Westoverledinger veröffentlicht Buch  Autor und Illustrator Wilfried Stubbe bringt „Märchenwelten“ raus

Clarissa Scherzer
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Von Clarissa Scherzer
| 26.06.2024 17:55 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Wilfried Stubbe fühlt sich seit Kindheitstagen der Natur verbunden. Sie ist auch Thema seiner Werke. Fotos: Scherzer
Wilfried Stubbe fühlt sich seit Kindheitstagen der Natur verbunden. Sie ist auch Thema seiner Werke. Fotos: Scherzer
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Wilfried Stubbe veröffentlichte kürzlich sein neuntes Buch mit dem Titel „Märchenwelten“. Worum es in dem Werk geht, und warum Frauen besser zu zeichnen sind als Männer, erklärt er im Gespräch.

Westoverledingen - Der gebürtige Papenburger Wilfried Stubbe veröffentlichte kürzlich sein neuntes Buch mit dem Titel „Märchenwelten“. Darin versammelt Stubbe 44 märchenhafte, gezeichnete Allegorien mit kleinen, begleitenden Texten. Davon sind 16 seiner Zeichnungen als Ansichtskarten erhältlich. Wir haben den Autor und Künstler in seinem abgeschiedenen Naturdomizil in Westoverledingen besucht. Bei einer Tasse Ostfriesentee sprach der 69-jährige über seine Märchenwelten und Inspirationsquellen. An seinem zehnten Projekt arbeitet er bereits.

Der Autor und Illustrator veröffentlichte insgesamt 9 Werke. Hier eine Auswahl.
Der Autor und Illustrator veröffentlichte insgesamt 9 Werke. Hier eine Auswahl.

Das Haus, in dem Wilfried und Wilma Stubbe wohnen, liegt abseits von Neubausiedlungen und Schnellstraßen. Über einen langen Feldweg kommt man zu dem alten Fehnhaus, dem Elternhaus seiner Frau, das Familie Stubbe bewohnt. Links davon befindet sich ein großer Teich, umgeben von unzähligen Bäumen, die Wilfried Stubbe eigenhändig pflanzte. Ein kleines Refugium für Mensch und Tier. Seit 1983 lebt das Ehepaar dort. Der Autor und Künstler entdeckte in jungen Jahren das Schreiben für sich. Mit 16 verfasste er seine erste Geschichte. Es folgten weitere Kurzgeschichten, die er allesamt eigens für sich zu Papier brachte. „In den Geschichten ging es um das Thema Lebenssuche, aber auch um Fantasiewelten, die realistisch angelegt waren. Ich sehe in die Tiefe der menschlichen Psyche und habe ein feines Gespür für Menschen. Ich kann Gut und Böse ganz gut unterscheiden“, beschreibt sich Stubbe, der gelernter Touristikfachwirt ist und in seinem Job viel Kontakt zu Menschen hatte. Beim Schreiben gehe es ihm aber nicht um psychologische Aufarbeitung. Im Fokus seines Schaffens stehe der Prozess des Schreibens. Dabei fühle er sich wie ein Getriebener. „Ich will viele Dinge komprimiert unterbringen, als wenn ich es gar nicht abwarten kann, das fertig zu bringen. Ich bin dann wie getrieben und möchte schnell auf den Punkt kommen. Es ist wie kalt duschen“, so Stubbe. Alle seine Bücher bis auf eines veröffentlichte er im Eigenverlag.

Es geht um die Aussage

Wirft man einen Blick in sein neuestes Buch, wird schnell klar, was der Autor meint. Jeweils auf der linken Seite finden sich knappe, begleitende Texte zu seinen Illustrationen der gegenüberliegenden Seite, die der Künstler mit Fineliner auf Aquarellpapier bringt. Dabei strebe er keine Perfektion an. „Es geht mir nicht um hochgradig dekorative Zeichnungen. Es geht mir um die Aussage, die kann man ja in jedem Bild nachlesen“, sagt Stubbe. Text und Bild regen gemeinsam zum Nachdenken an. Themen wie Elend und Freude, Freundschaft und Einsamkeit, Geheimnisse und Liebeskummer werden aufgegriffen. Seine Gefühlswelten und Erinnerungen von früher finden sich in seinen Geschichten wieder. Und auch die Natur und fantastische Figuren wie Meerjungfrauen, Schneewittchen und die Schicksalsgöttin Urd nehmen bei Stubbe Raum ein. „Frauen sind immer besser zu zeichnen, als Männer, die geben ja nichts her“, erklärt der 69-Jährige lachend, der sich seit Kindertagen mit der Natur verbunden fühlt. Immer sind Tiere in seinen Werken dabei. Auch schlechte Nachrichten aus der Welt spiegeln sich in den Geschichten wider.

Fantastische Welten und Figuren spiegeln die Wirklichkeit in Stubbes Geschichten wider.
Fantastische Welten und Figuren spiegeln die Wirklichkeit in Stubbes Geschichten wider.

Vor dem Schreiben und Zeichnen mache er keine großen Pläne oder Entwürfe. Von jetzt auf gleich gehe der Schaffensprozess los. Stubbe sagt: „Ich fange an und ziehe es dann in einem Rutsch durch. Ich brauche etwa ein Dreivierteljahr für ein Buch. Mein nächstes Projekt ist ein Roman. Das wird ein bisschen länger dauern. Das erste Kapitel ist schon fertig. Ich schreibe einfach gerne, aber viele Leute lesen heute gar nicht mehr“, bedauert der 69-Jährige. Kaufen kann man seine Bücher nicht. „Ich mache das für mich. Meine Bücher verschenke ich meist alle. Öffentliche Lesungen kommen für mich nicht in Frage.“

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