„Blackout-Challenge“  TikTok-Trend – Kinder würgen sich an Grundschule im Emsland

Julia Mausch
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Von Julia Mausch
| 15.05.2024 16:53 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Immer wieder machen Kinder und Jugendliche lebensbedrohliche Mutproben, um Videos davon bei TikTok hochzuladen. Symbolfoto: Hannes P. Albert/DPA
Immer wieder machen Kinder und Jugendliche lebensbedrohliche Mutproben, um Videos davon bei TikTok hochzuladen. Symbolfoto: Hannes P. Albert/DPA
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Immer wieder machen Kinder und Jugendliche lebensbedrohliche Mutproben, um Videos davon bei TikTok hochzuladen. Zu so einem Vorfall ist es nun an einer Grundschule im emsländischen Lingen gekommen.

Lingen - Der Trend der „Blackout-Challenge“ hält sich hartnäckig seit 2021 bei TikTok. Unzählige Videos von Jugendlichen, die sich bis zur Bewusstlosigkeit würgen lassen, wurden schon hochgeladen. Bei den Mutproben geht es darum, dem Gehirn durch Strangulation und Hyperventilation den Sauerstoff zu entziehen und so Schwindel, Ohnmacht und kurz andauernde Euphorie-Gefühle zu erzeugen. Dieser Trend macht vor dem Emsland nicht halt. Am 30. April 2024 ist es an der Johannesschule, einer Grundschule in Lingen, zu einer solchen Challenge gekommen. Laut einer Mutter, die sich mit einem anonymen Brief an die Redaktion gewandt hatte, hätten sich mehrere Schüler während der Pause auf dem Schulhof dieser Mutprobe gestellt.

Die Schulleitung wollte sich „aufgrund des sensiblen Themas“ nicht dazu äußern und verwies an das Regionale Landesamt für Schule und Bildung (RLSB) Osnabrück. Dieses bestätigt den Vorfall an der Grundschule. Die Johannesschule sei bisher die einzige dem Amt bekannte Grundschule in seinem Zuständigkeitsbereich, wo Grundschüler die „Blackout-Challenge“ ausprobiert haben. Verletzt wurde bei dem Vorfall offenbar niemand. „Weder dem RLSB Osnabrück noch der Schule ist bekannt, dass eine Schülerin oder ein Schüler sich in ärztliche Behandlung begeben musste“, heißt es seitens der Behörde. Genau davor warnen Mediziner immer wieder. Einer von ihnen ist Dr. Carsten Börner, Leitender Arzt der Zentralen Notaufnahme im Bonifatius-Hospital in Lingen. Als die Challenge noch nicht ganz so populär war, warnte er vor Stürzen, zu denen es in Folge der Ohnmacht kommen kann. Die möglichen Folgen: Knochenbrüche, Platzwunden, Zahnverlust oder gefährliche Kopfverletzungen. Im schlimmsten Fall könnten durch die Unterversorgung mit Sauerstoff bleibende Schäden am Gehirn und anderen Organen entstehen.

Eltern sind gefragt: TikTok erst für Jugendliche ab 13 Jahren geeignet

Die Schulleitungen nehmen die Gefahren für die körperliche Unversehrtheit, die unter anderem durch TikTok-Challenges entstehen, sehr ernst, betont das RLSB Osnabrück. „Daher wird regelmäßig in den Klassen dazu sensibilisiert.“ Ergänzend zu den schulinternen Präventionskonzepten können die regionalen Präventionsteams des Landesamtes sowie der jeweiligen Polizeiinspektion unterstützend angefragt werden, damit Schüler von diesen Trends Abstand nehmen.

Aber: Das Landesamt verweist auch darauf, dass die App TikTok gemäß eigenen Angaben erst für Jugendliche ab 13 Jahren geeignet ist. „Grundschulkinder sollten daher aus erster Hand gar nicht an Informationen über eine ‚Blackout-Challenge‘ gelangen können“, betont die Behörde. Selbst Eltern von Jugendlichen ab 13 Jahren wird im App-eigenen Leitfaden geraten, dass die App im begleiteten Modus genutzt wird. Bedeutet: Erwachsene sollen die Minderjährigen mit einem Eltern-Account beaufsichtigen.

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