Neuer Kulturort in Weener Drei Millionen für Herzensprojekt – Stadtbücherei und jüdisches Leben
Der Gebäudekomplex soll das Zuhause für die jüdische Geschichte und die neue Stadtbücherei in Weener werden. Inklusive Gaming, Lesecafé und Co..
Weener - Gegen das Verblassen: In Weener entsteht für rund drei Millionen Euro eine neue Stadtbücherei mit Begegnungsstätte. „Es geht um Wissen, Austausch, Begegnung, außerdem haben wir hiermit der Erinnerung ans jüdische Leben ein Zuhause gegeben“, erklärt Bürgermeister Heiko Abbas.
Welche Verbindung besteht zur jüdischen Geschichte?
An der heutigen Westerstraße gab es ab 1829 eine Synagoge und eine jüdische Schule (seit 1853 Israelitische Elementarschule). Wie in der Alemannia Judaica zu lesen ist, der „Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum“, gab es zwischen 1853 und 1925 sieben Lehrer an der Israelitischen Elementarschule. Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Emden. „Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge niedergebrannt, die jüdischen Einwohner verhaftet, ihre Wohnungen verwüstet und die Wertsachen beschlagnahmt.“ Mitte 1939 wohnten noch 42 jüdische Menschen in der Stadt. „Die meisten von ihnen wurden im Februar 1940 evakuiert.“
Bücherei und Begegnungszentrum entstehen „auf den Grundmauern der jüdischen Synagoge“, erklärte Abbas bei der Grundsteinlegung. Tobias Jona Simon, Rabbiner des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen, trug einen Psalm und einen Segensspruch vor, Holocaust-Überlebender Albrecht Weinberg assistierte bei der Grundsteinlegung.
Wieso braucht es eine neue Stadtbücherei?
Es wird eine Verbindung zur neuen Stadtbücherei geben. Räumlich, aber auch inhaltlich. Denn neben der Ausstellung soll es unter anderem Bücher zur jüdischen Geschichte geben. Das Konzept für die Bücherei wurde 2015 entwickelt und nach Möglichkeit in den bisherigen Räumen schon umgesetzt. Mit dem Neubau gibt es allerdings weitaus mehr Möglichkeiten. „In der Bücherei soll man sich fühlen wie in einem großen Wohnzimmer“, umriss Abbas.
Dabei sei es nicht vergleichbar mit dem Familienzentrum in Bunde, das vielen Rheiderländern ein Begriff sein dürfte. Dort nutzen viele Gruppen, Vereine und andere Anbieter die Räumlichkeiten. „Das würde den Rahmen der Räume und des Konzeptes sprengen“, sagt Abbas. Was allerdings nicht heißt, dass wenig angeboten würde.
Was kommt in die Räume?
Unter anderem soll es eine Gaming-Area geben, eine Medienwerkstatt, ein Repair-Café, einen Bibliotheksgarten und -café und ein digitales, analoges und interaktives Veranstaltungsprogramm, heißt es in der Präsentation, die die Verwaltung im Kulturausschuss vorstellte.
Für welche Zielgruppe ist das Angebot?
„Im Mittelpunkt stehen Kinder und Jugendliche“, sagt Bürgermeister Heiko Abbas. Es geht um Leseförderung, Sprachförderung, die Schulung im Umgang mit Medien. Das betreffe allerdings nicht nur junge Nutzer.
Beispielsweise hätten in der Stadtbücherei, wie im Konzept zu lesen ist, „alle Zugezogenen, die meistens nicht fest in den Vereinen und Kirchengemeinden eingebunden sind, hier eine zwanglose Möglichkeit Menschen aus Weener zu treffen. Das Wichtigste ist, dass man in Weener einen Aufenthaltsraum für die Bürger anbietet, indem man kein Geld benötigt und trotzdem herzlich willkommen ist.“