Rassistische Gesänge Verdächtige im Emsland und in Cloppenburg ermittelt
Nach „Ausländer raus“-Gesängen im Emsland und im Kreis Cloppenburg hat die Polizei mehrere Männer als Verdächtige ausgemacht. Derweil wollen immer mehr Volksfeste das betroffene Lied verbieten.
Messingen/Löningen/Lüneburg/Berlin - Bei einer Weihnachtsfeier 2023 in Messingen im Landkreis Emsland haben mehrere Menschen den Song „L’amour toujours“ des Italieners Gigi D’Agostino umgedichtet. Sie sangen auf die Melodie „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“ und grölten rechte Parolen. Der Vorfall ähnelt den Ereignissen auf Sylt an Pfingsten, die bundesweit für Schlagzeilen gesorgt hatten. Im Messinger Fall hat die Polizei jetzt einen Tatverdächtigen ermittelt.
Eine Sprecherin der Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim bestätigte, dass der Staatsschutz einen Mann aus dem Emsland ermittelt habe. Nähere Angaben machte die Polizei nicht. Die Akte sei auf dem Weg zur Staatsanwaltschaft Osnabrück. Diese muss über das weitere Vorgehen entscheiden. Die Staatsanwaltschaft äußert sich nicht zu dem Fall, da die Akte noch nicht eingetroffen sei.
Vorfall im Emsland ist beileibe kein Einzelfall
In ersten Berichten über den Vorfall auf der Weihnachtsparty in Messingen, an der rund 900 Besucher teilgenommen hatten, war von mehreren Personen die Rede, die rechte Parolen gegrölt haben sollen. „Wir haben nur eine Person ermittelt“, erklärte eine Polizeisprecherin.
Dass der Song „L’amour toujours“ ausländerfeindlich umgetextet wird, ist kein Einzelfall. Unter anderem kam dies auch bei einem Schützenfest in Löningen (Landkreis Cloppenburg) über die Pfingsttage vor. Dort hat die Polizei nun fünf tatverdächtige Personen ermittelt – allesamt männlich. Es handele sich um Jugendliche, einen Heranwachsenden sowie einen Erwachsenen, sodass die Ermittlungen größtenteils im Rahmen von Jugendstrafverfahren bearbeitet würden, wie die Polizeiinspektion Cloppenburg/Vechta am Mittwoch mitteilte. Teilweise hätten sich die Verdächtigen selbst bei der Polizei gemeldet, nachdem ein Video des Vorfalls im Internet aufgetaucht war.
Sollte der Song „L‘amour toujours“ von Volksfesten verbannt werden?
Derweil ziehen immer mehr Veranstalter Konsequenzen und verbannen den Song „L‘amour toujours“ – wie bereits das Münchner Oktoberfest. Auch auf dem Stadtfest in Lüneburg soll es am Wochenende nicht gespielt werden. „Aufgrund der Diskussionen um den Missbrauch des Liedes haben wir uns damit beschäftigt und mit den beteiligten Discjockeys und Musikern darauf geeinigt, so etwas zu vermeiden“, sagte die Geschäftsführerin der Lüneburg Marketing GmbH, Melanie-Gitte Lansmann.
Die Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) äußerte sich zurückhaltend zum geplanten Verbot des Partyhits auf mehreren Volksfesten. Wichtiger sei ein konsequentes Eingreifen bei rassistischen Äußerungen, argumentierte sie in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Es sei richtig, wenn sich Veranstalter jetzt Gedanken machten, wie dafür gesorgt werden könne, dass Rassismus, Menschenfeindlichkeit und Nazi-Gegröle beim Oktoberfest und anderen Festen keinen Platz hätten, sagte Roth. Allerdings könnten weder „L’amour toujours“ noch der italienische Musikproduzent Gigi D’Agostino etwas dafür, „wie dieser Song in unserem Land von Menschen mit rechtsextremen und antidemokratischen Einstellungen in übelster Form missbraucht und entstellt wird“.
Mit EPD und DPA