Neue Regelung  Fahrradfahrer verlieren den Vorrang in Leeraner Brunnenstraße

Jonas Bothe Rieke Heinig
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Von Jonas Bothe und Rieke Heinig
| 10.05.2024 13:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Brunnenstraße in Leer ist eine Fahrradstraße. Für Autos und Motorräder gilt „Anlieger frei“. Foto: Ortgies/Archiv
Die Brunnenstraße in Leer ist eine Fahrradstraße. Für Autos und Motorräder gilt „Anlieger frei“. Foto: Ortgies/Archiv
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Die Brunnenstraße in der Altstadt in Leer ist eine Fahrradstraße – noch. Eine Entscheidung in der Politik sorgt künftig für neue Verkehrsregelungen und perspektivisch mehr Außengastronomie.

Leer - Noch ist sie eine Fahrradstraße, doch das dürfte sich bald ändern: Schon lange sorgt die Verkehrssituation in der Brunnenstraße in Leer für Diskussionen. Unter anderem die Kante zwischen Fahrbahn und Gehweg führte bereits zu Unmut und auch ein Verkehrsversuch sollte im September 2023 zeigen, wie die Straße künftig genutzt werden könnte.

Dabei wurde die Brunnenstraße für drei Wochenenden von 10 bis 19 Uhr in eine reine Fußgängerzone umfunktioniert. Im Anschluss war die Straße täglich zwischen 10 und 19 Uhr für Fahrradfahrer und Autofahrer gesperrt. Im Februar dieses Jahres wurde über die Ergebnisse im Ausschuss diskutiert, eine endgültige Lösung gab es allerdings nicht. Nun war die Straße erneut Thema in der Politik.

Gleiches Recht für alle und Außengastronomie

Der Ausschuss für Energie, Klima, Umwelt und Verkehr hat sich am Mittwoch, 8. Mai 2024, erneut mit der Brunnenstraße befasst und eine erste Empfehlung für das weitere Vorgehen gegeben: Die Strecke solle in einen „verkehrsberuhigten Geschäftsbereich“ mit einer Höchstgeschwindigkeit von 20 Stundenkilometern umgewandelt, die Fahrradstraßen-Regelung aufgehoben werden. „Wir wollen keinem Verkehr den Vorrang geben“, erklärte Christiane Wüsteney-Arbabi von der Stadtverwaltung diesen Schritt. Dadurch sollen gerade den Fußgängern mehr Freiheit gegeben werden, die Straße queren zu können und so „die Straße entlangzubummeln“, so Wüsteney-Arbabi.

Im vergangenen September war die Brunnenstraße in Leer testweise eine Fußgängerzone. Foto: Wolters/Archiv
Im vergangenen September war die Brunnenstraße in Leer testweise eine Fußgängerzone. Foto: Wolters/Archiv

Außerdem solle es den Anliegern möglich sein, für einen Großteil der Parkplätze Sondernutzungsflächen zu beantragen. Diese könnten für die Augengastronomie genutzt werden, „wobei die Verwaltung darauf achtet, dass genügend Stellplätze für den Kfz-Verkehr nutzbar bleiben“, erklärte, Wüsteney-Arbabi.

Poller an der Schmiedestraße sollte Durchfahrtsverkehr verhindern

Diese Vorschläge waren bereits während einer Anliegerversammlung im April vorgestellt worden. Bauliche Veränderungen seien dafür zunächst nicht vorgesehen. „Bei diesem Vorschlag wäre es ohne Umbauaufwand möglich, die Brunnenstraße am Wochenende als Fußgängerzone auszuweisen“, heißt es in der entsprechenden Beschlussvorlage. Beide Vorhaben wurden nicht nur von den Anliegern, sondern nun auch von der Politik befürwortet und mehrheitlich beschlossen.

Eine andere Idee jedoch, die die Beschlussvorlage vorgesehen hatte, sorgte für Uneinigkeit: Während eines dreimonatigen Versuches sollte ein Poller die Durchfahrt für Kraftfahrzeuge in die Schmiedestraße verhindern. Das Ziel: Weniger Durchgangsverkehr in der Brunnenstraße. Um zu beurteilen, wie wirksam diese Maßnahme ist, sollten vor, während und nach Einsetzen des Pollers Zählungen durchgeführt werden. Die Poller-Lösung für die Schmiedestraße als Versuch durchzuführen und mit Verkehrszahlen zu belegen, sei laut Beschlussvorlage von den Anliegern überwiegend positiv bewertet worden. Im Ausschuss dagegen gab es auch kritische Stimmen.

Geteilte Meinungen zur Poller-Lösung

So plädierte unter anderem Sönke Eden (SPD) dafür, die Schmiedestraße offenzuhalten. „Wenn wir die Schmiedestraße sperren, leiten wir den Verkehr durch die Kirchstraße und sorgen für Chaos in Richtung Borromäus-Hospital, Blinke und den Berufsschul-Verkehr“, sagte er stellvertretend für seine Fraktion. Dieser Meinung schloss sich auch die CDU an, denn „die niedrige Geschwindigkeit würde Autofahrer schon davon abhalten, die Strecke nur als unerlaubte Abkürzung in Richtung Rathaus zu nutzen“, sagte Tim Bienert.

Bruno Schachner von der Grünen-Fraktion dagegen warb noch einmal für den Poller, da dieser dafür sorge, dass Autofahrer den Bereich umfahren müssten. „Wir vertun eine Chance, wenn wir das nicht machen. Die Leute werden vielleicht einmal in die Kirchstraße fahren. Aber kein zweites Mal, weil es sehr unangenehm ist“, sagte er – blieb jedoch erfolglos. Die Beschlussfassung ohne Poller-Lösung wurde mit neun zu vier Stimmen angenommen.

Als nächsten Schritt wird der Verwaltungsausschuss am 15. Mai über diese Beschlussfassung abstimmen. Wird sie auch dort angenommen, verlieren die Radfahrer künftig ihren Vorrang in der Brunnenstraße. Die Ladenbesitzer dagegen gewinnen die Möglichkeit, ihre Außengastronomie auszubauen.

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