Berlin Heimlicher Urlaub während der Arbeit: Das steckt hinter Quiet Vacation
Haben Sie schon einmal eine Auszeit von der Arbeit genommen, ohne dies zu kommunizieren? Keine Sorge, damit sind Sie nicht allein. Was es mit dem Phänomen des heimlichen Urlaubes auf sich hat.
Home-Office: Der Laptop läuft, doch Sie befinden sich nicht mal im gleichen Raum. Für diese Arbeitsmethode gibt es jetzt einen Namen: Quiet Vacation, oder der heimliche Urlaub. Warum gerade so viele Millennials mal eine Ausnahme bei der Arbeitszeit machen.
Quiet Vacationing, was übersetzt so viel wie „leises Urlauben“ bedeutet, beschreibt die aktuelle Beobachtung, dass Arbeitnehmer lieber heimlich während ihrer Arbeitszeiten abwesend sind, statt dafür ihren Urlaubsanspruch einzulösen.
Fast vier von zehn Arbeitnehmern zwischen 28 und 43 Jahren gaben bei der Marktforschung „The Harris Poll“ an, dass sie sich in der Vergangenheit von der Arbeit freigenommen hätten, ohne ihre Vorgesetzten darüber zu informieren. Damit seien Millennials die Generation, welche am häufigsten heimlich während der Arbeit urlaubt.
38 Prozent der befragten Millennials gaben an, dass sie ihre Maus hin und wieder bewegen würden, damit ihr Status in den Nachrichtenprogrammen als „online“ angezeigt bleibt. Außerdem würden sie Nachrichten auf die Zeit nach ihrem Feierabend vordatieren, damit es den Anschein von Überstunden erwecke.
Paradoxerweise geht aus der gleichen Studie hervor, dass 78 Prozent der Befragten nicht ihren vollen Urlaubsanspruch ausschöpfen würden: Das schlechte Gewissen, sich offiziell freizunehmen, sei zu groß.
Die Angestellten hätten das Gefühl, konstant für die Arbeit erreichbar sein zu müssen. Hinzu komme, dass ihr Arbeitspensum es ihnen nicht erlaube, eine ordentliche Pause zu machen. Sie würden sich außerdem schlecht mit dem Gedanken fühlen, ihre Kollegen durch die Urlaubsvertretung zusätzlich zu belasten. Auch die Angst, wichtige Entwicklungen durch die offizielle Abwesenheit zu verpassen, hemme die Arbeitnehmer davor, ihre rechtlichen Ansprüche wahrzunehmen. Bezahlter Urlaub sei ein „Luxus“ den sich die Mitarbeiter nicht leisten könnten, heißt es in der Analyse.
Statt die Konfrontation auf der Arbeit zu suchen, erschaffen sich Millennials ihren eigenen Urlaub im Stillen. Die Generation Z (18- bis 27-Jährige) hingegen würden eher laut die Work-Life-Balance kritisieren, erläutert Libby Rodney, Strategieleiterin von „The Harris Poll“ dem Nachrichtensender CNBC.
Diejenigen, die den legalen Weg wählen und Urlaub nehmen, bleiben dennoch für ihre Arbeit erreichbar. So gaben 60 Prozent der Befragten an, während ihres Urlaubs Schwierigkeiten zu haben, vollkommen abzuschalten: Knapp neun von zehn Angestellten würden ihre E-Mails auch im Urlaub checken. Es fiele ihnen schwer, eine Balance zwischen Arbeit und eigener Freizeit zu finden.
Damit sind weder Quiet Vacation noch der offizielle Urlaub erholsam für Arbeitnehmer. Rodney schlussfolgert, dass es nicht das Arbeitsrecht ist, das überarbeitet werden muss, sondern die Arbeitskultur. Die Mehrheit der Befragten würde sich beispielsweise wünschen, dass in ihrem Arbeitsumfeld Pausen und das Einlösen von Urlaubstagen normalisierter werden.