Ausländerfeindlichkeit als „Trend“  „Ausländer raus“ nicht nur auf Sylt – auch in Emden

| | 26.05.2024 12:49 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Vorfall in Emden wurde der Polizei gemeldet. Bild: lassedesignen/Fotolia
Der Vorfall in Emden wurde der Polizei gemeldet. Bild: lassedesignen/Fotolia
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In der Nacht zu Sonntag sangen Unbekannte in Emden lauthals „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“ zur selben Melodie wie auf Sylt. Auch nahe Cloppenburg gab es einen ähnlichen Vorfall.

Emden/Ostfriesland - Das Sylt-Video, auf dem mehrere junge Menschen auf die Melodie eines mehr als 20 Jahre alten Party-Hits „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“ singen und dabei offensichtlich viel Spaß haben, schockiert Deutschland. Hinter der Kombination aus Text und Melodie steckt ein „Trend“ aus dem Internet, der sich schon länger verbreitet - und am Wochenende Nachahmer in Emden gefunden hat.

Im Bereich Port Arthur/Transvaal fand in der Nacht zum Sonntag eine Party statt, bei der ebenfalls zur Melodie von „L’amour toujours“ die ausländerfeindliche Parole gesungen wurde. So laut, dass es noch in weiterer Entfernung zu hören war. Dieser Redaktion wurde eine entsprechende Aufnahme zugespielt.

Ausländerfeindlichkeit als „lustiges“ Internetphänomen

Zeugen bestätigen dieser Zeitung gegenüber den Vorfall. Dieser wurde auch der Polizei gemeldet. Wo genau die mutmaßliche Party stattfand, ist bislang unbekannt.

Dass die gleiche Melodie für die gleichen Parolen genutzt wurde, ist kein Zufall. Nicht nur ist die Kombination aus ausländerfeindlicher Parole und Melodie durch das an Pfingsten entstandene Sylt-Video einer breiten Öffentlichkeit bekannt geworden. Unter den Singenden war auch ein gebürtiger Ostfriese.

Videos, die Party-Hit und Ausländerfeindlichkeit auf die eine oder andere Art kombinieren, geistern seit Monaten durchs Netz - es ein sogenanntes „Meme“, ein sich im Netz viral oder nahezu viral verbreitendes Phänomen. Seinen Ursprung hat die Kombination von Parole und Melodie wahrscheinlich auf einem Erntefest in Mecklenburg-Vorpommern. Im Oktober 2023 verbreitete sich ein Video von der Feier, auf dem „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“ zum Lied von Gigi D’Agostino gesungen wurde. Seitdem wurde diese „Version“ vor allem auf der Videoplattform Tiktok verteilt. Dort wird „L’amour toujours“ oft als „verbotenes Lied“ betitelt. Dabei war das Lied nie verboten. Die Menschen in den Videos fragen sich zum Beispiel, welchen Liedtext sie denn jetzt singen sollen. Rassismus und Ausländerfeindlichkeit werden so als „lustig“ gefeiert und verbreitet. Oft auch einhergehend mit der direkten oder indirekten Aufforderung, die „verbotene“ Version zu singen.

Weiterer Vorfall am Pfingstmontag in der Nähe von Cloppenburg

Verteilt werden diese Videos auch, aber nicht nur durch rechte Accounts. Wie das Sylt-Video zeigt, ist der Trend außerhalb des eindeutig rechten Spektrums angekommen. Es wird, das zeigt das Sylt-Video ebenfalls eindeutig, als lustige Party-Variante akzeptiert und gefeiert.

Das zeigen auch Aufnahmen, die Medienberichten zufolge am Pfingstmontag auf einem Schützenfest in Löningen westlich von Cloppenburg entstanden sind. Auch dort wurde das Gleiche skandiert wie in Sylt - und wie jetzt in Emden. Welche Klientel in Emden gesungen hat, ist unbekannt.

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