Hamburg  Verbraucherschützer: Vorsicht vor Kindernahrung, für die Influencer werben

Markus Lorenz
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Von Markus Lorenz
| 27.05.2024 15:15 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Verbraucher sollten nicht blind glauben, was Influencer über Kinderlebensmittel erzählen. Oft sind diese ungesund. Foto: Imago/Panthermedia/Antonio Guillem
Verbraucher sollten nicht blind glauben, was Influencer über Kinderlebensmittel erzählen. Oft sind diese ungesund. Foto: Imago/Panthermedia/Antonio Guillem
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Produktwerbung in Social Media wird immer bedeutender. Aber längst nicht alles, was Influencer anpreisen, ist empfehlenswert. Erst recht nicht, wenn es um Lebensmittel für Kinder geht.

Hamburgs Verbraucherschützer warnen Eltern: Vorsicht, wenn Influencer im Netz Kinderlebensmittel als besonders gesund bewerben. Bei einer Untersuchung von 13 Produkten fand die Verbraucherzentrale heraus: „Gesünder sind die Produkte für den Nachwuchs meistens nicht. Im Gegenteil: Sie enthalten häufig viel Zucker oder nicht empfehlenswerte Zuckerersatzstoffe.“

Mom- oder Dadfluencer spielen eine immer größere Rolle bei der Vermarktung von Produkten. Sie werben über persönliche, authentisch wirkende und oft emotionale Botschaften, was sie als besonders glaubwürdig erscheinen lassen soll.  

Anlass genug für Hamburgs Verbraucherschützer, genauer hinzusehen. Britta Gerckens und ihre Kollegen sichteten Posts und Storys von 31 der größten deutschsprachigen Mama-, Papa- und Familien-Influencer, der beliebteste Account bringt es auf 6,8 Millionen Follower. 13 Nahrungsmittel fielen besonders auf.

Vier davon wurden als „ohne raffinierten Zucker“, „ohne industriellen Zucker“ oder „ohne Zuckerzusatz“ beworben, weisen aber trotzdem einen hohen Zuckergehalt auf. So enthalten die gefriergetrockneten Erdbeeren der Marke Buah laut Verbraucherzentrale 47 Gramm Zucker pro 100 Gramm – knapp zehnmal mehr als frische Erdbeeren.

„Traumjob.mama“ schwärmt den Eltern dennoch vor: „Mit Buah kommen keine vollen Brotdosen mehr nach Hause. Alles wird restlos weggeknuspert. Früchte werden nicht matschig.“ Zwar werde den Früchten kein industrieller Zucker zugesetzt, so die Verbraucherschützer, das wecke aber die falsche Erwartung, Buah-Erdbeeren enthielten besonders wenig vom dickmachenden und Karies-auslösenden Zucker.  

Andere der überprüften Lebensmittel enthalten süße Pasten, Saftkonzentrate, Datteln oder Kokosblütenzucker als Alternativen. Aber: Gesünder sei dies eben nicht, betont Gerckens, denn: „Zucker bleibt Zucker.“ 

In fünf der untersuchten Nahrungsmittel steckten statt Zucker Süßungsmittel. Die haben nach Ansicht der Verbraucherschützer in der Kinderernährung grundsätzlich nichts zu suchen, weil sie in den ersten Lebensjahren falsche Geschmackspräferenzen in Richtung Süß setzten.

„Kisu“ preist die Frühstücksflocken von Habbys mit dem Zuckeraustauschstoff Maltitsirup als Familienessen an. „Unsere gesündere Cornflakes Alternative: Die mega leckeren @eat.habbys – die einfach viel geiler schmecken! Unsere ganze Familie liebt sie und ich habe meine Mama-Freunde auch schon angesteckt.“

Dabei, so die Prüfer, sei das Produkt laut Hinweis auf der Verpackung nur „für Erwachsene“ geeignet. Obendrein könnten Maltit und anderer Zuckerersatz bei Kindern bei übermäßigem Verzehr abführend wirken und zu Magen-Darm-Problemen führen.

Auch bei zugesetzten Ergänzungsstoffen versuchen die Mom- und Dadfluencer Unnötiges an den Follower zu bringen. Fünf Produkte im Check sind mit Vitaminen angereichert. Britta Gerckens mahnt: „Kinder sollten ohne ärztliche Empfehlung keine Nahrungsergänzungsmittel einnehmen. Denn sie sind normalerweise ausreichend mit Vitaminen und Mineralstoffen versorgt.“

Kritisch sieht die Verbraucherzentrale etwa die Werbung von Schauspielerin Nina Bott für eine mit Vitaminen angereicherte Kindermilch. Die Influencerin lobt die haltbar gemachte Magermilch mit Vitaminzusatz als „praktisch, lecker, klein“. Als Getränk für Kleinkinder sollte stattdessen „immer Wasser und nicht Milch“ an erster Stelle stehen, sagt Gerckens. Wenn Milch, dann frische und keine hoch verarbeitete, haltbar gemachte und mit Vitaminen angereicherte.

Hinzu komme: Die von den netten Eltern-Influencern beworbenen Lebensmittel sind meist exorbitant teuer. Untersuchte Fruchtgummis kosten demnach gut 50 Euro pro Kilogramm, gefriergetrocknete Erdbeeren rund 250 Euro.

Der Rat von Verbraucherschützerin Gerckens an Eltern, die sich über Social Media informieren: „Bleiben Sie kritisch.“ Am Ende gehe es immer darum, Geld zu verdienen.

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