Hamburg  „Stolzmonat“: Wie ein queerer Influencer die rechte Szene ärgert

Svana Kühn
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Von Svana Kühn
| 04.06.2024 14:38 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Fabian Grischkat verkauft nun „Stolzmonat“-T-shirts. Foto: dpa/Henning Kaiser
Fabian Grischkat verkauft nun „Stolzmonat“-T-shirts. Foto: dpa/Henning Kaiser
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Der Juni ist bunt: Die queere Community feiert den „Pride Month“. Rechte Gruppen versuchen schon lange, den Juni unter dem Begriff „Stolzmonat“ für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Doch der queere Influencer und Aktivist Fabian Grischkat hat sich den Begriff nun zurückgeholt.

In den kommenden Wochen werden auf den Straßen und in den sozialen Medien wieder viele Deutschland-Flaggen zu sehen sein. Mitte Juni startet die Europameisterschaft – und die Fußball-Begeisterten zeigen ihre Unterstützung für die Nationalmannschaft. Die EM ist aber nicht der einzige Grund für den plötzlich offen zur Schau getragenen Patriotismus. Rechte Gruppen zelebrieren im Juni den „Stolzmonat“ – und mobilisieren im Netz gegen Solidarität mit queeren Menschen.

Der „Stolzmonat“ ist als Gegenentwurf zum „Pride Month“ (zu dt.: Stolzmonat) eingeführt worden. Im Zentrum des „Pride Month“ der LGTBIQA+-Bewegung stehen die Rechte queerer Menschen und das Aufzeigen bestehender Ungerechtigkeiten.

Statt mit Regenbogenflaggen versehen Rechte ihre Social-Media-Profile im Juni mit Deutschlandfahnen, um ihren Nationalstolz zu unterstreichen. Unter dem entsprechenden Hashtag wird zudem gegen Genderbegriffe und die LGBTQIA+-Community gewettert. Auch Björn Höcke, der Vorsitzende der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag, hat sich angeschlossen.

Hinter der Aktion steckt unter anderem Shlomo Finkelstein – ein rechtsextremer Online-Aktivist, der unter Pseudonym in Erscheinung tritt und rassistische, islamfeindliche und antifeministische Inhalte verbreitet.

Die queere Community hat sich das Wort „Stolzmonat“ nun zurückerobert: Der 23-jährige queere Youtuber, Influencer und Aktivist Fabian Grischkat erhob Anspruch auf das Wort und hat sich die Wortmarke Stolzmonat sichern lassen.

Zuständig ist das Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) im spanischen Alicante. Die Schutzdauer einer europaweit gültigen „Unionsmarke“ beträgt zunächst zehn Jahre und kann beliebig oft um jeweils weitere zehn Jahre verlängert werden, heißt es auf der Website des Deutschen Patent und Markenamtes.

Unterstützt wurde Grischkat laut dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) von der Media Force GmbH aus Mönchengladbach, einer „Kampagnen-Agentur zur Rettung der Demokratie“, die sich nach eigener Darstellung „für eine stabile demokratische Diskurskultur in sozialen und klassischen Medien“ einsetzt.

Unter der Marke verkauft er jetzt unter anderem T-Shirts. Die Erlöse gehen, nach Angaben des Herstellers, an die Hirschfeldstiftung, die mit dem Geld queere Bildungs- und Forschungsprojekte fördert.

Ähnlich vorgegangen ist auch „Laut gegen Nazis“. Kürzlich hatte sich die Hamburger Initiative die Markenrechte des bei Rechtsextremen beliebten Kürzels „enness“ gesichert. „Enness“ ist Lautschrift und steht für NS – und wird von Rechtsextremen gern auf T-Shirts, Hosen oder Pullover gedruckt. Doch damit ist nun Schluss.

Im Oktober 2023 hatte sich „Laut gegen Nazis“ bereits die Markenrechte an der Buchstabenkombination VTR LND angemeldet. Die Abkürzung steht für Vaterland.

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