Palma de Mallorca Demonstranten stürmen „Influencer Bucht“ auf Mallorca: Das ist der Grund
Auf der beliebten Urlaubsinsel kommt es immer wieder zu Protesten der Einheimischen, die gegen den Massentourismus auf Mallorca aufbegehren.
Kurz vor den beginnenden Sommerferien in Deutschland werden die Proteste auf der beliebten Baleareninsel Mallorca immer heftiger. Zuletzt gingen Ende Mai tausende Menschen in der Insel-Hauptstadt Palma auf die Straße, um gegen den sich immer weiter ausbreitenden Massentourismus zu protestieren.
Am vergangenen Wochenende protestierten zwar nicht einige tausend Menschen, sondern nur rund 250. Der Ort für die Proteste war aber außergewöhnlich. Treffpunkt war die idyllische und bei Influencern sehr beliebte, winzige Bucht Caló d‘es Moro im Südosten der Insel. Die Einheimischen stürmten die stets überfüllte „Instagram-Bucht“ und ließen mit Plakaten ihren Unmut gegenüber dem Massentourismus freien Lauf.
Zu dieser Aktion hatte die Initiative Mallorca Platja Tour unter dem Hashtag „Ocupem les nostres platges“ (Lasst uns unsere Strände besetzen) auf X aufgerufen.
Obwohl die Aktion friedlich ablief, erschienen doch noch fünf Beamte der Guarda Civil und zwei Beamte der örtlichen Polizei. Nach Angaben der Teilnehmer sahen die Polizisten die Aktion als Demonstration an und nahmen die Personalien der Protestler auf. Die Aktion soll nicht wie gemäß den Regeln zehn Tage im Voraus angemeldet gewesen sein.
Wie schon bei den Massenprotesten Ende Mai ging es auch den Protestlern am Strand um den Massentourismus, der gestoppt werden soll. „Wir fordern Beschränkungen und Vorschriften, um die Lebensqualität der Einwohner von Mallorca angesichts der Überfüllung zu verbessern“, erklärt Joan Cabot, einer der Teilnehmer, der „Mallorca Zeitung“.
Vor Ort wurde an die zumeist ausländischen Touristen englischsprachige Flugblätter verteilt, um die Lage am Strand zu erklären. „Die übermäßige Zahl der Besucher hat dazu geführt, dass sich die Bewohner aufgrund der starken Präsenz der Touristen in diesem Gebiet ausgeschlossen fühlen“, hieß es in einem der Absätze des Flyers.
Ende Juli soll die nächste Großdemonstration gegen die Auswirkungen des Massentourismus folgen.
Für die Insel ist Tourismus zwar überlebenswichtig. Die Branche steht für 45 Prozent der Wirtschaftsleistung Mallorcas. Aber wie auch bei Protesten in anderen Tourismushochburgen des Landes, etwa im April auf den Kanaren, wird beklagt, dass nur eine Minderheit profitiert, während die große Mehrheit im florierenden Sektor schlecht bezahlte Jobs bekommt und unter Wohnungsnot, Staus, Lärm und Schmutz leidet.
Eine Inszenierung der Protestler gab die Stimmung deutlich wieder: Eine als reiche Touristin verkleidete Teilnehmerin schlenderte hochnäsig zwischen den Tischen der Cafés umher – und zog einen „einheimischen Sklaven“ hinter sich her.
Die Balearen sind klein, haben nur knapp 1,2 Millionen Einwohner. Voriges Jahr kletterte die Zahl der Besucher auf fast 18 Millionen, davon 14,4 Millionen aus dem Ausland. Das sind fast zehn Prozent mehr als 2022 und doppelt so viele wie vor 20 Jahren. Inzwischen gibt es kaum jemand, der die Notwendigkeit einer Begrenzung der Besucherzahlen infrage stellt.
mit dpa-Material