Nachlese zum DM-Halbfinale  Eine „Halb-Ostfriesin“ ließ Aurichs Finaltraum platzen

| | 19.05.2024 13:17 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Viele Tränen flossen nach dem Spiel bei den Auricherinnen (im Bild Paula Espina Vazquez). Foto: Doden/Emden
Viele Tränen flossen nach dem Spiel bei den Auricherinnen (im Bild Paula Espina Vazquez). Foto: Doden/Emden
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Nach dem verpassten Sieg flossen viele Tränen. Maresa Arici hatte für Mönchengladbach das 1:1 erzielt. Der Fußball schreibt verrückte Geschichten – sie hat familiäre Verbindungen nach Ostfriesland.

Mönchengladbach - Das letzte Kapitel der traumhaften Bundesliga-Geschichte endete für die U17-Juniorinnen der SpVg Aurich am Samstag in Mönchengladbach mit vielen Tränen. „Wir sind natürlich alle enttäuscht, weil wir das Märchen aus dem vergangenen Jahr gerne noch weitergeschrieben und vollendet hätten“, so Sophia Marie Schalke nach dem 1:1 im Halbfinal-Rückspiel um die Deutsche Meisterschaft. Da Borussia Mönchengladbach das Hinspiel durch ein Tor in der Nachspielzeit 1:0 gewonnen hatte, reichte Borussia das Remis für den Finaleinzug. Das allerletzte Spiel der Bundesliga, die als Spielsystem vom DFB abgeschafft wird, findet nun am 25. Mai im Borussia Park auf dem Fohlenplatz statt, wenn die Borussia im Finale die TSG Hoffenheim empfängt.

Unter den 548 Zuschauern weilten auch zahlreiche Aurich-Fans (hinten). Foto: Doden/Emden
Unter den 548 Zuschauern weilten auch zahlreiche Aurich-Fans (hinten). Foto: Doden/Emden

So weit ging es für Aurich und manche aus dem Kader wie Sophia Schalke auch vor einem Jahr, als man das Finale bei Bayer Leverkusen 1:2 verlor. „Ich hätte gerne nochmal die Chance dazu gehabt“, sagte die Mittelfeldspielerin. Trainer Stefan Wilts sagte wenige Minuten nach dem Abpfiff: „Die Enttäuschung ist natürlich schon riesig. Denn wir hatten uns alle auf ein Finale in Aurich gefreut. Wir haben alles versucht, das hinzubekommen.“

Tränen und Trost

Als Schiedsrichterin Paula Meyer nach fast sieben Minuten Nachspielzeit die Partie abpfiff, sanken die Auricherinnen zu Boden. Viele Spielerinnen weinten, lagen sich in den Armen. Alle Versuche, noch das Siegtor zu erzielen und so zumindest das Elfmeterschießen zu erzwingen, schlugen in der Schlussphase fehl. Die weit mehr als 100 Aurich-Fans (Freunde, Eltern etc.) unter den 548 Zuschauern, die ihr Team unentwegt und laut unterstützten, hatten ein feines Gespür, feierten das Team unmittelbar nach dem Abpfiff minutenlang – als Lohn für eine überragende Saison.

Viele Tränen mussten nach dem Spiel getrocknet werden. Die Auricherinnen erhielten von ihren Freunden und Familien, die zahlreich vor Ort warten, aber direkt nach dem Spiel Trost und Aufmunterung. Foto: Doden/Emden
Viele Tränen mussten nach dem Spiel getrocknet werden. Die Auricherinnen erhielten von ihren Freunden und Familien, die zahlreich vor Ort warten, aber direkt nach dem Spiel Trost und Aufmunterung. Foto: Doden/Emden

„Wir haben den Mädels nach dem Spiel auch mitgegeben, dass sie stolz sein sollen, zum zweiten Mal in Folge Bundesliga-Staffelmeister geworden zu sein und ins Halbfinale eingezogen sind“, so Wilts.

Aurich trifft und hofft

Auf dem schmucken Fohlenplatz direkt neben der Bundesliga-Arena zeigten die Gastgeber schon in der Anfangsphase ihre spielerische Klasse und hatten zunächst klar mehr vom Spiel. Ein Freistoß ans Außennetz sorgte für die größte Gefahr. Mit dem ersten blitzsauberen Angriff gelang Aurich nach 19 Minuten die Führung. Eine scharfe Hereingabe von Janne Buck sorgte für mächtig Gefahr vor dem Borussia-Tor. Torjägerin Lucy Minne behielt den Überblick und schob den Ball im Grätschen über die Linie (19.).

Nach dem 1:0 war die Hoffnung bei Aurich groß. Foto: Doden/Emden
Nach dem 1:0 war die Hoffnung bei Aurich groß. Foto: Doden/Emden

Nun stand es in Summe beider Spiele 1:1. Es folgte ein offenes Spiel bis zur Pause mit Möglichkeiten auf beiden Seiten, wobei Aurich-Torhüterin Paula Blum mit einem „Monster-Reflex“ aus kurzer Entfernung das 1:1 durch Hinspieltorschützin Paula Fiona Itgenshorst verhindert hatte.

Wirkungstreffer zum 1:1

Diese Szene ereignete sich kurz vor dem Halbzeitpfiff – kurz nach Wiederanpfiff lag der Ball doch im Auricher Netz. Nach einer zunächst abgewehrten Ecke flog der Ball nochmal in den Strafraum. U17-Nationalspielerin Maresa Arici nahm diesen sehenswert mit rechts an und schon ihn mit links unten ein (44.).

Ein enges Spiel lieferten sich beide Teams. Foto: Doden/Emden
Ein enges Spiel lieferten sich beide Teams. Foto: Doden/Emden

Es war ein Wirkungstreffer. Erst in der Schlussphase startete Aurich nochmal eine Drangphase, haderte dabei mit der einen oder anderen Schiedsrichter-Entscheidung. Die ganz dicke Chance zum 1:2 sprang nicht mehr heraus, weil Gladbachs Torhüterin auch einmal aufmerksam außerhalb des Strafraums klärte. Auf der anderen Seite verhinderten Latte und Paula Blum den vorzeitigen K.o., der dann mit dem Schlusspfiff folgte.

Familie kommt aus Twixlum

Während die Auricher Spielerinnen ihren Tränen freien Lauf ließen, feierte eine „Halb-Ostfriesin“ den Finaleinzug. Denn die 17-jährige Torschützin Maresa Arici hat Verwandtschaft in Ostfriesland. Ihre Mutter Martina ist eine geborene Dirksen und lebte bis vor 20 Jahren in ihrem Heimatort Twixlum – bis sie den gebürtigen Mönchengladbacher Murat Arici kennen und lieben lernte. „So hat es mich nach Mönchengladbach verschlagen“, sagte die 45-jährige Martina Dirksen-Arici.

Gladbachs Torschützin Maresa Arici (Zweite von rechts) hat ostfriesische Wurzeln, ihre Mutter Martina (daneben) stammt aus Twixlum. Auch Schwester Miriam und Papa Murat waren beim Spiel Samstag dabei. Foto: Doden/Emden
Gladbachs Torschützin Maresa Arici (Zweite von rechts) hat ostfriesische Wurzeln, ihre Mutter Martina (daneben) stammt aus Twixlum. Auch Schwester Miriam und Papa Murat waren beim Spiel Samstag dabei. Foto: Doden/Emden

Beim Hinspiel in Aurich waren viele ostfriesische Verwandte live dabei. Ihre Familie war auch immer eng mit TB Twixlum verbunden, besonders auch Vater Hermann, der schon verstorben ist. „Als die Kinder noch kleiner waren, waren wir sehr oft zu Heimatbesuchen in Ostfriesland“, erzählt Murat Arici. Er hat mit seiner Frau Martina sogar zwei sehr talentierte Töchter. Auch die 15-jährige Miriam Arici spielt bei der Borussia und ist U15-Nationalspielerin.

Spieldaten

Aurich: SpVg Aurich: Blum, Okoroh, Brühl, Weber, Gutheil (66. Simonsen), Schalke (28. Harstein), Minne, Albring, Voß (80. Tepper), Ernst (66. Vasquez), Buck

Tore: 0:1 Minne (19.), 1:1 Arcici (44.)

Zuschauer: 548

Ihre zwei Jahre ältere Schwester Maresa war Samstag im Fokus. Sie fühlte mit den unterlegenen Auricherinnen. „Sie haben uns alles abverlangt. Es waren zwei sehr enge Spiele“, meinte die 17-Jährige, die auch schon bei den Zweitliga-Frauen mitspielt. Groß feiern war am Samstag nicht angesagt, schließlich soll nun auch der Deutsche Meistertitel am Samstag her. Und für die Sommerferien hat sie auch schon einen Plan. „Ich möchte gerne ein paar Tage in Ostfriesland verbringen. Als wir das Hinspiel in Aurich hatten, kamen ein paar Heimatgefühle auf.“

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