Angriffe in Freibädern  So viel Sicherheitspersonal steht an ostfriesischen Beckenrändern

Lars Löschen
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Von Lars Löschen
| 25.06.2024 13:15 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes stehen am Beckenrand. Das Auricher Schwimmbad De Baalje setzt nach Angriffen auf Mitarbeiter auf mehr Sicherheit. Symbolfoto: Zinken/DPA
Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes stehen am Beckenrand. Das Auricher Schwimmbad De Baalje setzt nach Angriffen auf Mitarbeiter auf mehr Sicherheit. Symbolfoto: Zinken/DPA
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Im vergangenen Jahr machten Schlägereien in Freibädern bundesweite Schlagzeilen. Auch in Ostfriesland gab es vereinzelte Fälle. So reagieren die Betreiber auf aggressive Badegäste.

Ostfriesland - Einige Badebetriebe in Niedersachsen haben aufgestockt: Sicherheitsleute sollen dem Personal unter die Arme greifen, wenn Badegäste negativ auffallen, beleidigend oder sogar übergriffig werden. Verschiedene Vorfälle aus dem vergangenen Jahr, teils mit verletzten Mitarbeitern, haben dazu geführt. Im Cloppenburger Soestebad wird bereits testweise auf Sicherheitskräfte gesetzt. In Ostfriesland zeigen sich die Badegäste an einigen Orten aggressiver als anderswo.

Im Freizeitbad De Baalje in Aurich öffneten nach den diesjährigen Revisionsarbeiten am Montag, 24. Juni 2024, die Tore, bestätigt Stadtsprecher Johann Stromann. In diesem Jahr will man Konfliktsituationen besser zu lösen wissen. Die Mitarbeiter im De Baalje hätten ein Verhaltenstraining durchlaufen – wie Deeskalationsschulungen. Zwei Security-Mitarbeiter seien zudem eingestellt worden.

Badegast verletzte Mitarbeiter

Im vergangenen Jahr gab es im Auricher Schwimmbad mehrere Vorfälle: Im Juli machte ein Badegast Fotos im Badebereich. Dies verstößt gegen die Hausordnung, konfrontierte ihn ein Mitarbeiter. Der Badegast beleidigte den Angestellten und machte weiter Bilder. Nur wenige Tage später eskalierte eine andere Situation noch mehr: Eine Gruppe Männer sprang wiederholt ins Wasser, sodass andere Badegäste dadurch gestört wurden. Auf mehrere Ermahnungen reagierte einer der Männer aggressiv, schlug einen Mitarbeiter und verletzte ihn am Hals.

Im August musste die Polizei gerufen werden, als erneut drei aggressive Männer nach einer Aufforderung nicht das Schwimmbad verließen. Die Beamten hätten zwei Strafanzeigen aufgenommen.

Konfliktpotenzial reduzieren

Hilko Frerichs sind diese Vorfälle ebenfalls bekannt. Er ist Leiter des Freizeit- und Erlebnisbads Wittmund-Isums. Viele Konflikte mit aggressiven Badegästen gebe es in seinem Schwimmbad nicht, sagt Frerichs. Und wenn, dann seien es meist Kinder oder Jugendliche. „Die sind noch zu bändigen“, sagt er. Ein gesondertes Sicherheitsteam habe man in Wittmund nicht. Das würden die Mitarbeiter übernehmen, etwa die Schwimmmeister. Ein größerer Konflikt sei bereits drei Jahre her, erinnert sich Frerichs. Dabei sei eine Frau sexuell belästigt worden. Es hätten sich Gruppen gebildet und es sei zum Streit gekommen.

Besonders wegen Diebstählen und Vandalismus habe man im Freizeit- und Erlebnisbad mit einem Videoüberwachungssystem reagiert. Und auch das Konfliktpotenzial solle klein gehalten werden. „Wir reduzieren im Moment unser Besucherlimit“, sagt der Leiter. Sei der anliegende Parkplatz voll, würden keine Gäste mehr hereingelassen. Das solle gerade in den Sommermonaten dichtes Gedränge und Auseinandersetzungen unter den Badegästen vermeiden. Zu der Frage, ob Frerichs in Zukunft mal auf die Hilfe von Sicherheitskräften setzen muss, meint er: „Das ist nur eine Frage der Zeit.“

Deeskalationstraining statt Security-Kräfte?

Markus Bakker, der Leiter des Friesenbads in Weener, berichtet, dass er bisher nicht auf gesonderte Sicherheitskräfte setze. Es sei bisher zu keinen Übergriffen von Badegästen gekommen. Aber auch sein Personal habe im vergangenen Jahr ein Deeskalationstraining mit der Polizei absolviert. Trainiert worden sei, wie man Konfliktsituationen mit Badegästen auflöst und wie man sich im Notfall wehren darf.

Im Van-Ameren-Bad in Emden seien aggressive Menschen ebenfalls eine extreme Seltenheit, sagt Gudrun Schöttes. Sie ist Vorsitzende des Fördervereins, der das Schwimmbad betreibt. Deswegen könne sich auch hier das Badepersonal um die Konflikte – meist verbaler Art – kümmern. Security-Mitarbeiter gebe es nicht, auch nicht nach dem Großbrand vom Juli 2023. Drei junge Männer waren damals auf das Gelände eingedrungen, entwendeten Bargeld und legten in der Nacht ein Feuer. Dieses hatte das Gebäude des Freibads weitgehend zerstört. Zwei von den Brandstiftern müssen mehrjährige Haftstrafen verbüßen, der dritte wurde zu 150 Arbeitsstunden im Van-Ameren-Bad verurteilt.

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