Trauer um Hermann Reimer  Pastor plötzlich gestorben – Spetzerfehn unter Schock

Marion Luppen
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Von Marion Luppen
| 13.05.2024 09:50 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das Foto von Hermann Reimer in der Kirche wurde kurz vor seiner Verabschiedung Anfang dieses Jahres aufgenommen. Foto: Archiv/Böning
Das Foto von Hermann Reimer in der Kirche wurde kurz vor seiner Verabschiedung Anfang dieses Jahres aufgenommen. Foto: Archiv/Böning
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Erst im Februar wurde Pastor Hermann Reimer in Spetzerfehn feierlich in den Ruhestand verabschiedet. Nun ist er plötzlich und unerwartet gestorben. Ein Ort steht unter Schock.

Spetzerfehn - 35 Jahre lang war Hermann Reimer Pastor in Spetzerfehn. Er hat die lutherische Christus-Gemeinde zu dem gemacht, was sie heute ist: lebendig und offen für jeden. Im Februar dieses Jahres wurde er in der „Kark Spetz“ feierlich in den Ruhestand verabschiedet, blieb dem Ort aber verbunden. Schon vor 20 Jahren hatten er und seine Ehefrau Ulrike ein Haus in Spetzerfehn gekauft, um nach dem Auszug aus dem Pfarrhaus dort wohnen bleiben zu können. Er wolle nicht den Ort verlassen, an dem er den Großteil seines Lebens verbracht habe und in dem er die Menschen kenne, hatte er vor seiner Verabschiedung im Gespräch mit der Redaktion gesagt.

Am Freitag, 10. Mai 2024, hat das Schicksal mit unfassbarer Härte zugeschlagen: Zweieinhalb Wochen nach seinem 65. Geburtstag ist Hermann Reimer plötzlich und unerwartet gestorben. Am Mittwochabend habe er einen Termin sehr kurzfristig abgesagt, weil ihm nicht gut gewesen sei, sagt Heike Schütz vom Kirchenvorstand. „Das war nicht seine Art.“ Die Gemeinde stehe unter Schock. „Alle sind völlig überrumpelt.“ Erst in den kommenden Wochen und Monaten werde die „unendliche Tragweite“ dieses Verlusts deutlich.

„Die Kirche in Spetz lebt“

Auch Ortsbürgermeister Manfred Janssen (SPD) ist nach eigenen Angaben schockiert. Reimer sei „ein lieber Mensch“ gewesen, „der auf allen Ebenen kollegial war, ein Ratgeber, sympathisch“ – kurzum: „eine Persönlichkeit, die man vermissen wird“. Zu seiner Verabschiedung sei die Kirche proppenvoll gewesen. „Da merkte man, wie beliebt er war.“ Sein Engagement für den Ort und die Gemeinde sei ungebrochen gewesen. „Die Kirche in Spetz lebt“, und das sei Reimers Verdienst.

Reimer, der in Westoverledingen (Landkreis Leer) aufwuchs und zunächst Bankkaufmann gelernt hatte, trat 1989 nach einem Vikariat in Hesel in Spetzerfehn eine Stelle als Pastor auf Probe an – und blieb. Er engagierte sich außerdem als Notfallseelsorger. Er wolle „weiterhin auf irgendeine Weise für die Kirchengemeinde da sein, ohne im Weg zu stehen“, hatte er zum Abschied gesagt. Und dass er nun mehr Zeit finden werde, als Seelsorger auf Kreuzfahrtschiffen mitzufahren.

„Er war von Anfang an Hermann“

Heike Schütz vom Kirchenvorstand erinnert sich an ihre Anfänge in Spetzerfehn vor 18 Jahren. Sie habe sich bei Pastor Reimer von der ersten Minute an willkommen gefühlt. „Wir waren sofort mit dabei. Er war nicht Pastor Reimer, er war von Anfang an Hermann.“ Reimer sei den Menschen gegenüber zugewandt und aufgeschlossen gewesen. Er habe alle zum Geburtstag besucht, auch diejenigen, die nicht zum Gottesdienst kamen oder sich anderweitig in der Kirche engagierten. „Er hatte ein Auge für alle Menschen.“ Er sei nicht abgehoben oder theologisch gewesen, sondern direkt an der Basis, „sehr lebensnah und sehr menschennah“. Er habe seine Religion alltagstauglich gelebt und vermittelt.

Ein Satz, den Reimer häufig geäußert habe, kommt Schütz nun wieder in den Sinn. Ihn sprach er aus, wenn man etwas plante: „Wenn Gott will und wir leben, sehen wir uns dann und dann wieder.“ Sie habe dann gedacht: Wir sind doch jung und gesund, was soll uns passieren?

Kollegin trauert auf Facebook

Ortsbürgermeister Janssen schaut trotz der tiefen Trauer nach vorne: „Das Gute lebt weiter.“ In vielen Situationen werde man sich in Spetzerfehn fragen: „Was hätte Hermann dazu gesagt? Was hätte Hermann gemacht?“ Er sei „leider viel zu früh“ aus dem Leben geschieden. Die Auricher Pastorin Cathrin Meenken trauert auf Facebook um den Kollegen. Sie schreibt: „Er war seinem Gott und den ihm anvertrauten Menschen nahe. Gott hat großen Segen auf seine Arbeit gelegt.“

Hermann Reimer hinterlässt seine Ehefrau, drei Kinder und drei Enkel. Er wird am Mittwoch, 15. Mai 2024, auf dem Friedhof Spetzerfehn II beigesetzt. Wer seine Gottesdienste noch einmal erleben möchte, findet die aufgenommenen Streams der vergangenen Jahre auf dem Youtube-Kanal der Kirchengemeinde.

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