Prunkbau mit Geschichte  Investor will historische Villa in Weener sanieren

Tatjana Gettkowski
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Von Tatjana Gettkowski
| 16.05.2024 18:37 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
In der Altstand von Weener gibt es zahlreiche historische Baudenkmäler. In der neuen Straße ist die Villa Bärchen das wohl am beeindruckenste Gebäude. Foto: Gettkowski
In der Altstand von Weener gibt es zahlreiche historische Baudenkmäler. In der neuen Straße ist die Villa Bärchen das wohl am beeindruckenste Gebäude. Foto: Gettkowski
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Die Villa in neugotischem Stil ist der Hingucker in der Neuen Straße in Weener. Doch das denkmalgeschützte Gebäude steht seit Jahren leer. Das soll sich bald ändern. Ein Investor hat Großes damit vor.

Weener - Die Altstadt von Weener ist bekannt für ihre historischen Bauten. Neben dem Organeum und dem Frohnehaus, dem ältesten Gebäude der Stadt, zählt die Villa Bärchen zu den besonderen Hinguckern. Lange stand dieser Prachtbau leer. Doch das soll sich bald ändern. Ein Investor aus Wilhelmshaven hat die Villa Bärchen gekauft und will dem denkmalgeschützten Gebäude neues Leben einhauchen.

Ein Blick auf die Bärchen-Villa vom Garten aus gesehen. Foto: Gettkowski
Ein Blick auf die Bärchen-Villa vom Garten aus gesehen. Foto: Gettkowski

Das Gebäude im neugotischen Architekturstil beeindruckt von außen durch seine Fassade. Ein turmartiger Parterre-Erker, hohe Fenster, Drempel und reiche Verzierungen machen den besonderen Charme des Gebäudes aus. „Cellulite Therapie, Faltenunterspritzung, dauerhafte Haarentfernung“ steht auf den Scheiben. Ein Hinweis auf die letzte Nutzung des Gebäudes. Die Hautärztin Astrid Thies-Rambo hat das seinerzeit stark heruntergekommene Gebäude 1996 gekauft und saniert. Sie wohnte dort und betrieb in der unteren Etage eine dermatologische Praxis. Nach ihrem Tod 2023 bot ihre Familie die Immobilie zum Kauf an.

Sanierung wird teuer

„Ich war zufällig in Weener, weil ich mich für den Kauf der Wohnblocks in der Friesenstraße interessiert habe“, erzählt Anteus Focken. Nachdem er darauf aufmerksam wurde, dass die Villa zum Verkauf steht, habe er sich das Gebäude gleich am Tag darauf angesehen und spontan ein Angebot abgegeben. Und bekam prompt den Zuschlag. Denn die Stadt Weener hatte auf ihr Vorkaufsrecht verzichtet. „Die Kosten für die Sanierung werden gigantisch. Das können wir uns als Stadt nicht leisten“, so der Verwaltungschef. Doch er sei froh, dass sich ein Investor gefunden habe, der das Gebäude nach so langem Leerstand sanieren und damit erhalten wolle.

Das Schwestergebäude zur Bärchen-Villa steht in der Norderstraße: Dort ist das Orgelmuseum untergebracht. Foto: Gettkowski
Das Schwestergebäude zur Bärchen-Villa steht in der Norderstraße: Dort ist das Orgelmuseum untergebracht. Foto: Gettkowski

Den Kaufpreis will Focken nicht verraten. „Die Sanierung wird auf jeden Fall eine teure Geschichte“, sagt der Immobilien-Unternehmer. Nicht nur das Dach müsse erneuert werden. Aus den Ritzen der Treppenstufen wuchert Unkraut und das Wetter hat den Holzrahmen der Fenster ordentlich zugesetzt. Doch wer über das Eingangspotal durch die reich verzierte Holztür eintritt, ist beeindruckt und kommt aus dem Staunen gar nicht heraus. Die etwa 1870 erbaute Villa, die den Landsitzen reicher Bürger der Hansestädte nachempfunden war, ist ein Zeugnis großbürgerlicher Wohnkultur in Weener.

Auf der Gebäuderückseite befindet sich noch dieser alte Postkasten. Foto: Gettkowski
Auf der Gebäuderückseite befindet sich noch dieser alte Postkasten. Foto: Gettkowski

Baskenmützen-Produktion

Schwarz-weiße Bodenfliesen, Holzböden, hohe weiße Wände und aufwändig mit Stuck verzierte Decken. In einigen Räumen stehen sogar noch uralte Schränke und Vitrinen, die bestimmt das Herz so manch eines Antiquitätenfreundes höher schlagen lassen würden. Einige Fenster sind mit bunter Schmuckverglasung besonders kunstvoll gestaltet.

Der Sanierungsbedarf ist enorm. Nach den Worten des Investors muss unter anderem das Dach erneuert werden, um weitere Schäden am Gebäude zu verhindern. Foto: Gettkowski
Der Sanierungsbedarf ist enorm. Nach den Worten des Investors muss unter anderem das Dach erneuert werden, um weitere Schäden am Gebäude zu verhindern. Foto: Gettkowski

Unter einem prunktvoll verzierten Kachelofen fällt der Blick des Besuchers auf ein Firmenschild. „Textilia“ hieß das Unternehmen von Max Bärchen, der hier bis in die 1960er Jahre Wollstrickgarn und Baskenmützen herstellte. Im Volksmund setzte sich daher der Name Villa Bärchen für den Prunkbau durch, weiß Geziena Scholtalbers. Die Stadtführerin hat sich intensiv mit der Geschichte der historischen Häuser in der Stadt Weener beschäftigt.

Bei Stadtführungen mit Geziena Scholtalbers stößt das Gebäude in der Neuen Straße bei den Gästen immer auf besonderes Interesse. Foto: Gettkowski
Bei Stadtführungen mit Geziena Scholtalbers stößt das Gebäude in der Neuen Straße bei den Gästen immer auf besonderes Interesse. Foto: Gettkowski

Schwestergebäude in der Norderstraße

„Gebaut wurde die Villa von einem Viehhändler Jan Hesse“, weiß Geziena Scholtalbers. Sie ist Stadtführerin in Weener. „Die Gäste sind von dem Gebäude immer ganz besonders beeindruckt. Es wäre toll, wenn man es bei Stadtführungen auch von innen zeigen könnten.“ Scholtalbers hat früher als Bauzeichnerin in einem Architekturbüro gearbeitet und daher schon immer ein Interesse an Architektur gehabt. Es sei stark davon auszugehen, dass der Architekt Eduard Stüve, das Gebäude entworfen hat. „Wie zum Beispiel auch die Evenburg und die Apotheke in der Brunnenstraße in Leer.“ Auch das Schwestergebäude der Bärchen-Villa trägt seine Handschrift: das Organeum in Weener.

Anteus Focken will das Gebäude nach der Sanierung vermieten, als Wohnraum und im unteren Geschoss möglichst für eine gewerbliche Nutzung. „Wenn das Haus öffentlich genutzt wird, können sich die Leute das angucken“, sagt er.

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