Unfälle Polizei besorgt – Ü-65 im Straßenverkehr in Gefahr?
2023 sind viele derer, die in der Region im Straßenverkehr ums Leben gekommen sind, über 65 Jahre. Jetzt schaut die Polizei genauer auf die Senioren.
Landkreis Leer - 133 leicht verletzt, 22 schwer verletzt, acht tödlich: Das sind die Zahlen der Verkehrsteilnehmer Ü65, die im vergangenen Jahr im Bereich der Polizei Leer/Emden zu Schaden kamen. Insgesamt gab es elf Verkehrstote. Der Anteil der Personen über 65 Jahre ist also vergleichsweise hoch. 2024 lege die Polizei ihr Augenmerk auf das Thema Verkehrstauglichkeit, erklärten Polizeioberrätin und stellvertretende Leiterin Frida Sander und Leiter Einsatz und Verkehr Günter Jelting, als sie die Statistiken vorstellten.
Es geht um die eigene Sicherheit und um die der anderen
Zusätzlich wolle die Polizei aber auch bei Kontrollen verstärkt darauf achten, ob Verkehrsteilnehmer fahrtüchtig erscheinen und gegebenenfalls auch ins Gespräch gehen. „Das ist eine Chance, zu besprechen, warum man vielleicht etwas nicht wahrgenommen hat. Warum gewisse Fehler passiert sind. Wir wissen, dass es ein ganz großer Einschnitt in die Mobilität des einzelnen ist, sollte es mit dem Autofahren nicht mehr gehen. Das ist sehr bitter. Aber wir müssen den Blick auf die Sicherheit aller haben“, so Jelting.
Die meisten Unfälle passieren in der Altersgruppe ab 65 Jahren wegen Fehlern beim Abbiegen, Wenden oder Rückwärtsfahren, wie die Statistik von 2023 zeigt. 128 Mal waren Fehler bei diesen Fahrmanövern der Grund für Unfälle. 87 Mal war es mangelnder Abstand, gefolgt von Vorfahrtsfehlern (81). Zu hohe Geschwindigkeiten oder Überholmanöver sind dagegen seltener der Grund für Unfälle in dieser Altersgruppe (17 und 18 Fälle). Dieses Bild zeigt sich in den Statistiken der letzten fünf Jahre immer mit nur leichten Schwankungen.
Medizinchecks werden kritisch gesehen
Allgemein gibt es keine regelmäßigen, verpflichtenden Medizinchecks für Autofahrende in der EU. Wie der ADAC berichtet, habe eine Mehrheit der Abgeordneten des EU-Parlaments Ende Februar, dafür ausgesprochen, „dass nationale Regierungen entscheiden sollen, ob sie es künftig den Führerscheininhabern überlassen wollen, ihre Fahreignung selbst zu beurteilen“, oder ob es regelmäßige ärztliche Tests geben soll. Hör- und Sehtests könnten dann etwa eine Selbsteinschätzung der Führerscheininhaber ergänzen.
Die Medizinchecks für Auto und Motorrad würden besonders von deutschen Abgeordneten parteiübergreifend kritisch gesehen, schreibt der ADAC. In anderen EU-Staaten gibt es sie hingegen schon. Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) hatte sich im Vorfeld klar gegen solche Gesundheitstests ausgesprochen und begrüßte die EU-Entscheidung: Man könne die Eigenverantwortung der Menschen nicht durch staatliche Vorschriften ersetzen. Zudem gelte es, nicht neue unnötige Bürokratie zu schaffen. Es gebe auch keine signifikanten Zahlen, die Handlungsbedarf in einer bestimmten Altersgruppe erforderten.
Freiwillige Trainingsfahrten
Manfred Wirsch, Präsident des Deutschen Verkehrssicherheitsrates, rät ebenfalls zu freiwilligen Fahrten mit Fahrlehrern anstelle von vorgeschriebenen Medizinchecks. „Auch im Alter wollen und müssen Menschen mobil sein können. Mit zunehmendem Alter kommt es bei allen Menschen zu einer Abnahme der sensorischen, kognitiven und motorischen Leistungsfähigkeiten. Die Frage lautet nun, was konkret getan werden kann, um die individuelle und sichere Mobilität von älteren Menschen zu erhalten.“
Mit Hilfe einer sogenannten „Rückmeldefahrt“ mit einem Fahrlehrer oder einer Fahrlehrerin, könne die Fahrkompetenz älterer Menschen gestärkt und nachweislich verbessert werden. „Maßnahmen zum Erhalt der Fahrkompetenz sollten spätestens ab dem 75. Lebensjahr ansetzen, da ab diesem Alter die Leistungsfähigkeit messbar sinkt und gleichzeitig der Anteil der Seniorinnen und Senioren als Hauptverursachende bei Unfällen mit Personenschaden steigt“, so Wirsch.