Oldenburg/Hannover  20.000 Unterschriften für mehr Medizin-Studienplätze an der Uni Oldenburg

Stefan Idel
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Von Stefan Idel
| 20.06.2024 12:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Übergaben fast 20.000 Unterschriften an Wissenschaftsminister Falko Mohrs (Mitte): Universitätspräsident Ralph Bruder (l.) und Prof. Dr. Andrea Morgner-Miehlke, Medizinische Vorständin und stellvertretende Vorstandsvorsitzende im Klinikum Oldenburg. Foto: Uni/Seifert
Übergaben fast 20.000 Unterschriften an Wissenschaftsminister Falko Mohrs (Mitte): Universitätspräsident Ralph Bruder (l.) und Prof. Dr. Andrea Morgner-Miehlke, Medizinische Vorständin und stellvertretende Vorstandsvorsitzende im Klinikum Oldenburg. Foto: Uni/Seifert
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Seit Jahren kämpfen die Menschen im Nordwesten bereits für die Uni-Medizin Oldenburg. Nun erwarten die Vertreter der Region, dass auf die Haushaltsklausur am Wochenende die Finanzzusage erfolgt.

So eine Aktion gibt es nicht jeden Tag vor dem Landtag in Hannover: Ein riesiger, schwebender Arztkittel und weiße Ballons erregten am Mittwoch die Aufmerksamkeit von Politikern und Passanten. Die ungewöhnliche Inszenierung war der Rahmen für die Übergabe von exakt 19 643 Unterschriften von Menschen aus dem Nordwesten an Niedersachsens Wissenschaftsminister Falko Mohrs (SPD). Ein breites Bündnis aus dieser Region fordert mehr Medizin-Studienplätze in Oldenburg.

„Nehmen Sie diese Stimmen ernst“, mahnte Oldenburgs Universitätspräsident Prof. Dr. Ralph Bruder. Die Unterschriften wurden in wenigen Wochen im Rahmen der Aktion „Ärztinnen und Ärzte fallen nicht vom Himmel“ gesammelt. Sie sollen dazu beitragen, dass bei der Haushaltsklausur der rot-grünen Landesregierung am Wochenende der Finanzbedarf der Universitätsmedizin Oldenburg (UMO) berücksichtigt wird. Mohrs sagte, er wisse, dass die ganze Region hinter dem Projekt stehe. Jetzt müsse es gelingen, die Zahl der Erstsemester von 120 auf 200 aufzustocken. Das sei aber finanziell ein „echter Kraftakt“. Mohrs lobte zudem den Durchhaltewillen der Menschen in der Region.

Konkret benötigt die UMO eine stufenweise Anpassung der jährlichen Landeszuweisungen von aktuell 36,3 auf knapp 62 Millionen Euro. Diese Summe enthält auch 10 Mio. Euro, mit denen die Kooperationskrankenhäuser für ihre Beteiligung an der Ausbildung angehender Ärztinnen und Ärzte kompensiert werden sollen. Die Forderung ans Land beinhaltet auch die Finanzierung eines Lehrgebäudes, das 83 Mio. Euro kostet. Nicht finanziert ist außerdem der zweite Bauabschnitt des geplanten Forschungsgebäudes mit 84 Mio. Euro.

Bruder wurde begleitet von einer großen Delegation aus dem Nordwesten, darunter Andrea Morgner-Miehlke vom Vorstand des Klinikums Oldenburg, IHK-Präsident Jan Müller, Ina Janhsen, Präsidentin des Landfrauenverbands Weser-Ems, und Klaus Peter Kohse vom Verein der Freunde und Förderer der Uni-Medizin. Die Landfrauen hatten weitere 5000 Unterschriften mitgebracht, die in nur sechs Wochen gesammelt wurden. „Uns fehlen Ärzte auf dem Land“, sagte Janh­sen. Müller betonte, dass die Uni erheblich zur wirtschaftlichen Prosperität im gesamten Nordwesten beitrage. Kohse sagte, ohne die Mittelzusage wäre die Uni-Medizin „zum Rückgang verdammt“.

„Die Menschen im Nordwesten haben einmal mehr bewiesen, wie energisch sie hinter ihrer Universitätsmedizin stehen – das beeindruckt uns sehr und stärkt uns den Rücken in unserem Einsatz für die gemeinsame Sache“, sagte Prof. Dr. Hans Gerd Nothwang, Dekan der Fakultät VI Medizin und Gesundheitswissenschaften. Er appellierte an die Landesregierung, der UMO und den Menschen aus der Region Gehör zu schenken. Bruder betonte, die Vertragsverhandlungen mit den vier Kooperationskrankenhäusern seien weitgehend abgeschlossen. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.“ Die Uni wartet nun auf die Finanzzusage aus Hannover.

Den großen Arztkittel hat übrigens eine Kostümschneiderin aus dem Staatstheater in ihrer Freizeit gefertigt. Die Idee dazu kam von Ulf Goerges, der für das „Schauspiel-Patientenprogramm“ im Rahmen des Medizin-Studiengangs tätig ist.

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