Berlin  Nikotin in Obst und Gemüse? Das ist an dem Mythos wirklich dran

Jakob Patzke
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Von Jakob Patzke
| 19.06.2024 16:13 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
In einigen Obst- und Gemüsesorten ist Nikotin enthalten. Ist das ein Grund zur Sorge? Foto: IMAGO/Shotshop
In einigen Obst- und Gemüsesorten ist Nikotin enthalten. Ist das ein Grund zur Sorge? Foto: IMAGO/Shotshop
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Die meisten Menschen dürften bei Nikotin an den tödlichen Inhaltsstoff in Zigaretten denken. Doch auch einige Obst- und Gemüsesorten tragen das Nervengift in sich. Wird eine vitaminreiche Ernährung dadurch schädlich?

Sie gelten als maßgeblicher Bestandteil einer gesunden Ernährung: frisches Obst und Gemüse. „Sie liefern reichlich Vitamine, Mineral- und Ballaststoffe sowie sekundäre Pflanzenstoffe“, so die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) gegenüber unserer Redaktion. Für eine ausgewogene Ernährung seien täglich mindestens fünf Portionen Obst und Gemüse empfehlenswert.

Doch manche Sorten enthalten einen Stoff, der die meisten Verbraucher stutzig machen dürfte: Nikotin. Wie es zu dem Phänomen kommt und ob Konsumenten tatsächlich schädliche Folgen fürchten müssen.

Hauptsächlich kommt Nikotin in den Blättern der Tabakpflanze vor. Es handelt sich dabei um ein pflanzliches Alkaloid, eine natürlich vorkommende chemische Verbindung. Sie sorgt dafür, dass Tabakerzeugnisse wie beispielsweise Zigaretten süchtig machen. Allerdings ist das Alkaloid beziehungsweise das Nikotin auch in anderen Nachtschattengewächsen zu finden – beispielsweise bei gängigen Gemüsesorten.

Nach Angaben des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamts (CVUA) zählen dazu Kartoffeln, Tomaten und Auberginen. Aber auch Paprika und Blumenkohl können von Natur aus Nikotin enthalten. Beim Obst können etwa die Physalis oder Gojibeeren pflanzliches Alkaloid besitzen, da sie ebenfalls zur Gattung der Nachtschattengewächse gehören.

Welche Folgen hat aber der Nikotingehalt in bestimmten Obst- und Gemüsesorten? Hat eine vitaminreiche Ernährung möglicherweise gesundheitsschädliche Folgen? Diese Frage lässt sich laut der Universität Graz klar verneinen. Dort haben Wissenschaftlicher die genaue Konzentration von Nikotin in Obst und Gemüse untersucht – und sind zu einem eindeutigen Ergebnis gekommen.

Demnach liegt der Nikotingehalt je nach Reifegrad und Zubereitung zwischen zwei und sieben Mikrogramm pro Kilogramm Frischgewicht. Dagegen enthält allein eine Zigarette durchschnittlich 7,5 bis 13,4 Milligramm Nikotin. Damit sind Verbraucher beim Verzehr von beispielsweise Kartoffeln oder Tomaten deutlich weniger Nikotin ausgesetzt als beim Passivrauchen.

Dass Obst und Gemüse teilweise Nikotin enthalten, kann neben natürlichen Prozessen auch noch anderen Gründe haben. So handelt es sich häufig um eine Kontamination durch nahegelegene Tabakfelder oder Tabakverarbeitungsfelder. Zigarettenstummel auf dem Feld, auf dem das Gemüse wächst, können nach Angaben des CVUA ebenfalls dafür sorgen, dass der Nikotingehalt erhöht ist.

Übrigens: Vor einigen Jahrzehnten war der Nikotingehalt in Lebensmittel noch deutlich höher. Damals wurde das Nervengift als Insektizid eingesetzt, um Schädlinge wie beispielsweise die Blattlaus zu bekämpfen. Zwischen 1996 und 2006 wurde Nikotin nach Angaben des Landes Niedersachsen auch als Desinfektionsmittel zur Bekämpfung der roten Vogelmilbe genutzt. Das hatte zur Folge, dass in Eiern beziehungsweise in Eiprodukten eine Nikotinbelastung zu finden war.

Mittlerweile wird Nikotin wegen seiner Giftigkeit jedoch nicht mehr für solche Maßnahmen verwendet.

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