das ihn angelockt hatte, gab es nicht mehr lange. Stück für Stück zogen die Geschäfte weiter. Aldi etwa eröffnete eine neue Filiale an der Rhauderwieke, Ihr Platz zog sich aus Rhauderfehn zurück. „Ich war schon enttäuscht“, so Özdamar. Nach und nach habe er sich aber einen Kreis von Stammkunden aufbauen können. Die kamen dann wegen ihm ans Untenende.
Wie mag Özdamar seinen Döner?
Was er immer gemerkt habe: wenn ein neuer Mitbewerber eröffnete. Dann seien oft erstmal einige Leute weggeblieben, sagt er: „Die wollen probieren.“ Stammkunden seien oft wiedergekommen. Manche der Mitbewerber hätten ihre Geschäfte längst wieder geschlossen. Eine Zeit lang gab es zum Beispiel einen Döner-Imbiss an der 1. Südwieke neben Opti o und einen beim Dixi-Supermarkt als Nachfolger vom GrillMaster-Imbiss. Andere sind geblieben. Der Döner hat sich mittlerweile durchgesetzt. Nicht nur in Papenburg, sondern auch in Rhauderfehn gibt es heute mehr als nur drei Döner-Imbisse. „Mittlerweile kommen auch ältere Kunden“, sagt Özdamar. Und auch manche Stammkunden von einst würden noch kommen, oder eben mittlerweile deren Kinder.
Und mag jemand, der seit 30 Jahren Döner zubereitet, selbst noch die Kultspeise? „Ja“, sagt der Imbiss-Chef. Der Vorteil sei, dass der Döner schön sättigend sei. Für sich selbst würde er ihn nur etwas anders zubereiten. „Ich esse den mit etwas weniger Fleisch und Salat.“ Aber auch mit Soße. Welche? „Ich liebe alle meine Soßen“, sagt er. Daher wechsele er öfter.