Hannover „Fakeshop-Finder“ kommt Online-Betrügern auf die Spur: So schützen Sie sich
Die Verbraucherzentrale Niedersachsen kennt viele Fälle von Internetkriminalität. Die Betrüger gehen immer raffinierter vor, berichten die Experten. So sollen „Fakeshops“ leichter enttarnt werden.
Zur Fußball-Europameisterschaft sind auch die Internet-Betrüger am Ball. Auf unseriöse Fakeshops wie „emsports.de“ oder „shop.soccerballofficial.com“ macht die Verbraucherzentrale Niedersachsen nach Hinweisen von Betroffenen aufmerksam. Wer dort bestelle, erhalte oft Billigware.
Ein Umtausch oder die Rückerstattung des Geldes sei nahezu unmöglich, berichtet Petra Kristandt, Geschäftsführerin der Verbraucherzentrale. Der Verband zeigt Internet-Betrügern jetzt die Rote Karte. Mit einem Fakeshop-Finder erhalten Verbraucher innerhalb weniger Sekunden eine Einschätzung, ob sie dem Shop vertrauen können – oder eher von einer Bestellung absehen sollten.
Im Vorjahr wurde der Fakeshop-Finder mehr als 1,6 Millionen Mal genutzt, im Schnitt 4300-mal pro Tag, berichtete Kristandt bei der Vorstellung des Jahresberichts der Verbraucherzentrale am Mittwoch in Hannover. In der Datenbank seien bislang 442.000 Seiten von Internetshops erfasst; 62.500 davon als erkannte Fakeshops. Monatlich würden im Schnitt rund 2000 neue Fakeshops erkannt.
Die Websites der Internet-Betrüger seien professionell gemacht. Deutsche Namen und Städte erweckten oftmals den Eindruck von Regionalität. So würden die Adressen „beckerhannover.de“ oder „hoffmannbremen.de“ suggerieren, es handele sich um örtliche, traditionsreiche Handelshäuser. Tatsächlich komme die Ware aus Fernost. Widerruf und Reklamationen schlagen fehl, berichtet auch Kathrin Bartsch, Digitalexpertin der Verbraucherzentrale. Wenn solche Fälle auffliegen, schreibe die Verbraucherzentrale die Rechte-Inhaber in der Regel an. Die Verbraucher würden aufgefordert, Anzeige zu erstatten.
Auch bei anderen Online-Diensten gebe es Verbraucherabzocke: Unter „service-rundfunkbeitrag.de“ werde die unkomplizierte Erledigung von Formalitäten rund um die Rundfunkgebühr versprochen. Dafür würden 29,99 Euro berechnet. Dabei seien An- und Ummeldung bei der Rundfunkgebühr kostenlos.
Die Insolvenz des Reiseveranstalters FTI Touristik machen sich Kriminelle ebenfalls zunutze, warnt der Deutsche Reiseversicherungsfonds (DRSF). Die Masche: Per SMS oder E-Mail würden Verbraucher aufgefordert, für die Erstattung des Reisepreises die Bankdaten zu übermitteln. So müssten die Urlauber doppelt bezahlen, ohne eine Leistung zu erhalten, sagt Randolph Fries, Vorstandschef der Verbraucherzentrale. Phishing-Versuche und überteuerte Online-Dienste seien verstärkt Thema in den Beratungen.
Rund 181 000 Verbraucherinnen und Verbraucher suchten 2023 den persönlichen Kontakt zur Verbraucherzentrale Niedersachsen – ein Plus von vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Fragen zu Energieverträgen und energetischer Sanierung landeten mit 40 000 Beratungen erneut auf Platz 1 der Themen. Wenn es um eine neue Heizung gehe, würden die Verbraucher aber erst einmal abwarten. Zudem stellte die Verbraucherzentrale ihr neues Leitbild vor. Ziel sei es, ein Zeichen für Demokratie und Vielfalt zu setzen.
Der Fakeshop-Finder finden Sie hier: www.verbraucherzentrale-niedersachsen.de/fakeshop-finder