Hamburg  Sind Energy-Drinks bald nur noch für Erwachsene erlaubt?

Eva Dorothée Rasch
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Von Eva Dorothée Rasch
| 20.06.2024 15:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Immer mehr Experten und Verbraucherschützer sprechen sich dafür aus, für Energydrinks eine Altersgrenze einfzuführen. Foto: Imago/BSIP
Immer mehr Experten und Verbraucherschützer sprechen sich dafür aus, für Energydrinks eine Altersgrenze einfzuführen. Foto: Imago/BSIP
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Für den Kauf von Energy-Drinks könnte bald ein Ausweis nötig werden. Die Verbraucherschutzminister der Bundesländer wollen eine Altersbeschränkung für Energy-Drinks von mindestens 16 Jahren einführen. Und das aus gutem Grund.

In Deutschland gibt es anders als beispielsweise in Schweden, Polen oder Lettland kein gesetzliches Mindestalter für den Kauf und Verzehr von Energy-Drinks. Das wollen die Verbraucherschutzminister der Bundesländer ändern: Sie fordern den Bund auf, eine Altersbeschränkung zu prüfen. Diese solle „bei mindestens 16 Jahren liegen“, heißt es im Beschluss der Verbraucherschutzministerkonferenz.

Energy-Drinks enthalten hohe Mengen an Koffein, außerdem häufig Taurin und Guarana. Zudem ist ihnen sehr viel Zucker zugesetzt. Gesundheitsexperten warnen seit Jahren vor den gesundheitlichen Folgen für Kinder und Jugendliche. Das in den Getränken in hohen Mengen enthaltene Koffein sei eine Substanz, die „lebensgefährliche und tödliche Herzrhythmusstörung auslösen“ könne, sagte der Kinderkardiologe Martin Hulpke-Wette. Dieser Effekt werde erwiesenermaßen „verstärkt“, wenn zusätzlich Taurin aufgenommen werde. Auch Krampfanfälle und Angstzustände werden mit den aufputschenden Getränken in Verbindung gebracht. 

Durch den süßen Geschmack und das gezielte Marketing über Social-Media-Influencer sind Energy-Drinks gerade bei Kindern und Jugendlichen beliebt: Der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zufolge greifen 68 Prozent der Zehn- bis Achtzehnjährigen in der EU zu den Getränken. Jeder vierte jugendliche Konsument trinkt demnach drei oder mehr Dosen auf einmal und überschreitet damit selbst die für Erwachsene maximal empfohlene Koffein-Einzeldosis von 200 Milligramm. 

Nicht nur in der EU, auch in Deutschland trinken Minderjährige zu viel von den ungesunden Getränken. Kein Wunder, einige Internetstars wie Montana Black bringen mittlerweile eigene Energy-Drinks auf den Markt und bewerben diese bei ihren meist jugendlichen Fans.

Laut einer Befragung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) konsumieren zehn Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland zu bestimmten Gelegenheiten übermäßig hohe Mengen an Energy-Drinks von einem Liter und mehr.

Laut einer Verbraucher-Analyse von 2022 sind die Anteile der Konsumenten von Energy-Drinks bei den 14- bis 19-Jährigen und 20- bis 29-Jährigen am größten.

Die Verbraucherschutzminister der Bundesländer sind mit ihrer Forderung nach einer Altersbeschränkung nicht allein. Laut einer repräsentativen Umfrage im Auftrag von foodwatch befürworten 90 Prozent der Befragten ein gesetzliches Mindestalter für den Verkauf. Mehr als die Hälfte von ihnen sprach sich für ein Mindestalter von 16 Jahren aus, knapp ein Drittel von 18 Jahren.

Auch der Bürgerrat Ernährung hatte dem Deutschen Bundestag im Februar ein Verbot von Energy-Drinks für Jugendliche unter 16 Jahren vorgeschlagen.

Die FDP ist gegen eine Altersbeschränkung. FDP-Gesundheitsexperte Gero Hocker sagte der „Bild“: „Von pauschalen Verbotsfantasien halte ich nichts!“ Ein Verbot würde es laut Hocker befördern, dass Jugendliche nicht mehr legale Produkte bei regulären Verkaufsstellen kaufen, „sondern sie stattdessen von vielleicht dubiosen Händlern im Internet beziehen“.

Auch die Union spricht sich gegen den Vorschlag aus. Albert Stegemann, Chef der Arbeitsgruppe Ernährung der Unionsfraktion im Bundestag, sagt zu „Bild“; „Eine Altersgrenze ab 16 Jahren für den Verkauf von Energy-Drinks wäre kein wirksames Mittel. Das würde nur den Reiz des Verbotenen bei Jugendlichen steigern.“ Er hält es für wirksamer, die Portionsgröße zu reduzieren. Das wirke sich auf Zucker-, Kalorien- und Koffeinaufnahme aus.

Bayern lehnt eine Altersbeschränkung für Energydrinks ebenfalls ab: Ein Sprecher des Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz sagte dem Bayrischen Rundfunk, dass sein Bundesland dem Beschluss der Verbraucherministerkonferenz nicht zugestimmt habe.

Das Ernährungsministerium von Cem Özdemir (Grüne) hält den Ländervorstoß laut „Bild“ für ein „wichtiges Thema des Jugendschutzes“, hat sich aber bisher nicht klar dazu positioniert.

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