„Fremantle Highway“-Unglück  Dürfen Autos vom Feuer-Frachter in den Verkauf?

Martin Alberts
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Von Martin Alberts
| 25.06.2024 11:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Im August 2023 werden Autos in Eemshaven von Bord der „Fremantle Highway“ gebracht. Foto: Muijderman/ANP/Imago Images
Im August 2023 werden Autos in Eemshaven von Bord der „Fremantle Highway“ gebracht. Foto: Muijderman/ANP/Imago Images
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Niederländische Unternehmer wollen 260 Autos vom ausgebrannten Frachter „Fremantle Highway“ in den Verkauf bringen. Doch der Hersteller BMW hat Sicherheitsbedenken. Ein Richter soll nun entscheiden.

Den Haag - Knapp ein Jahr nach dem verheerenden Feuer auf dem Autofrachter „Fremantle Highway“, das auch in Ostfriesland die Sorge vor einer Ölkatastrophe wachrief, ist der Streit um einen Teil der geladenen Fahrzeuge vor Gericht gelandet. Konkret geht es um 260 Wagen des Herstellers BMW, wie RTV Noord berichtete. Vergangene Woche wurde demnach in Den Haag die Frage verhandelt, ob die Autos, die zum Zeitpunkt des Brandes fabrikneu waren, trotz Sicherheitsbedenken des deutschen Konzerns nun an Endkunden verkauft werden dürfen.

Auf der „Fremantle Highway“ war in der Nacht auf den 26. Juli 2023 rund 30 Kilometer vor der niederländischen Insel Ameland ein Feuer ausgebrochen, ein Besatzungsmitglied aus Indien kam während der Evakuierung des Schiffs ums Leben. Das Unglück hatte die Angst befeuert, austretendes Schweröl könne an die Küste gespült werden oder das Schiff könne mitsamt seiner Fracht – knapp 3800 Fahrzeuge – in der Nordsee sinken. Schließlich gelang es Bergungsexperten, den knapp 200 Meter langen Frachter nach Eemshaven zu schleppen. Dort wurden auch die 260 BMWs entladen, um die es nun vor Gericht geht.

BMW ließ die 260 Autos Ende 2023 beschlagnahmen

Was mit den Fahrzeugen, die in Eemshaven eines nach dem anderen aus dem Bauch des schwer beschädigten Schiffs fuhren, geschehen soll, war lange unklar. Zumindest bei einem Teil der Fracht lässt sich deren Weg nun nachvollziehen. Laut RTV Noord gehören die 260 Autos inzwischen einem Zusammenschluss von Unternehmern und Firmen aus Rotterdam. Sie hätten die Fahrzeuge über einen Zwischenhändler von einer taiwanesischen Versicherungsgesellschaft gekauft – und wollen sie an Autofahrerinnen und -fahrer verkaufen.

Damit ist BMW allerdings nicht einverstanden: Der Münchner Hersteller war – wenn es allein um die Fracht der „Fremantle Highway“ geht – der Hauptbetroffene des Brandes Ende Juli 2023, wie die „Automobilwoche“ kurz darauf berichtete. Laut RTV Noord hatte BMW bereits im Herbst vergangenen Jahres Wind von den Verkaufsplänen der Rotterdammer Unternehmer bekommen und die Autos im Dezember beschlagnahmen lassen. Zunächst sollten die Fahrzeuge gründlich untersucht werden, um Sicherheitsprobleme ausschließen zu können, die wiederum der Reputation von BMW schaden könnten.

Anwalt: „Es war nur Ruß auf den Autos.“

Vor Gericht wollen die Eigentümer die Beschlagnahmung der Fahrzeuge nun aufheben lassen. Denn größere Schäden seien an den Autos nicht festgestellt worden. „Es war nur Ruß auf den Autos“, sagte der Anwalt der Unternehmer laut RTV Noord während der Sitzung.

BMW hingegen schwebt eine andere Lösung vor: Recycling. Die 260 Fahrzeuge seien als Totalschaden deklariert worden, ihr Einsatz im Straßenverkehr sei mit hohen Risiken verbunden. Sie zu verschrotten, sei die einzig sinnvolle Lösung, wird ein BMW-Anwalt im Bericht zitiert. Diesen Weg hätten auch andere betroffene Autohersteller wie Audi und Mercedes für ihre Fahrzeuge gewählt. Eine Entscheidung will der Richter am 15. Juli verkünden.

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