Osnabrück Von Dreikäsehoch bis Lulatsch: Wie Boomer früher die Jungen nannten
Wer sagt zu einem Jungen noch Dreikäsehoch? Und Lulatsch zu einem hoch aufgeschossenen Bengel? Manche Wörter für Jungen haben sich verflüchtigt. Boomern sind sie allemal noch geläufig.
Was willst Du denn, du Dreikäsehoch? In der Pause auf dem Schulhof gesagt, hatte dieser Spruch den Klang einer derben Beleidigung. Wie auch anders in einer Zeit, in der Jugendliche vor allem eines sein wollten – möglichst schnell erwachsen. Wer ein Dreikäsehoch war, der konnte nicht bis drei zählen, hatte also nichts drauf und folglich auch nichts zu sagen.
Man muss zur Generation der Boomer gehören, um sich unter einem Dreikäsehoch noch etwas vorstellen zu können. Man sprach auch von einem Knirps, von einem Bengel oder von einer Rotznase, wenn man einen kleinen Jungen meine oder einen Jugendlichen, den man nicht für voll nahm.
Dabei spielt die Herkunft des Wortes Dreikäsehoch nicht einmal eine Rolle. Hat jemand einst wirklich die Größe eines Kindes an drei aufgestapelten Käselaiben gemessen? Gleichviel. Das Wort klingt auch denkbar plastisch und sprechend. Seltsam eigentlich, dass es heute nur noch selten benutzt wird.
Das gilt übrigens auch für sein Gegenteil, den Lulatsch. Was für ein langer Lulatsch! Dieser Ausruf galt einem ziemlich hoch aufgeschossenen, hageren, ja dünnen Menschen. Seltsam übrigens, dass sowohl der Dreikäsehoch wie der Lulatsch für Jungen und Jugendliche reserviert schienen. Wer nannte Mädchen so? Eigentlich niemand.
Und das hatte seinen guten Grund. Sicher, von einem Dreikäsehoch ließ sich ebenso liebevoll sprechen wie von einem Lulatsch. Diese Wörter konnten ihren Sinn ein wenig verändern, ganz nach Kontext und Betonung. Aber Hand aufs Herz: Meistens war doch auch ein wenig der Rabauke in dem Jungen mit gemeint, oder?
Rabauken scheint es mir heute kaum noch zu geben. Jungen machen auf mich bisweilen einen seltsam angepassten Eindruck. Ob dieser Eindruck täuscht? Subjektiv ist er allemal. Aber das Wort Rabauke befindet sich nicht ohne Grund ebenso auf dem Rückzug wie der Streuner oder der Vagabund. Mit den alten Wörtern verschwinden nicht nur bloße Vokabeln, sondern auch Lebenswelten, auf die sie verweisen.
Im Rabauken steckte trotzdem immer noch ein guter Kern. Er war ein Jungspund und oft ein echter Hallodri, aber selten ein wirklicher Spitzbube. Zwei Sätze und schon wieder vier Wörter aus dem Vokabular der Boomer – man kennt eben seine Pappenheimer. Auch in der Sprache. Oder gerade da.