Osnabrück  Zwei reale Todesfälle überschatten den neuen Magdeburger „Polizeiruf 110: Unsterblich“

Frank Jürgens
|
Von Frank Jürgens
| 11.05.2024 17:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Influencerin Aalisha Mansour (Hannah Gharib) ist durch das Glasdach eines Einkaufszentrums gestürzt, Gesa (Seyna Sylla) ist die einzige Person vor Ort, die zu helfen versucht. „Polizeiruf 110: Unsterblich“, Sonntag, 12.05., 20.15 im Ersten und in der ARD Mediathek. Foto: © MDR/filmpool fiction/Stefan Erhard
Die Influencerin Aalisha Mansour (Hannah Gharib) ist durch das Glasdach eines Einkaufszentrums gestürzt, Gesa (Seyna Sylla) ist die einzige Person vor Ort, die zu helfen versucht. „Polizeiruf 110: Unsterblich“, Sonntag, 12.05., 20.15 im Ersten und in der ARD Mediathek. Foto: © MDR/filmpool fiction/Stefan Erhard
Artikel teilen:

Der neue Magdeburger „Polizeiruf 110: Unsterblich“ mit Hauptdarstellerin Claudia Michelsen überzeugt als spannendes und wendungsreiches Krimidrama. Überschattet wird es von zwei realen Todesfällen unter den Schauspielern.

Selbstmord? Bis vor Kurzem war Aalisha Mansour (Hannah Gharib) mit anderthalb Millionen Followern ein Star in den sozialen Medien. Dann kam der rapide Absturz. Ein fragwürdiges und von ihr übereifrig beworbenes Diätmittel brachte ihren Stern und ihre Followerzahlen rapide zum Sinken. Ein Shitstorm voller Beleidigungen bis hin zu Morddrohungen waren die Folge. Jetzt liegt sie im Untergeschoss eines Einkaufszentrum, hat sich anscheinend vom Dach eines angrenzenden Gebäudes durch das Glasdach des Konsumtempels zu Tode gestürzt.

Die zahlreichen anwesenden Zeugen sind für Kommissarin Doreen Brasch (Claudia Michelsen) keine große Hilfe. Nur eine junge Frau hat versucht, der sterbenden Aalisha zu helfen. Alle anderen waren und sind immer noch mit ihren Smartphone-Kameras beschäftigt. Offenbar hat die Sterbende noch versucht, der Helferin irgend etwas mitzuteilen. Aber Aalishas letzte Worte waren unverständlich.

„Hier gibt’s alles im Überfluss. Außer Empathie“, stellt Rechtsmediziner Muser (Henning Peker) gleich zu Beginn im neuen Magdeburger „Polizeiruf 110: Unsterblich“ fest. Aber wer jetzt befürchtet, hier bahne sich ein moralinsaures Stück über den empathielosen Zustand unserer durchdigitalisierten Gesellschaft an, liegt zum Glück daneben.

Ganz im Gegenteil. Mit „Unsterblich“ gelingt Regisseur Florian Knittel nach dem Drehbuch von Michael Gantenberg ein vielseitiger sowie wendungsreicher Krimi, der zwar auch in der Welt Empathie befreiter Influencer spielt, dabei aber visuell und erzählerisch trotzdem auf dem Teppich bleibt. So verdächtigen Brasch und ihr angeschlagener Kollege Uwe Lemp (Felix Vörtler) zunächst Aalishas Bruder Mahdi (Mo Issa). Der hat die kessen Auftritte seiner Schwester stets als Schande für die ganze Familie empfunden, die vor dem Krieg in ihrer Heimat nach Deutschland geflüchtet ist. Aber während der Bruder als Hauptverdächtiger in die Mangel genommen wird, kommt Kriminalobermeister Günther Márquez (Pablo Grant) einer Sache auf die Spur, die alles auf den Kopf stellt.

Der Magdeburger „Polizeiruf“ wird immer besser. Konnte schon die letzte Episode „Du gehörst mir“ als mitreißendes Psychodrama überzeugen, dessen Folgen für Kommissar Lemp in einem Nebenhandlungsstrang nun weiter thematisiert werden, brilliert der neue Fall „Unsterblich“ als modernes Gesellschaftsdrama. Es geht um unterschiedliche Lebensentwürfe, Wünsche, Hoffnungen und Ziele, die in der digitalen Welt letztendlich nicht viel anders sind, als sie es schon immer waren. Enttäuschungen, insbesondere im zwischenmenschlichen Bereich, können katastrophale Folgen haben. Am Ende gibt es meistens nur Verlierer, wenn auch nicht auf so drastische Weise wie in diesem folgenschweren Krimidrama.

Überschattet wird dieser „Polizeiruf 110: Unsterblich“ leider von gleich zwei realen Todesfällen unter den Schauspielern. Hendrik Arnst, der hier in der Nebenrolle des Altenheimbewohners Dieter Herzog zu sehen ist, verstarb am 2. Januar 2024 nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 73 Jahren. Und Pablo Grant, der seit 2020 zum festen Team des Magdeburger Polizeirufs gehörte, hat mit seinem viel zu frühen Tod im Alter von nur 26 Jahren nicht nur unter seinen Schauspielkollegen für Bestürzung und Trauer gesorgt. Das Multitalent, das am 6. Februar 2024 an den Folgen einer Thrombose starb, konnte auch als Musiker und Rapper große Erfolge feiern. Vor fast genau einem Jahr erschien unter Grants Künstlernamen Dead Dawg sein letztes Album „Liebe und Schmerz“, das er seinem verstorbenen Vater gewidmet hat.

„Polizeiruf 110: Unsterblich“. Das Erste, Sonntag, 12. Mai, 20.15 Uhr und anschließend in der ARD Mediathek.

Ähnliche Artikel