Berlin  Ein Pflaster fürs Herz: Drei neue Therapieansätze für Herzkrankheiten

Antonia Stief
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Von Antonia Stief
| 01.05.2024 16:28 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Forschende finden nun drei neue Therapieansätze für Herzkrankheiten. Foto: IMAGO/Zoonar
Forschende finden nun drei neue Therapieansätze für Herzkrankheiten. Foto: IMAGO/Zoonar
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Herzerkrankungen sind die häufigste Todesursache in Deutschland. Auch wenn diese Erkrankungen bisher gut behandelt werden konnten, haben Universitäten drei neue Therapieansätze gefunden. Wie funktionieren diese?

9,1 Prozent von den in Deutschland lebenden Menschen, waren im Jahr 2021 mit Herzerkrankungen in Behandlung, so die Deutsche Herzstiftung. Im selben Jahr sind 1.560.441 Fälle wegen Herzkrankheit vollstationär behandelt worden und fast eine Viertelmillion Menschen starben an einer Herzkrankheit. Auch 2022 gehören Herzerkrankungen noch zu den häufigsten Todesursachen, wie die folgende Grafik zeigt.

Die am häufigsten auftretenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die Koronare Herzerkrankung, Bluthochdruck, Herzmuskelentzündungen und Herzrhythmusstörungen, wie der Bundesband für niedergelassene Kardiologen verrät.

Bei der koronaren Herzerkrankung sind die Herzkranzgefäße, die der Durchblutung des Herzmuskels dienen, verengt, was zu einer Durchblutungsstörung führt. Während einer Herzmuskelentzündung sind die Herzmuskelzellen, meist als Folge einer Virusinfektion wie zum Beispiel beim Pfeifferschen Drüsenfieber, entzündet. Bei den Herzrhythmusstörungen kann das Herz, aufgrund einer Störung bei der Impulsentstehung, zu schnell oder zu langsam schlagen.

Herzkrankheiten können sowohl medikamentös als auch operativ behandelt werden. Operiert wird meist jedoch nur dann, wenn die Medikamente wenig bis keine Wirkung zeigen. Acetylsalicylsäure, besser bekannt als Aspirin, ist ein besonders bekannter Wirkstoff. Zur Senkung des Bluthochdrucks können Ärzte auch Betablocker verschreiben.

Bei den Operationen haben Ärzte meist zwei Möglichkeiten – sie setzen eine Gefäßstütze, auch Stent genannt, mit einem Herzkatheter ein oder sie überbrücken Engstellen durch zusätzlich eingesetzte Blutgefäße, auch Bypass genannt. Doch die Forschung arbeitet jährlich an neuen Möglichkeiten, Herzerkrankungen zu heilen oder bei diesen zu helfen.

Das Herzpflaster wurde im Rahmen einer Studie und einer 25-jährigen präklinischen Phase von der Universitätsmedizin Göttingen und dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein entwickelt. Das Herzpflaster besteht aus im Labor gezüchtetem Herzgewebe, das aus embryonalen Stammzellen gewonnen und auf den geschädigten Herzmuskel genäht wird. Nach Angaben der Forscher besteht die maximal verträgliche Dosis des Herzpflasters aus zwei Lagen, die jeweils zehn überlappend angeordnete Herzgewebe mit insgesamt 800 Millionen Herzzellen umfassen.

Das Ziel des Pflasters ist es, echtes Herzmuskelgewebe am menschlichen Herzen zu regenerieren. In den ersten Versuchen an Patienten mit Herzschwäche war dies bereits erfolgreich. Die klinische Studie läuft seit Anfang 2021 mit dem Ziel, eine Zulassung für das Herzpflaster als Medikament zu erhalten.

Im Jahr 2023 führte die American Heart Association (AHA) zu den bedeutenden wissenschaftlichen Fortschritten im Kampf gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen zwei weitere experimentelle Therapiemethoden auf. Diese Therapiemethoden beziehen sich auf zwei Medikamente, die im Grunde genommen die DNA modifizieren, um Bluthochdruck zu verhindern und die Produktion von Cholesterin zu unterdrücken – zwei Risikofaktoren für Herzinfarkte und Schlaganfälle.

Das RNA-Interferenz-Therapeutikum Zilebesiran zielt darauf ab, Bluthochdruck zu behandeln. RNA-Interferenz (RNAi) ist ein molekularbiologischer Ansatz, bei dem die Aktivität eines spezifischen Gens unterdrückt wird, das eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Bluthochdruck spielt. Derzeit wird Zilebesiran in klinischen Studien evaluiert.

Das andere Medikament ist Verve-101, das bei einer Form der Genveränderung namens Base Editing eingesetzt wird. Bei der Base-Editing-Technologie werden einzelne DNA-Basen gezielt verändert, ohne dass ein DNA-Bruch entsteht. Es zielt darauf ab, das Gen für das Protein PCSK9 zu deaktivieren, welches in der Leber aktiv ist und den LDL-Cholesterinspiegel reguliert.

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