Berlin  VW in der Elektro-Falle: Bringt der 20.000-Euro-Stromer die Rettung?

Tobias Schmidt
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Von Tobias Schmidt
| 29.05.2024 16:19 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
VW-Konzernchef Oliver Blume kündigt vor den Aktionären an, ab 2027 ein E-Auto für 20.000 Euro zu bauen. Foto: IMAGO/Jens Schicke
VW-Konzernchef Oliver Blume kündigt vor den Aktionären an, ab 2027 ein E-Auto für 20.000 Euro zu bauen. Foto: IMAGO/Jens Schicke
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VW-Chef Oliver Blume kündigt zur Hauptversammlung ein E-Auto für 20.000 Euro an, ab 2027 soll es in Europa gebaut werden. Das ist reichlich spät. Und wenn‘s nicht endlich klappt, verliert der Autobauer weiter an Boden.

Volkswagen steckt gerade tief in der Elektro-Falle, das wurde auch auf der virtuellen VW-Hauptversammlung am Mittwoch deutlich. Erst hat der zweitgrößte Autobauer der Welt den Einstieg in die Stromer-Technologie zu lange verpennt. Dann wurde die volle Kehrtwende hin zu Elektro ausgegeben: Ab 2033, also zwei Jahre vor dem derzeit noch vereinbarten EU-Verbrennerverbot, wollen die Wolfsburger in Europa nur noch Batterie-Autos anstelle von Benzinern und Diesel verkaufen.

Und das, ohne rechtzeitig einen erschwinglichen Stromer im Angebot zu haben. Kein Auto im Pkw-Kernsegment? Das war schon eine fragwürdige Strategie.

Das zweite Problem: Nach dem Strategiewechsel kam die große Ernüchterung der E-Mobilität. Zur deutschen „Reichweitenangst“ gesellten sich wachsende Zweifel an der Klima- und Umweltfreundlichkeit der Technik. Dass die Ampel über Nacht die E-Auto-Prämien strich, ließ die E-Euphorie endgültig verpuffen und die Absatzzahlen einbrechen.

Und nun? Kurz vor dem großen Aktionärstreffen kündigte Konzernchef Oliver Blume an, ab 2027 endlich den 20.000-Euro-E-VW zu bauen, und zwar „mit Euro-Speed“. Allerdings hatte VW schon vor sechs Jahren einen Billig-Stromer angekündigt, und zwar für 2022... Diesmal muss das Versprechen gehalten werden, sonst dürfte es eng werden. Denn eine neue Kehrtwende zurück zum Verbrenner würde in die Sackgasse führen.

Die in Deutschland gewachsene – und von der CDU massiv befeuerte – Skepsis an der E-Mobilität sollte niemanden darüber hinwegtäuschen, dass das die entscheidende Zukunftstechnik sein wird. Vielleicht nicht die einzige. Vielleicht wird auch die Wasserstoff-Brennstoffzelle wichtig. Aber mit der Erzählung, dem klassischen Verbrenner gehöre die Zukunft, führen konservative Politiker vor der Europawahl die Wähler hinter die Fichte. Das beklagt FDP-Verkehrsminister Volker Wissing bitter – und völlig zu Recht.

Die Frage ist nämlich längst nicht mehr, ob sich die E-Mobilität durchsetzt. Die Frage ist, ob Deutschlands Autobauer die Wende schaffen. Falls nicht, fahren in 20 oder 25 Jahren eben alle mit Teslas oder chinesischen Autos durch die Gegend.

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