Osnabrück Die Schlüsselwörter der Boomer: Wie sagte man früher für Bullshit?
Eine Generation und ihre Sprache: Welche sind die Schlüsselwörter der Boomer? Heute geht es um Mumpitz, Kokolores und Co, um Begriffe der Kritik.
Wer dauernd nur Humbug geboten bekommt, kann schon einmal fuchsteufelswild werden. Auf so etwas antwortet man am besten mit einem nachdrücklichen: Papperlapapp! Merken Sie etwas? Richtig: Zwei Sätze, drei Schlüsselwörter einer Generation. Bitte nicht fuchsteufelswild werden, aber jüngere Menschen wissen meist nicht mehr, was ein Humbug ist. Boomer dagegen wissen das nur zu gut.
Generationen erkennt man an ihrem Wortschatz. Im Netz kursieren allerhand Ratespielchen, um Wörter, die heute kaum noch jemand benutzt. Wer sie dennoch kennt, gehört zu einer offenbar als verabschiedet angesehenen Generation. Was ich von solchen Formaten halte? Humbug ist das. Und was für einer.
Boomer sind kritische Menschen, die gelernt haben, hinzuschauen und zu unterscheiden. Ich finde, dass das ein guter Zug an dieser Altersgruppe ist. Boomer verfügen über kraftvolle Begriffe, mit denen sie signalisieren können, dass ihnen etwas nicht gefällt. Humbug: Das ist einer von ihnen.
Zugleich bin ich mir nicht einmal sicher, ob dieses Wort, das angeblich in England um 1750 in Mode gekommen sein soll, erst in der Zeit der Boomer so richtig in Mode gekommen ist. Ich glaube das nicht. Boomer haben noch viele Wörter ihrer Eltern übernommen. Jenes Sprachvergessen, das heute zu beobachten ist, war zu ihrer Zeit noch nicht so verbreitet.
Alles Kokolores? Humbug konnte vieles sein, Kokolores dagegen meistens nur das, was jemand redete. Kommt das Wort wirklich aus der Berliner Szene, in der es Kokain-Konsumenten um 1930 erfanden? Ich bin da lieber skeptisch.
Ich will nicht gleich sagen, dass das alles Mumpitz ist. Aber diese Herleitung klingt eher abenteuerlich als glaubwürdig. Da bin ich schon eher geneigt, jener Geschichte Vertrauen zu schenken, nach der Berliner Börsenhändler von Mumpitz redeten, wenn sie einer Geldanlage nicht trauten.
Gleichviel. Die Herleitungen solcher Wörter finde ich nicht so wichtig wie den Klang, den sie in meinen Ohren haben. Humbug braucht keiner. Und niemand mag es, wenn Kokolores geredet wird. Das sind kraftvolle Wörter, die klar sagen, was man von einer Sache hält. Ich finde solche Wörter besser als die vagen Umschreibungen, die heute benutzt werden oder ein so ordinäres Wort wie Bullshit. Da sage ich lieber gleich: Alles Mumpitz!