Kein Poller ADFC sauer über Brunnenstraßen-Entscheidung in Leer
Die Brunnenstraße wird zum beruhigten Geschäftsbereich. Ursprünglich sollte ein Poller die Durchfahrt behindern – der kommt nun nicht. Das ärgert den ADFC sehr.
Leer - Es geht gemütlich zu in der Brunnenstraße am Montagmittag. Viele Menschen sitzen bei den Gastronomiebetrieben draußen und genießen einen Kaffee oder ihr Mittagessen. Einige schlendern auf und neben der Brunnenstraße und schauen sich die historischen Gebäude an. Ein GLS-Transporter fährt langsam durch die gepflasterte Straße: Rechts und links neben ihm kommt niemand vorbei, entgegenkommende Radfahrer müssen warten. Immerhin hält er an einem der Häuser an und bringt ein Paket rein. Ein Mercedes steht einen Moment unschlüssig am Eingang der Brunnenstraße, um dann doch hinein- und dann hindurchzufahren. Ein Corsa fährt ohne Zögern in die Straße und biegt dann in die Kirchstraße ein. Erlaubt ist das nicht, aber wo kein Kläger, da kein Richter offenbar.
Die Verkehrslage in der Brunnenstraße wird seit Monaten in der Stadtpolitik, aber auch darüber hinaus heftig diskutiert. Im vergangenen Jahr hatte man testweise eine Fußgängerzone eingerichtet, um die Straße sicherer für Fußgänger zu machen. Einer dauerhaften Einrichtung einer solchen Zone erteilte die Politik schnell eine Absage. Trotzdem sollte etwas passieren, damit Autos, Fahrradfahrer und Fußgänger möglichst sicher und problemlos die Straße nutzen können. In der vergangenen Woche empfahl nun der Ausschuss für Energie, Klima, Umwelt und Verkehr die Brunnenstraße als Fahrradstraße abzusetzen und in einen „verkehrsberuhigten Geschäftsbereich“ mit einer Höchstgeschwindigkeit von 20 Stundenkilometern umzuwandeln. Den Verkehrsversuch mit einem Poller in der Schmiedestraße, um den Durchgangsverkehr zu senken, schloss die Politik dagegen aus.
AFDC sauer wegen Brunnenstraße
Darüber ärgert sich nun die Ortsgruppe Leer des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs – kurz ADFC. „Ich bin echt sauer, dass dieser Versuch nicht einmal in Erwägung gezogen wird“, sagt Martin Blanke, Mitglied des Vorstandes der ADFC Ortsgruppe Leer und bei der vergangenen Ausschusssitzung auch dabei. „Wenn sich die Mehrheitsgruppen so sicher sind, dass es nicht klappt, dürften sie doch nichts gegen diesen Versuch haben?“, fragt Blanke. SPD und CDU hatten sich unabhängig voneinander gegen den Versuch mit dem Poller ausgesprochen. „Wenn wir die Schmiedestraße sperren, leiten wir den Verkehr durch die Kirchstraße und sorgen für Chaos in Richtung Borromäus-Hospital, Blinke und den Berufsschul-Verkehr“, hatte Sönke Eden für die SPD erklärt. „Die niedrige Geschwindigkeit würde Autofahrer schon davon abhalten, die Strecke nur als unerlaubte Abkürzung in Richtung Rathaus zu nutzen“, sagte Tim Bienert für die CDU. Die Grünen dagegen waren gleicher Meinung wie Blanke. „Wir vertun eine Chance, wenn wir das nicht machen. Die Leute werden vielleicht einmal in die Kirchstraße fahren. Aber kein zweites Mal, weil es sehr unangenehm ist“, sagte Bruno Schachner.
Dieser Meinung schließt sich Blanke an. „Sind Sie schon mal mit dem Auto durch die Kirchstraße gefahren? Das ist kein Vergnügen“, sagt der ADFC-Vertreter. Er setzt große Hoffnung in den Poller-Versuch, zumal es nur ein dreimonatiger Test sei. „Der Versuch sollte durch Verkehrszählungen begleitet wären. Wir hätten eine sachliche Grundlage, auf der man diskutieren könnte“, sagt Blanke. Eine Lösung auf sachlicher Grundlage sehe er in der derzeitigen Version nicht.
Er forderte den nicht-öffentlich tagenden Verwaltungsausschuss, der in dieser Woche endgültig über die Lösung entscheidet auf, die Poller-Lösung als Versuch in Betracht zu ziehen. Eine Diskussion über den Erhalt der Fahrradstraße sei für Blanke mittlerweile aussichtslos, „obwohl wir uns als ADFC den Erhalt natürlich gewünscht hätten“. Für diese Entscheidung gebe es aber nachvollziehbare Argumente. Bei der Poller-Entscheidung, die auch mit den Anwohnern abgestimmt gewesen sei, gebe es die nicht. Daher hoffe er auf ein Umdenken.