Großes Spiel für Ostfriesen  Lasse Rosenboom steht mit Kiel vor dem Bundesliga-Aufstieg

| | 10.05.2024 11:47 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Beim 1:0-Sieg in Wehen am Sonntag kam Lasse Rosenboom (links) schon zu seinem neunten Joker-Einsatz. Samstag kann er mit Kiel im Heimspiel gegen Düsseldorf aufsteigen. Foto: Imago
Beim 1:0-Sieg in Wehen am Sonntag kam Lasse Rosenboom (links) schon zu seinem neunten Joker-Einsatz. Samstag kann er mit Kiel im Heimspiel gegen Düsseldorf aufsteigen. Foto: Imago
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Der aus Willmsfeld stammende 22-Jährige spielte vergangene Saison noch in der Regionalliga – nun hat er schon neun Einsätze in der 2. Bundesliga. Wir sprachen mit ihm vor dem großen Spiel am Samstag.

Kiel - Für das größte Spiel der noch jungen Profifußball-Laufbahn von Lasse Rosenboom beendet Vater André die mehrtägige Männertour mit seinem Boßelteam zur Boßel-EM in Neuharlingersiel vorzeitig, um live dabei zu sein. Denn der Filius steht mit Holstein Kiel vor dem ganz großen Wurf. Ein Remis im Zweitliga-Topspiel am Samstagabend gegen Fortuna Düsseldorf (20.30 Uhr/Sport1) reicht und die Kieler sind zum ersten Mal in ihrer Vereinsgeschichte in die 1. Bundesliga aufgestiegen. „Man spürt die Euphorie in der Stadt und bei den Fans. Es ist hier die letzten Wochen viel los“, sagt Lasse Rosenboom, der aus Willmsfeld im Landkreis Wittmund stammt und durch die Familie und Freunde noch mit der Heimat verbunden ist.

Lasse Rosenboom spielt seit Sommer 2023 für Kiel. Foto: Imago
Lasse Rosenboom spielt seit Sommer 2023 für Kiel. Foto: Imago

„Ich hatte einige Kartenanfragen aus meinem Umfeld, vermutlich so viele wie noch nie“, sagt der 22-Jährige. Mama Katrin und Papa André sind natürlich auch dabei, wenn für Kiel Historisches und für den Sohn auch etwas vor einem Jahr noch Unvorstellbares plötzlich wahr werden kann.

Von Werder zu Holstein Kiel

Die lange erfolgreiche und lehrreiche Zeit bei Werder Bremen endete für den Rechtsverteidiger vor einem Jahr nämlich sportlich bescheiden mit dem Regionalliga-Abstieg mit der Werder-Reserve. Er hatte seit der U16 für die Bremer gespielt, nach einem Jahr einen begehrten Internatsplatz im Weserstadion erhalten und sich in die Jugendnationalmannschaft gespielt. Doch die Profitür bei Werder öffnete sich für Rosenboom nur einen Spalt mit einigen Trainingseinheiten und Trainingslagern mit dem Bundesliga-Team. Das „täglich Brot“ war die Regionalliga.

Als Herausforderer und einer von vielen neuen jungen Spielern verpflichtete ihn im Sommer Holstein Kiel, ein gewachsener Zweitligist. Aber auch einer, der immer Umbrüche vollziehen muss. So wie im Sommer. „Die Experten haben uns deshalb auch im unteren Mittelfeld erwartet“, erzählt der Blondschopf. Schon in der Winterpause war klar, dass sie irrten. „Wir haben eine gute Mischung aus ein paar erfahrenen Leuten wie Lewis Holtby und Steven Skrzybski sowie vielen jungen Akteuren. Wir haben auch einen tollen Teamgeist.“

Der lernende Herausforderer

Und sportliche Klasse: Vor dem vorletzten Spieltag führt Kiel mit 64 Punkten die Tabelle an. Es folgen der FC St. Pauli (63) und Fortuna Düsseldorf (59). Die Relegation ist bereits sicher, der direkte Aufstieg sehr nah. „Wir haben es selber in der Hand. Wenn wir aber verlieren, wird es am letzten Spieltag noch mal spannend.“

Das will Kiel vermeiden – und auch Lasse Rosenboom persönlich. Obwohl er von einem Regionalliga-Absteiger kam, wurde er bereits in neun Spielen eingewechselt. In der Hinserie war dies noch weniger der Fall, da sammelte er oft in der Regionalliga-Mannschaft Spielpraxis. Die Rolle des lernenden Herausforderers nahm er gerne an. „Der Wechsel ist für mich voll aufgegangen.“ Die Joker-Einsätze nahmen zuletzt zu, die Minutenzahl wurde länger. Gegen den 1. FC Kaiserslautern war er nach einer Verletzung eines Mitspielers sogar erster Einwechsler nach 30 Minuten. Das Spiel wurde 1:3 verloren, der junge Ostfriese erhielt aber gute Kritiken. Auch Trainer Marcel Rapp ist mit der Entwicklung zufrieden.

Erst Volkspark, dann Eimsbüttel

Rosenboom präsentiert sich auch als Vorzeigeprofi. Als er mit den Kielern am 20. April 1:0 beim Hamburger SV gewann, genoss er auch ohne Einsatzminute den besonderen Sieg im Volkspark und fragte nach der Partie, ob er am nächsten Tag in der Regionalliga-Mannschaft Spielpraxis sammeln könne – in Eimsbüttel. „Ich bin dann nicht mit den Jungs nach Kiel zurückgefahren, sondern habe spontan bei einem Freund in Hamburg geschlafen. So konnte ich mir mit dem Spiel in Eimsbüttel noch ein bisschen Power holen.“

Es folgten in der 2. Liga direkt zwei Joker-Einsätze gegen Kaiserslautern und in Wehen beim jüngsten 1:0-Sieg. Danach drehte sich wieder das Glücksrad in der Kabine. „Das hat unser Trainer eingeführt nach Zu-Null-Siegen. Das sorgt noch mal für extra gute Stimmung“, so Rosenboom. Die Kategorien sind dabei breitgefächert – unter anderem von „extra freier Tag“, „extra Kasten Bier“, „Spieler muss eine Stunde im Fanshop helfen“ bis „Zonk“.

Ob das Glücksrad sich bei einem Kieler Zu-Null-Sieg gegen Düsseldorf am Samstagabend auch drehen würde, ist doch stark zu bezweifeln. Denn dann würde direkt nach dem Abpfiff eine große Aufstiegsparty starten – und ein Ostfriese wäre als Spieler mittendrin.

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