Verkehrsader wird Großbaustelle Neubau der Rheiderlandstraße – das kommt auf Pendler zu
Die Rheiderlandstraße verbindet die Kreise Leer und Emsland. Geschätzt 20.000 Fahrzeuge in 24 Stunden rollen dort. Hier kommen die neusten Infos für Pendler.
Rheiderland - Aus Hauptverkehrsader wird Großbaustelle: Der Neubau der Rheiderlandstraße steht an. Die K 158 verbindet die Kreise Leer und Emsland. Über die Straße rollt der Verkehr aus Papenburg in Richtung Rheiderland, ebenso der Berufsverkehr der Meyer-Werft. 20.000 Fahrzeuge sollen dort innerhalb von 24 Stunden entlangrollen, so die Prognose. Aber dazu später mehr.
Kürzlich gab es einen Pressetermin zum Projekt, bei dem Vanessa Gattung, Bürgermeisterin der Stadt Papenburg, der emsländische Kreisbaurat Dr. Michael Kiehl und Detlev Thieke, Fachbereichsleiter Straßenbau beim Landkreis Emsland sowie Marc-André Burgdorf, Landrat des Emslands dabei waren. Hier kommen die wichtigsten Infos.
Wieso wird eine komplette Straße verlegt?
„Es geht vor allem darum, für Verkehrssicherheit zu sorgen. Drei aktuelle Unfallhäufungsstellen sollen durch die anstehenden Arbeiten beseitigt werden“, erklärte Landrat Marc-André Burgdorf. Zum Hintergrund: Unter anderem wurde auf Teilen der Rheiderlandstraße das Tempolimit heruntergesetzt. Die Rheiderlandstraße gehöre zu den Strecken der Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim, auf denen in der Vergangenheit „übermäßig viele Unfälle mit schweren Personenschäden“ zu verzeichnen waren, hieß es Anfang 2024. So wurde unter anderem auf dem Streckenabschnitt zwischen der Kreuzung Waldstraße/Deverhafen bis zum Tor 1 und 2 der Meyer Werft die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 70 Stundenkilometern auf 60 reduziert.
Was ist genau für Auto- und Radfahrer geplant?
Die neue Kreisstraße solle künftig südwestlich der vorhandenen Trasse über eine Länge von rund 3,34 Kilometern von der Emsbrücke über den Ortsteil Bokel bis Höhe Friederikenstraße verlaufen. Sie werde gegenüber der alten Fahrbahn mit 6,50 Metern eine neue Fahrbahnbreite von acht Metern erhalten.
„Hinzu kommt ein von der Fahrbahn abgesetzter 2,50 Meter breiter Radweg. Radfahrende sollen zudem sicher in einem eigens dafür gebauten Tunnel in Höhe des Bokeler Torfweges die Rheiderlandstraße unterfahren können“, heißt es in der Mitteilung weiter. Eine Anbindung zum innerstädtischen Bereich der Stadt Papenburg sei damit gewährleistet.
Was hat das Ganze mit dem Hafen und der Werft zu tun?
Nicht zuletzt wolle man dem Gewerbe mehr Platz zur Entwicklung geben, fügte Bürgermeisterin Vanessa Gattung hinzu. Dabei gehe es um die von der Stadt anvisierte Weiterentwicklung unter anderem „des Gesamtsystems Hafen mit der Meyer-Werft und dem Seehafen“. Dies sei ein weiterer Grund für die Verlegung der K 158: „Diese Maßnahme ist ein wichtiger Schritt für die wirtschaftliche Entwicklung und Zukunftssicherung unserer Stadt.“
Zudem habe Landrat Burgdorf noch in der letzten Kreistagssitzung vor der Sommerpause betont, „wie wichtig die Infrastruktur für den Erhalt der Meyer Werft sei.“ Er sehe hier unter anderem den Landkreis Emsland und die Stadt Papenburg in der Pflicht. „Als ein Beispiel neben anderen nannte er auch die Verlegung des Bokeler Bogens im Zuge der K 158.“
Was passiert derzeit und wie geht es weiter?
Neben der Brücke über die Ems soll es noch eine neue über die Bahnschienen geben: Die Bauleistungen für die Hauptgewerke für die neue Brücke werden derzeit europaweit ausgeschrieben. „Die vorbereitenden Arbeiten für die neue Betonbrücke mit einer Stützweite von 39,15 Metern, die die Bahntrasse Münster – Emden künftig überspannen soll, laufen bereits.“ Die alte Brücke solle im Jahr 2028 zurückgebaut werden. Ab Ende Juli sollen sogenannte Probebohrpfähle gesetzt werden, bevor nach einem Beobachtungszeitraum von rund zehn Wochen die eigentlichen Brückenbauarbeiten aufgenommen werden könnten. „Die Bauzeit ist auf etwa drei Jahre festgelegt. Mit Baubeginn muss der Bokeler Torfweg voll gesperrt werden. Genaue Informationen dazu werden zu gegebener Zeit öffentlich gemacht.“
In der Mitteilung gibt es auch einen Blick in die Zukunft: Für die Erd- und Straßenbauarbeiten in der Haupttrasse sei der Baubeginn im Dezember 2024 vorgesehen; das Ende der Bauarbeiten für voraussichtlich Mai 2026.
Wie sind Pendler betroffen?
Bei der neuen Brücke über die Bahnstrecke werde eine Blendschutzwand installiert, die mögliche Lichtreflexionen durch Züge und damit einhergehende Blendungen des Straßenverkehrs unterbinden soll.
„Für die Erd- und Straßenbauarbeiten zur Verlegung der Kreisstraße kann der Großteil der Arbeiten ohne Verkehrseinschränkungen durchgeführt werden“, heißt es allerdings. Nur wenn es anschließend um die Arbeiten für die Anschlüsse unter anderem des Kreuzungspunkte K 158/K 104 und weiterer Bereiche gehe, seien „Verkehrsbehinderungen zu erwarten“ und „Sperrungen unumgänglich“.
Was kostet das Ganze?
Die Maßnahme ist ein Gemeinschaftsprojekt des Landkreises Emsland und der Stadt Papenburg. „Nach gegenwärtiger Schätzung belaufen sich die Kosten auf rund 28 Millionen Euro“, heißt es vom Kreis Emsland. Diese Summe werde mit 60 Prozent gefördert. „Die verbleibenden Kosten in Höhe von 11,2 Millionen Euro werden jeweils zur Hälfte von den Projektpartnern getragen.“