Georgsmarienhütte  Diskussionen um Fall Oesede: Betroffene von Missbrauch lehnen Treffen mit Bischof Ralf Meister ab

Raphael Steffen
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Von Raphael Steffen
| 21.06.2024 17:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
In der evangelisch-lutherischen König-Christus-Gemeinde Oesede wurden in den 1970er Jahren sexuelle Übergriffe durch einen Mitarbeiter der Kirche vertuscht. Foto: Michael Gründel
In der evangelisch-lutherischen König-Christus-Gemeinde Oesede wurden in den 1970er Jahren sexuelle Übergriffe durch einen Mitarbeiter der Kirche vertuscht. Foto: Michael Gründel
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Die Kritik an Ralf Meister, Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, reißt nicht ab. Dabei bemüht sich die Kirche um die Aufarbeitung von Missbrauch, wie er sich in Georgsmarienhütte ereignet hat.

Weiterhin verlangen mehrere Betroffene von sexualisierter Gewalt in der evangelischen Kirche die Amtsaufgabe des hannoverschen Landesbischofs Ralf Meister und lehnen ein Treffen mit ihm ab. Sie hätten nicht um eine Audienz gebeten, sondern seinen Rücktritt gefordert – diesen sähen sie weiterhin als einzige verantwortungsvolle Option an, erklärt die Initiative in einer Pressemitteilung.

Meister, der seit 2011 an der Spitze der hannoverschen Kirche steht, wird wegen seines Umgangs mit Missbrauch durch kirchliche Mitarbeiter kritisiert. Seitdem eine Aufarbeitungskommission der Kirche Fehler und Versäumnisse im Umgang mit dem Missbrauchsfall Oesede attestiert hat, wird der Druck auf Hannover immer stärker. Auch die Kirchengemeinde Georgsmarienhütte machte ihre Unzufriedenheit mit Meisters Krisenmanagement deutlich.

Auf der Anfang Juni im Kloster Loccum tagenden Landessynode wurden Maßnahmen beschlossen, um mit Missbrauchsvorwürfen und Betroffenen künftig besser umzugehen. Vor allem soll die zuständige Fachstelle im Landeskirchenamt personell aufgestockt und strukturell aufgewertet werden. Für die Präventionsarbeit wurden 500.000 Euro zusätzlich genehmigt. Über weitere Schritte müsste auf Ebene der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) entschieden werden, die im November ihre Synode abhält.

Für die Betroffenen um Katharina Kracht, die sich in der Initiative „Meisterhafte Vertuschung beenden!“ zusammengetan haben, reicht das alles aber nicht aus. Die Fachstelle sei bereits heute großzügig aufgestellt, was die Probleme nicht löse: „Wir brauchen nicht mehr vom Gleichen, sondern etwas völlig anderes“ – nämlich Vernetzung, Unabhängigkeit, Rechtsschutz, ein Beschwerde-Management und eine Ombudsstelle.

Die vier Unterzeichner eines offenen Briefs seien zwar kurzfristig zur Landessynode eingeladen gewesen, hätten aber kein Rederecht erhalten. Von der Betroffenen Nancy Janz, die mehrfach vor dem Kirchenparlament sprach, fühlen sie sich offenbar nicht vertreten: Die Perspektiven von Betroffenen seien „niemals einheitlich“, sondern „sehr heterogen und teilweise kontrovers“. Janz hatte sich den Rücktrittsforderungen gegen Meister nicht angeschlossen.

Das Zugehen des Bischofs auf die Betroffenen nimmt ihm die Initiative nicht ab. Er habe zwölf Jahre Zeit gehabt, sich des Themas sexueller Missbrauch in der Kirche anzunehmen. „In jedem anderen Job müsste er sich dafür verantworten, dass er so lange auf voller Linie versagt hat.“ Demgegenüber hatten sich die übrigen leitenden Organe der Landeskirche hinter Meister gestellt.

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