Berlin  Diese Popsongs und Schlager werden häufig von Rechten genutzt

Jakob Patzke
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Von Jakob Patzke
| 01.06.2024 08:34 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Songs der Sängerin Helene Fischer wurden schon häufiger für rechte Zwecke genutzt. Foto: dpa/Henning Kaiser
Songs der Sängerin Helene Fischer wurden schon häufiger für rechte Zwecke genutzt. Foto: dpa/Henning Kaiser
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Auf Sylt und anderswo grölen Menschen rechte Parolen auf den Song „L‘amour toujours“ des italienischen DJ Gigi D‘Agostino. Das Phänomen ist nicht neu. Welche Lieder bereits für rechtes Gedankengut herhalten mussten.

Die bundesweite Empörung war groß: Am Pfingstwochenende hatten einige Gäste des „Pony“ auf Sylt rechte Parolen auf die Melodie des Songs „L‘amour toujours“ von Gigi D‘Agostino gegrölt. Mittlerweile ist klar, dass es sich nicht um ein Einzelphänomen gehandelt hat. Auch auf Schützenfesten in Niedersachsen und in einem Internat in Schleswig-Holstein dichteten Menschen das Lied mit Sätzen wie „Deutschland den Deutschen“ und „Ausländer raus“ um.

„L‘amour toujours“ ist dabei nicht der erste Song, der für rechtes Gedankengut verwendet wurde. Ein Überblick über die Lieder, die ein ähnliches Schicksal ereilte.

Helene Fischer gehört ohne Zweifel zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Künstlern der Gegenwart. Das wollte sich auch die NPD zunutze machen. Im Jahr 2015 spielte der thüringische Landesverband das Lied „Atemlos durch die Nacht“ regelmäßig bei Wahlkampfveranstaltungen. Damals hatte unter anderem der „Spiegel“ berichtet.

Demnach erwirkte Helene Fischer zunächst eine einstweilige Verfügung gegen die rechtsextreme Partei. Diese wurde jedoch auf Antrag der NPD wieder aufgehoben. Dagegen ging der Anwalt der Schlagersängerin juristisch vor. Er argumentierte, dass die Partei Helene Fischer als Person des öffentlichen Lebens missbrauche, indem sie „Atemlos durch die Nacht“ bei Wahlkampfveranstaltungen spiele.

Dies müsse die Sängerin laut ihrem Anwalt nicht hinnehmen, da sie die Gesinnung und Einstellung der NPD in keiner Weise teile. Das Gericht gab dem Schlagerstar schließlich recht.

Vor allem bei Fußballfans weckt das Lied „80 Millionen“ von Max Giesinger Erinnerungen an die EM 2016. Ein Jahr später nutzte die AfD den Song ohne Erlaubnis für den Auftakt einer Wahlveranstaltung in Pforzheim. Gegenüber den „Stuttgarter Nachrichten“ erklärte der Musiker damals, dass die Nutzung nicht mit ihm abgesprochen gewesen sei.

„Es verärgert mich extrem, dass eine Partei, deren politische Einstellung ich in keinster Weise teile, meine Musik für ihren Wahlkampf instrumentalisiert und ohne mein Wissen benutzt“, so Giesinger. Die AfD widersprach und erklärte, die Partei habe die Nutzung des Liedes bei der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (Gema) angemeldet.

Provokation gehört zum Erfolgsgeheimnis des deutschen Rappers Fler. Auf seinem Lied „Neue Deutsche Welle“ heißt es unter anderem: „Schwarz, Rot, Gold – hart und stolz“. Ebendiese Zeile nutzte die AfD-Wuppertal im Mai vergangenen Jahres für ihren sogenannten „Stolzmonat“ sowie eine Social-Media-Kampagne. Fler ging das zu weit. Der Rapper distanzierte sich von der Nutzung und kündigte juristische Schritte an.

Rückblick ins Jahr 2004: Damals steht die Eröffnung des Holocaust-Mahnmals in Berlin kurz bevor. Rechtsextremisten demonstrierten öffentlich gegen den Gedenkort und nutzen dabei den Song „Denkmal“ der deutschen Band Wir sind Helden, wie die „taz“ damals berichtete. Dabei rissen sie die Zeilen „Sie haben uns ein Denkmal gebaut“ und „Holt den Vorschlaghammer!“ aus dem Kontext beziehungsweise vereinnahmten diese für sich.

Es war nicht der einzige Vorfall, gegen den die Band juristisch vorging. 2014 nutzte die NPD den Song „Gekommen, um zu bleiben“ auf ihrer „Thüringen-Tour“ ohne Erlaubnis. Das Landgericht Thüringen drohte daraufhin mit einem Ordnungsgeld, sollte die rechtsextreme Partei das Lied weiter verwenden. Zudem musste die NPD die Kostens des Verfahrens tragen.

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