Berlin  Friedrich Merz als Kanzlerkandidat? CDU sollte Fehler von 2021 nicht wiederholen

Rena Lehmann
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Von Rena Lehmann
| 06.05.2024 16:36 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Friedrich Merz nach seiner Rede beim Parteitag in Berlin: Zehnminütiger Beifall von den 1000 Delegierten. Foto: IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Friedrich Merz nach seiner Rede beim Parteitag in Berlin: Zehnminütiger Beifall von den 1000 Delegierten. Foto: IMAGO/dts Nachrichtenagentur
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Die CDU versammelt sich hinter ihrem Parteichef Friedrich Merz. Wenn er will, ist ihm die Kanzlerkandidatur nicht zu nehmen.

Den Scharfmacher hatte Friedrich Merz in seiner Grundsatzrede beim Parteitag im Sauerland gelassen. Der CDU-Chef schlug leise und nachdenkliche Töne an. Die im Bundestag sonst so scharfen Attacken gegen die Ampel-Regierung sparte er sich. Es war die Rede eines Parteichefs, der diejenigen, die die klare Kante schätzen, ohnehin schon überzeugt hat, die anderen aber noch für sich erwärmen muss.

Dass er Angela Merkel mit keinem Wort erwähnte und seine immerhin anwesende Amtsvorgängerin Annegret Kramp-Karrenbauer nicht begrüßte, waren die unfreundlichsten Details seiner 80-minütigen Ansprache. Friedrich Merz umarmte die Partei, aber es war noch nicht die Rede eines Kanzlerkandidaten. Sollte er selbst Zweifel haben - sie wären berechtigt. 

Während alles auf Merz als Kanzlerkandidat zuzulaufen scheint und es kaum jemand für möglich hält, dass er nach dem hart erkämpften Parteivorsitz darauf verzichten könnte, vollzog sich in den vergangenen Monaten im Hintergrund zwar eine wundersame Wandlung. Merz hat eine erstaunliche Lernkurve hingelegt. Er hat Fehler eingestanden, zugehört und sein Verhalten geändert. Trotzdem aber bleibt er in den Umfragen ein Politiker, dem deutlich zu wenig Menschen vertrauen und dessen unberechenbares Temperament viele als Risiko sehen. Das wird er binnen einem Jahr kaum wettmachen können, wenn überhaupt. Hendrik Wüst und Marcus Söder sind mit großem Abstand viel beliebter als er.  

Merz zum Kanzlerkandidaten zu machen, sollte deshalb kein Automatismus sein. Wenn es das wäre, hätte die CDU aus ihrer Niederlage von 2021 nichts gelernt. Damals glaubte Armin Laschet, der CDU-Parteivorsitz sichere ihm den Einzug ins Kanzleramt, obwohl Söder der Wunsch-Kandidat der Bevölkerung war. Friedrich Merz hat sich große Verdienste um seine Partei erworben. Die Neuausrichtung ist gelungen, die CDU in den Umfragen wieder vorn. Wenn ausgerechnet er es schaffen würde, im Herbst den Kandidaten mit den besten Chancen ins Rennen zu schicken, auch wenn dieser nicht Friedrich Merz heißt - es wäre seine vielleicht größte Leistung. 

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