Osnabrück Ganz schön fetzig: Boomer und ihre Wörter für Gefühle und Vorlieben
Wer fand sich flott und ziemlich schnieke? Natürlich, die Boomer. Generationen erkennen sich an ihrem Jargon. Wie äußerten Boomer Gefühle und Vorlieben? Eine Blütenlese.
Angehörige der Generation Z finden Boomer ziemlich strange, also fremdartig. Dachten Boomer das nicht auch über ihre Eltern? Die waren oft genug noch im Nationalsozialismus sozialisiert worden und in der angeblich spießigsten aller Dekaden in ihr neues Leben gestartet – in der Adenauer-Zeit der fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts. Jungen Boomern war das alles nicht fetzig genug.
Woran erkennen wir Generationen? An ihren Vorlieben, ihren Erlebnissen, ihrer kollektiven Erinnerung. Und vor allem an ihrer Sprache. Ich bin selbst ein Boomer und amüsiere mich gern darüber, mit welchem Befremden, bisweilen auch mit welcher Aufregung Jüngere meine Generation, ihre Routinen und Redewendungen kommentiert. Der Boomer – das Wesen vom inzwischen sehr entfernten Planeten?
Ich finde Leute, die sich über die Sprache anderer Generationen ereifern, um einmal im Jargon der Generation Z zu sprechen, ziemlich cringe, also zum Fremdschämen. Generationen erkennen sich an ihren Schlüsselbegriffen. An ihrem Wandel lässt sich Zeitgeist famos studieren. Diese Option möchte ich offenhalten, anstatt mich zu mokieren – und verfalle darüber gleich wieder in meinen Boomer-Slang.
Wer sich als Boomer fetzig vorkam, also mit längeren Haaren und runder Brille durch das noch junge Leben lief, war von Älteren schnell als Gammler etikettiert. Ohjemine! Junge Boomer sagten vielleicht „Pustekuchen“, um zu zeigen, dass ihnen solche Kritik ziemlich schnuppe war und machten einfach weiter.
Zum Glück fanden wir Dinge, die wir mochten, noch nicht oberaffengeil. Dieses Wort haben wir gern der nachfolgenden Generation X überlassen. Wir waren lieber richtig schnieke und sagten, um unsere Überraschung auszudrücken, so hübsche Wörter wie: sapperlot! Das versteht heute wohl niemand mehr. Egal. Auch ich finde solche alten Wörter ziemlich flott.
Was sollte dagegen die Rede von irgendeinem Gedöns? Ich fand dieses Wort schon immer ziemlich hanebüchen, weil respektlos und undifferenziert. Sprachlich möchte ich kein Hallodri sein. Da bin ich lieber bei vollem Bewusstsein und auf keinen Fall groggy, wie wir Boomer all jene nannten, die nicht nur müde, sondern auch ein bisschen verwirrt waren. Wir waren schon ziemliche Sportsfreunde.