Kolumne „Klare Kante“ Islamistische Parolen statt Gesprächen
Die pro-palästinensischen Proteste an deuten Universitäten erschrecken unseren Kolumnisten. Von der Freiheit des Geistes, für die die Bildungseinrichtungen eigentlich stehen, bleibt nicht mehr viel, findet er.
Bei den Reaktionen auf die Volksverhetzung pro-palästinensischer Protestgruppen an deutschen Universitäten muss man sich fragen, welches Verständnis von akademischer Freiheit und Toleranz hierzulande mittlerweile herrscht. Nicht die Krawallmacher, von denen einige auf Transparenten das Kalifat unserer Demokratie vorziehen, sitzen auf der Anklagebank, sondern die Polizei, die wie in Berlin den Campus geräumt hat, um Recht und Ordnung wiederherzustellen.
Zur Person
Dieter Weirich (79), Publizist und Buchautor, ist ein Grenzgänger zwischen Medien und Politik. Der gebürtige Schwabe war hessischer Landtags- und Bundestagsabgeordneter der CDU und Intendant der Deutschen Welle. Heute lebt er in Berlin.
Bildungsministerin Bettina Stark-Watzinger und die Hochschulrektoren-Konferenz haben die Polizeiaktionen verteidigt, werden aber von Lehrkräften und auch der Universitätsleitung scharf attackiert. Berlins TU-Präsidentin Geraldine Rauch wirft der Ministerin „pauschale Verunglimpfung“ vor, verweist auf die grundgesetzlich geschützte Versammlungsfreiheit.
Dass die Exzesse des Hasses von pro-palästinensischen Gruppen, die mit offenen antisemitischen Parolen einhergehen, im öffentlichen Raum von Universitäten in einem Rechtsstaat nicht geduldet werden können, sollte auch Professoren und Dozenten einsichtig sein. Blanke Israelfeindlichkeit spricht aus den Parolen der islamistischen Brandstifter, die bei ihren Aktionen weder den Überfall der Hamas auf Israel noch das Leid der Geiseln thematisieren.
Universitäten sind eigentlich der Freiheit des Geistes verpflichtet, dem lebendigen Austausch von Meinungen und dem Dialog. Wenn von den Protestgruppen nun der Abbruch der Kooperationen mit israelischen Hochschulen gefordert wird, verstummt jede Bereitschaft zum Gespräch.
Ein Bild aus den Straßenkämpfen der 68er dokumentiert das ganze Elend der heutigen geistigen Verödung an den deutschen Hochschulen: Auf einem Auto streitet sich in der Masse aufgebrachter Studenten der liberale Vordenker Professor Ralf Dahrendorf mit dem in sein Megafon brüllenden Rudi Dutschke. Ein Bild von einer auf dem Campus mit Studenten diskutierenden Ministerin ist schwer vorstellbar.
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