Frankfurt  Fairtrade-Produkte sind weiterhin gefragt – Doch die Inflation hinterlässt Spuren

Mischa Ehrhardt
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Von Mischa Ehrhardt
| 07.05.2024 18:29 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Fairtrade-Produkte sind bei Kunden im vergangenen Jahr beliebter gewesen. Foto: Sina Schuldt/dpa
Fairtrade-Produkte sind bei Kunden im vergangenen Jahr beliebter gewesen. Foto: Sina Schuldt/dpa
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Die Umsätze des Labels für fair gehandelte Produkte sind auch 2023 weiter gestiegen. Der gemeinnützige Verein will mit seinem Label nachhaltige Landwirtschaft in Erzeugerländern fördern. Doch es gibt auch schlechte Nachrichten.

Die Welt teilt sich in blau und grün. Blau sind Anbauländer im Süden, grün die Absatzländer überwiegend im Norden der Weltkugel. Das Schaubild entstammt dem Jahresbericht von Fairtrade. Den hat der deutsche Ableger der Organisation am Dienstag veröffentlicht. Und noch nie haben die Deutschen so viel Geld für fair gehandelte Produkte ausgegeben wie im vergangenen Jahr.

Hierzulande ist das bekannte Siegel mit den Farben blau und grün mittlerweile in jedem Supermarkt zu finden: vom Reformhaus über Ökoläden bis hin zu konventionellen Supermärkten und Discountern. Der Umsatz mit Fairtrade zertifizierten Produkten lag 2023 bei 2,6 Milliarden Euro – ein Zuwachs von stattlichen 8,5 Prozent. Und ein neuer Rekord.

„Konsumentinnen und Konsumenten bleiben auch in Zeiten von Inflation und finanzieller Unsicherheit Fairtrade treu“, resümiert Detlev Grimmelt, der Vorstand für Marketing und Vertrieb von Fairtrade in Deutschland. Mit Fairtrade zertifizierte Produkte sollen etwa Kinder- und Sklavenarbeit ausschließen. Und sie sollen demokratische Entscheidungsstrukturen bei Mitgliedsbetrieben in den Produktionsländern fördern. Dabei handelt die unabhängige Organisation nicht selbst mit Waren, sondern setzt sich für die Förderung fair gehandelter Produkte und Rohstoffe ein.

Das Fairtrade-Siegel findet sich auf Kaffee- und Kakaoverpackungen ebenso wie auf Bananen, Blumen oder Textilien. Diese Produkte zeichnet das Siegel dafür aus, dass bei deren Herstellung bestimmte soziale, ökologische und ökonomische Standards eingehalten wurden. Zudem will der Verein das Bewusstsein für nachhaltigen Konsum stärken. Eine beim Verkauf der Waren enthaltene Prämie soll zudem Projekte fördern, die diese Standards unterstützen. Im vergangenen Jahr lag diese Prämie bei insgesamt 42 Millionen Euro.

Allerdings ist die hohe Inflation im vergangenen Jahr auch an Fairtrade nicht spurlos vorbeigegangen. Zwar sind die Umsätze auf einen neuen Rekord gestiegen; allerdings sind weniger Produkte als im Vorjahr 2022 abgesetzt worden, sprich: Der Umsatzanstieg geht vor allem auf höhere Preise zurück. Ablesen lässt sich das in den meisten Bereichen der fairtrade-zertifizierten Produkte. Bei Kaffee, Kakao, Pflanzen und Bananen liegt der Absatz bei zwischen einem und vier Prozent unter dem Vorjahr.

So führt der gemeinnützige Verein auch das Absatzminus von rund vier Prozent bei Schnittblumen auf Kaufzurückhaltung vor allem mittlerer Einkommensschichten zurück. Offenbar hat diese Käuferschicht beim Kauf von Zierpflanzen gespart. Bei Bananen beträgt das Absatzminus drei Prozent und liegt vor allem an Volumenverlusten im Biobereich. Konventionell produzierte Bananen haben demgegenüber zugelegt.

Insgesamt sind die Absätze von Fairtrade-Produkten im Lebensmittelhandel und bei Discountmärkten zurückgegangen, während sie in Drogeriemärkten und in der Gastronomie zugelegt haben. Auch das ist ein Zeichen dafür, dass dort, wo Menschen im Alltag auf ihre Ausgaben achten müssen, die Absätze leicht rückläufig waren.

Nach Angaben von Fairtrade sind mittlerweile 1,9 Millionen Bauern Teil des Netzwerkes in 75 Anbauländern rund um den Globus. Allerdings gibt es auch Kritik an Labeln wie Fairtrade. So weisen Menschenrechtsaktivisten darauf hin, dass auch die von Fairtrade gezahlten Preise etwa Kaffee- oder Kakaobauern nicht ausreichten. Sie sehen solche Label eher als Feigenblatt, mit dem Unternehmen sich auf Kosten der Produzenten bereichern. Das Ungleichgewicht zwischen westlichen Konzernen und lokalen Kleinproduzenten bliebe auch mit solchen Labeln grundsätzlich bestehen.

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