Gebäude alt und zu klein  Bekommen die THW-Retter aus Leer endlich ihren neuen Standort?

Nikola Nording Rieke Heinig
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Von Nikola Nording und Rieke Heinig
| 24.06.2024 18:59 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Michael Vry (links) vom THW erklärt dem Parlamentarischen Staatssekretär bei der Bundesinnenministerin, Johann Saathoff, (Mitte) sowie den Bundestagsabgeordneten Anja Troff-Schaffarzyk (rechts) und Peggy Schierenbeck, wo es hakt und welche Aufgaben die Retter haben.
Michael Vry (links) vom THW erklärt dem Parlamentarischen Staatssekretär bei der Bundesinnenministerin, Johann Saathoff, (Mitte) sowie den Bundestagsabgeordneten Anja Troff-Schaffarzyk (rechts) und Peggy Schierenbeck, wo es hakt und welche Aufgaben die Retter haben.
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Alte und zu wenige Sanitäranlagen, kaum Umkleiden und veraltete Elektronik: Das THW in Leer platzt aus allen Nähten und soll seit Jahren einen Neubau bekommen. Das ist der Stand.

Leer - Ungläubiges Lachen erfüllt die Räume des Technischen Hilfswerks (THW) in Leer, als das in die Jahre gekommene Gebäude am vergangenen Freitag von der Politik besichtigt wird. Denn hoher Besuch hatte sich für den 21. Juni angekündigt: Der Parlamentarische Staatssekretär bei der Bundesinnenministerin, Johann Saathoff (Pewsum), sowie die Hollener Bundestagsabgeordneten Anja Troff-Schaffarzyk und Peggy Schierenbeck (alle SPD) hatten sich an diesem Tag für ein Gespräch und eine Besichtigung auf den Weg in die Allemannenstraße gemacht. Der Grund: Der Leeraner Ortsverein des THW benötigt dringend einen neuen Standort.

Wie ist die aktuelle Lage?

Seit 1986 ist das Technische Hilfswerk an der Alemannenstraße in Leer-Loga stationiert. Gebäude, Hallen, Parkplätze und der Übungsdeich sind dort zu finden. Doch der Platz reicht seit Jahren nicht mehr. Die Spinde der ehrenamtlichen Retter sind über das ganze Gebäude verteilt. Mit mehreren Menschen ist kaum ein Durchkommen. Für die Frauen beim THW gibt es nur eine Dusche und eine Toilette. Das Warmwasser reicht meist nur für maximal zwei warme Duschen hintereinander. In der Umkleide der Männer geht das Licht aus, wenn der falsche Schalter im Nebenraum gedrückt wird. Und das ist nicht einmal alles.

Es hakt nicht nur bei den Sanitäreinrichtungen. „Ein Fahrzeug steht seit 2012 draußen“, sagte Stefan Sandstede, Ortsbeauftragter des Leeraner THW, bereits Anfang 2023 im Gespräch mit dieser Zeitung. Das sei kein Zustand, „das sind ja auch Steuergelder“, merkt er an. Einige Ausrüstungsteile sind bereits ausgelagert. Der Informations- und Kommunikationstrupp ist in Nortmoor in einer Halle des Landkreises untergebracht. Das Notstromaggregat des THW steht bei der Feuerwehrtechnischen Zentrale. „Das Gelände ist an seine Grenzen des Entwickelbaren gekommen“, sagt Sandstede. Kein Wunder, denn allein in den vergangenen Jahren sind zwei neue Einheiten dazugekommen. Seit 2019 hat das THW die Einheit „Schwere Bergung“ und seit 2023 die Einheit „Technische Ortung“.

Wie steht es um den Neubau?

Der Tatsache, dass es so nicht länger weitergehen kann, scheinen sich auch die Politiker bewusst sein, wie sie im Gespräch am Freitag betonen. Für den Katastrophenschutz sei es wichtig, dass das THW gut ausgerüstet sei, so Johann Saathoff. „Und dazu gehört auch ein vernünftiges Gebäude.“ Der Politiker, unter dessen Aufgaben auch der Katastrophenschutz fällt, erklärt, er wolle sich dafür einsetzen, dass im Haushalt 2025 der Bundesregierung Neubauten für 30 THW-Standorte mit eingeplant werden. „Mit den ersten 15 gehen wir schon jetzt voran. Die gute Botschaft: Der Standort in Leer gehört dann zu den nächsten 15, die profitieren sollen“, sagt Saathoff. Eine Nachricht, die bei Stefan Sandstede gut ankommt.

Gute Stimmung bei Ortsgruppenleiter Stefan Sandstede (links) vom THW: Die Leeraner Helfer sollen in der Haushaltplanung des Bundes berücksichtigt werden. Foto: Heinig
Gute Stimmung bei Ortsgruppenleiter Stefan Sandstede (links) vom THW: Die Leeraner Helfer sollen in der Haushaltplanung des Bundes berücksichtigt werden. Foto: Heinig

Warum ist das THW Leer noch nicht jetzt in der Planung?

Dass die Leeraner Ortsgruppe sich noch ein wenig gedulden muss, liege insbesondere daran, dass es in der Vergangenheit noch an dem passenden Grundstück haperte, erklärt Saathoff. Es gehe also zwar zum einen nach Betroffenheit – die dürfte in der Allemannenstraße besonders groß sein – aber eben auch nach verfügbaren Grundstücken.

Wann kann es losgehen?

Der Bundeshaushalt für 2025 wird diesen November beschlossen. „Dann wissen wir endgültig Bescheid und können planen“, sagt Saathoff. Wie schnell es mit dem Bau dann losgehen kann, hinge nicht zuletzt an den Vorbereitungen des Ortsverbands selbst. Der sei aber, so Johann Saathoff, „gut aufgestellt.“ Er sei „optimistisch, dass es schnell geht“.

Ein passendes Grundstück ist nämlich inzwischen gefunden. „Und es ist das letzte Grundstück in Leer, das für so etwas überhaupt zur Verfügung steht. Wir hatten Glück“, erklärt Stefan Sandstede vom Ortsverband. Der Briefmarkenentwurf – eine Zeichnung, wie die Gebäude auf dem Grundstück verteilt werden sollen – sei inzwischen fertig und die Vertragsparteien handelten die letzten kleinen Details aus.

Woran haperte das Vorgehen in der Vergangenheit?

Organisatorisch gehört das THW als Bundesanstalt zum Geschäftsbereich des Innenministeriums. Jeder Neubau wird daher von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) verantwortet. Neben der Bima ist bei Neubauten des THW auch das Staatliche Baumanagement, eine Landesbehörde, miteinbezogen. Außerdem entscheidet beim THW nicht nur der Ortsverband vor Ort, sondern auch der Landesverband und die Regionalstelle, die für Leer in Oldenburg sitzt.

Bereits Juli 2018 fiel die Entscheidung, dass das THW in Leer ein neues Gebäude braucht.

Zunächst war geplant, es in die Nachbarschaft zur geplanten Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) in Nüttermoor anzusiedeln. Es gab ein passendes 8000 Quadratmeter großes Grundstück an der Zinnstraße. Außerdem hätte es dem THW gefallen, in der Nähe der Feuerwehreinsatzkräfte und des Katastrophenschutzes zu sein. Die Bürokratiemaschinerie beim THW legte los. Es passierte zunächst nicht viel. Die Zeit verstrich. Während der Briefmarkenentwurf noch durch alle zuständigen Instanzen lief, gab es allerdings eine Entscheidung im Landkreis. Im Juli 2021 entschied man sich, die FTZ nach Brinkum zu verlegen. Dort wurde sogar geschaut, ob das THW in der Nähe Platz findet. Doch das ging nicht.

Irgendwann kam die Zusage aller beteiligter Stellen. Doch als man das bereits ausgesuchte und beplante Grundstück in Nüttermoor kaufen wollte, war es verkauft. „Wir hatten Glück, denn die Leer Nord GmbH hatte noch ein passendes Grundstück auf der gegenüberliegenden Seite“, sagte Stefan Sandstede in der Vergangenheit.

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