Urgestein verabschiedet Mit zwei Wünschen verabschiedet sich Weichers
Hans-Dieter Weichers hat sich aus dem Westoverledinger Gemeinderat verabschiedet. Das war ein emotioneller Moment. Zum Abschied äußerte er zwei Wünsche und nannte ein Vorbild.
Ihrhove - Es lässt sich schon als das Ende einer Ära bezeichnen: Die letzte Sitzung des Westoverledinger Rates vor den Sommerferien 2024 war auch für Urgestein Hans-Dieter Weichers die letzte nach gut 28 Jahren. Zum letzten Mal hat der Christdemokrat seinen Platz neben seinen Parteifreunden eingenommen. Um Punkt 18 Uhr eröffnete Ratsvorsitzende Anja Voss-Hafer (SPD) die Sitzung. Es folgen Formalitäten: Feststellung der ordnungsgemäßen Ladung, Anwesenheit und Beschlussfähigkeit. Dieser Tagesordnungspunkt eins, ist der letzte, den Weichers als aktives Mitglied des Rates bestreitet.
Um 18.01 Uhr ist es soweit. Der Tagesordnungspunkt klingt formell, emotionslos und gibt keinen Hinweis darauf, dass in wenigen Minuten der ganze Saal stehend applaudieren wird. „Feststellung des Ratsmitgliedes a) Veronika Bujny b) Hans-Dieter Weichers“. Formell ist der Punkt schnell abgehakt.
Das letzte Mal am Rednerpult
Um 18.02 Uhr steht Weichers noch einmal am Redepult. „Das letzte Mal – es ist ein bisschen komisch“, sagt er und fügt hinzu: „Ich habe so ein Ding im Hals, das nennt man Kloß.“ Dabei ist er sichtlich bewegt. In dem Raum sitzen nur wenige, die damals, also 1996, bei seiner ersten Sitzung dabei waren. Auf seiner linken Seite sitzt Gerhard Wiechers. Der Sozialdemokrat war vor rund zehn Jahren bei der Bürgermeisterwahl der Gegenkandidat von Weichers. Im Zuschauerraum sitzt Theo Lübbers, der Christdemokrat war von 1991 bis 2011 im Rat. „Es hat mich immer mit stolz erfüllt, dass ich dabei sein durfte“, sagt Wiechers. Worte, die man ihm ohne weiteres abnimmt. In seiner Rede nennt er den ehemaligen Ratsherrn Anton Beening als Vorbild. Von dem Esklumer habe er gelernt, dass man auch, wenn man nicht immer einer Meinung sei, gut im Umgang miteinander sein könne. Die diplomatischen Fähigkeiten habe er bewundert.
Zwei Wünsche zum Abschied
Zum Abschied hatte Weichers noch zwei Wünsche an seine ehemaligen Ratskollegen. Erstens: Die Mehrheiten sollen auch die Meinungen der der kleineren Gruppen beachten. Alles andere könne für Frust sorgen. Da solle man nachhaltig denken.
Wunsch zwei richtete sich besonders an die alten Ratsleute. „Macht den Weg frei für junge Leute. Gebt ihnen gute Plätze auf den Wahllisten“, plädierte Weichers zum Abschied. Denn nur, wenn man Nachwuchs zulasse, könne man auch darauf bauen. Dann ist er fertig. Um 18.07 Uhr steht jeder im Saal. Applaudiert dem scheidenden Ratsherrn minutenlang.
Was Ratskollegen an Weichers schätzen
Ganz zu Ende ist die Ära noch nicht. Bürgermeister Theo Douwes stellt sich zu ihm ans Pult. Auch die beiden Männer verbindet der Bürgermeisterwahlkampf aus dem Jahr 2016. Douwes erinnert an den fairen Wahlkampf. Aber nicht nur daran: „Hans-Dieter hat es sehr gut verstanden, seine Dinge umzusetzen.“ Das sei ihm auch in vielen vertraulichen Gesprächen hinter den Kulissen gelungen. Er habe seine Argumente nachvollziehbar gemacht. Fraktionskollege Dennis Hillmer lob „die klare Kante“ und fügt hinzu: „Das habe ich immer geschätzt.“ Als letztes spricht Gerhard Wiechers. Die beiden Männer verbindet viel. Beide sind seit 1996 im Rat, beide waren bzw. sind Fraktionssprecher und wollten im Jahr 2016 Bürgermeister werden. „Da sind wir sehr pfleglich miteinander umgegangen“, sagt der Sozialdemokrat und fügt hinzu: „Ich habe die Zeit mit dir fast immer genossen.“ Sie hätten so manches vertrauliches Gespräch geführt. Dann – um 18.15 Uhr – nahm Weichers die Zuschauerrolle ein und setzte sich neben seinen langjährigen Parteifreund Theo Lübbers auf einen der Plätze hinten im Saal. Den Sitz im Rat für die Christdemokraten übernimmt Bernhard Bekebrok. Für Veronika Bujny (MOIN) folgt Markus Kremers-von Palubicki. Er sowie seine Mutter Angelika Kremers und Alf Reuwsaat (beide bislang WOL 21) schließen sich der neuen Gruppe SPD/Moin/ERM an. Die kommt nun auf 19 Mandate und hat damit die Mehrheit der 32 Sitze.
Wie sich die Ausschüsse ändern
Die Personalwechsel haben auch Folgen auf die Besetzungen von Ausschüssen und Vertretern der Gemeinde in einigen Gremien. Die mussten allesamt neu beschlossen werden. Die wichtigste Änderung: In den Ausschüssen hat nach wie vor die Gruppe mit den Sozialdemokraten die Mehrheit. Die CDU/ERM kommt in der Regel auf drei der neun Stimmen. Die Grünen erhalten jeweils ein Grundmandat. Sie können also beratend an den Ausschüssen teilnehmen, aber nicht abstimmen.
Die Verteilung im Verwaltungsausschuss, nach dem Rat ist es das höchste Gremium, ist leicht anders. Dort sitzen: Reiner Graalmann, Angelika Kremers, Gaby Ostholthoff, Steffen Reich, Gerhard Wiechers, Heinz Wiemers (alle SPD/Moin/ERM), Dennis Hillmer, Bärbel Bleicher-Dust (CDU/ERM) sowie Hedwig Daute (Grüne, nur Grundmandat). Später werden noch 26 Vertreter der Gemeinde etwa für die Verbandsversammlung des Wasserversorgungsverbandes, für die Deutsche Fehnroute oder die Ems-Achse benannt. Insgesamt 26 dieser Posten sind vergeben.
Erste Beschlüsse nach der Ära Weichers
Noch während der Rat dies beschließt, verabschiedet sich Weichers endgültig. Sichtlich bewegt von den vielen lobenden Worten verlässt er mit Lübbers den Raum. Um 18.36 Uhr schließt sich die Tür. Ohne Weichers beschließt der Rat die Änderungen für den Bebauungsplan am Kindergarten in Völlenerfehn sowie einen weiteren für das Umfeld der Teutonenstraße in Ihrhove. Der wohl wichtigste Beschluss: Die Verwaltung soll die Planungen für den Neubau des Kindergartens am Rennschloot in Ihrhove vorantreiben. Dafür hätte Hans-Dieter Weichers sicherlich auch gestimmt.