Nachfolge geregelt Klinikum Leer hat bald Frau an der Spitze
Daniela Kamp übernimmt ab September die Leitung des Klinikums Leer. Im Krankenhaus kennt man sie schon. Sie wird Herausforderungen meistern müssen.
Leer - Im Spätsommer steht am Klinikum Leer ein Wechsel an der Spitze bevor: Das Klinikum und der Landkreis Leer haben jetzt Daniela Kamp als Nachfolgerin von Geschäftsführer Holger Glienke vorgestellt. Die 48-Jährige ist am Krankenhaus in Leer keine Unbekannte, denn seit 2013 ist sie kaufmännische Leiterin des Klinikums, zuvor war sie im Controlling tätig. Zum 1. September 2024 wird sie die Geschäftsleitung übernehmen.
Glienke hatte im Februar mitgeteilt, dass er das Klinikum aus persönlichen Gründen zum Jahresende verlassen wird. Der 59-Jährige hatte die Geschäftsführung übernommen, als der Landkreis Leer das Krankenhaus 2004 in eine gGmbH umgewandelt hat. In diesen 21 Jahren hat er das Klinikum kontinuierlich ausgebaut, es sei eines der wenigen Krankenhäuser in Niedersachsen, das noch schwarze Zahlen schreibt, hob Landrat Matthias Groote als Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikums hervor.
Krankenhaus mit 1400 Mitarbeitern
Daniela Kamp wird das Klinikum mit derzeit 475 Betten und 1400 Mitarbeitern sowie den angegliederten Standorten in Weener und auf Borkum übernehmen. „Ich freue mich auf die Aufgaben, die vor mir liegen“, so Kamp in einem Pressegespräch. Gleichzeitig wurde deutlich, dass ihre neue Position mit Herausforderungen verbunden ist. Denn die von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) geplanten Umstrukturierungen bei den Krankenhäusern enthielten viele Unbekannte. Die vom Klinikum beabsichtigte Einrichtung einer Neurologie ist nach wie vor nicht abgesichert.
„Der Minister schafft Ankündigungen im Monatstakt“, so der scheidende Geschäftsführer Holger Glienke. Viele davon sorgten für Verwirrung, gerade was die Bildung von Behandlungsschwerpunkten für die Kliniken betrifft. Am Klinikum Leer ist geplant, die Gefäßchirurgie vom Standort Weener nach Leer zu verlagern, im Gegenzug soll die Geriatrie ins Krankenhaus Rheiderland umziehen. Es werde sich zeigen, ob dieser Wechsel mit den von Lauterbach angekündigten Veränderungen zu vereinbaren ist.
Klinikum Leer schreibt schwarze Zahlen
„Mit dem Land Niedersachsen ist das abgestimmt“, sagt Glienke. Dort seien bisher alle jährlichen Sicherstellungsanträge bewilligt worden, ergänzt Kamp. Diese Bescheide würden maßgeblich zur Finanzierung des Klinikbetriebs beitragen. Noch erwirtschafte das Klinikum jährlich Überschüsse, laut Glienke betrug das Plus für 2023 rund 4,6 Millionen Euro. „Die lagern wir nicht im Keller“, betonte er. Das Geld werde direkt in Ausstattung und Neubauten investiert. Außerdem stehen Gehaltsanpassungen beim Personal bevor – nach seiner Einschätzung werden sie 2024 das Plus auf eine Million Euro absenken.
Mit der Finanzierung aus den Überschüssen stehe das Klinikum Leer heute als modernes Krankenhaus da. Bei der Digitalisierung sei man anderen Kliniken in vergleichbarer Größe weit voraus. Kamp machte deutlich, dass dies beim Anwerben von neuem Personal, insbesondere bei Medizinern, eine wichtige Rolle spielt: „Bewerber, die in unser Haus kommen, sind davon sehr angetan“, sagt sie. Das gebe häufig den Ausschlag, wenn Ärzte und Fachpersonal zwischen mehreren Jobangeboten wählen könnten.
Ostfriesland bei Kliniken unterversorgt
Obwohl die Zahl der Krankenhausbetten seit dem Dienstantritt von Holger Glienke als Geschäftsführer 2004 von 220 auf 475 gewachsen ist, sei das Klinikum nicht proportional zur Bevölkerung gewachsen, sagte Groote. „Wir können froh sein, dass wir für unsere Einwohnerinnen und Einwohner ein solches Krankenhaus vor Ort haben“, wird der Landrat in einer Pressemitteilung zur Nachfolge zitiert. Aktuell leben rund 174.000 Menschen im Landkreis. Kamp hob hervor, wie richtig es war, neue Planbetten zu beantragen.
Die Region Ostfriesland ist nach ihren Worten bei den Krankenhäusern unterversorgt: „Es wurde bereits häufig festgestellt, dass wir einen schlechten Versorgungsgrad haben.“ Der Landesdurchschnitt liegt laut Glienke bei 60 Betten auf 10.000 Einwohnern. Sollte die Neurologie kommen wie geplant, dann ergäben sich daraus für das Klinikum 45 Betten je 10.000 Einwohner. Allerdings: „Als ich angefangen habe, waren wir bei 30 Betten.“
Es ist Kamps erklärtes Ziel, die Standorte in Weener und Borkum zu sichern. „Wir sind dabei angewiesen auf die Entscheidungen von Lauterbach“, sagt die künftige Geschäftsführerin. Borkum sei das kleinste Krankenhaus Deutschlands – ob es weiter in der heutigen Form existieren kann, sei „eine politische Entscheidung in Berlin“, so Kamp. „Wir müssen dafür sorgen, dass genügend Personal vorhanden ist.“ Ob dies gelinge, hänge auch von den Entscheidungen des Ministeriums ab.