Berlin Diese Versicherungen brauchen Sie für Ihren Kleingarten
Der Trend zum Kleingarten ist ungebrochen. Was viele nicht wissen: Laubenpieper sollten ihr Hab und Gut versichern. Das Einbruchrisiko ist erhöht und auch andere Gefahren können ordentlich ins Geld gehen. Welche das sind und wie viel ein guter Schutz kostet.
Er gilt als der Zufluchtsort der Deutschen schlechthin: der Kleingarten. Die Nachfrage nach der eigenen Parzelle ist ungebrochen. Die Corona-Pandemie und horrende Immobilienpreise haben den Trend noch einmal befeuert. Fünf Millionen Deutsche hegen und pflegen aktuell einen Kleingarten, knapp 900.000 Kleingärten sind es laut Bundesverband der Kleingartenvereine Deutschland. Interessenten müssen im Durchschnitt drei Jahre Geduld aufbringen, bis sie eine grüne Parzelle ergattert haben.
Doch so schön das Idyll auch sein mag: Wer es nicht ordentlich versichert, sitzt im Schadenfall schnell auf mehreren Tausend Euro Miesen. Denn Eigentum verpflichtet, auch wenn es auf einem Pachtgrundstück steht.
Neben Sturm-, Hagel- und Feuerschäden seien es vor allem Langfinger, die Laubenpieper um ihre ersehnte Ruhe bringen. „Uns werden fast täglich Einbruchschäden gemeldet“, sagt Kai Rosseborg, Versicherungsmakler aus Bremen und spezialisiert auf den Schutz von Schrebergärten.
Seiner Erfahrung nach glauben viele Kleingärtner irrtümlich, der Laubeninhalt wäre in der herkömmlichen Hausratversicherung mit eingeschlossen. Doch das gelte nur für vorübergehend ausgelagerte Gegenstände. „Im Kleingarten sind die meisten Gegenstände aber dauerhaft vorhanden, deswegen braucht man eine Hausratversicherung speziell für den Kleingarten“, so Rosseberg.
Allerdings gebe es nur eine Handvoll Anbieter für Kleingartenversicherungen am Markt: die DEVK, Dialog, Oberösterreichische Versicherung, Zurich und Feuersozietät bieten einen speziellen Schutz an. Andere Versicherer hätten zwar auch Angebote in petto, aber seien das dann keine Spezialversicherungen, die konkret auf Kleingartenbesitzer zugeschnitten sind.
Am besten sei eine Spezialversicherung, die alle möglichen Gefahren abdeckt. Denn bei einem Einbruch ist im Zweifel nicht nur der Hausrat weg, sondern sind auch oft Türen, Schlösser oder Fenster beschädigt, die durch eine Gebäudepolice abdeckt wären. Rosseborg rät zu einer speziellen Kleingartenpolice, die eine Gebäude-, Hausrat- und Glasversicherung umfasst. „Wichtig ist, dass auch Sturmschäden abgesichert sind“, so der Experte. Denn kippt ein Baum auf die Laube, können die Kosten immens sein.
Was vielen nicht klar ist: Brennt ein Gartenhaus, ob durch einen Kabelbrand oder durch mutwillige Brandstiftung, komplett ab, müssen Kleingärtner ohne entsprechenden Schutz, sowohl die Aufräumarbeiten als auch die Entsorgung berappen. „Das ist ein großes Thema in den Kleingartenvereinen. Bis zu mehreren tausend Euro Entsorgungskosten können anfallen“, so Rosseborg.
Weil der Klimawandel auch vor Kleingärten keinen Halt macht, gibt es mittlerweile sogar einen Versicherer, der Schrebergärten gegen Elementarschäden, also Überschwemmung, schützt. Nämlich die oberösterreichische Versicherung. „Der Schutz ist aber limitiert, die maximale Versicherungssumme liegt bei 20.000 Euro für Elementarschäden an dem Gebäude und 12.000 Euro für die Einrichtung.“
Apropos Klimawandel: So manch ein Laubenpieper möchte sich vielleicht eine Solaranlage auf das Laubendach stellen – natürlich nach vorheriger Genehmigung des Gartenvereins, denn die Anlage wird als bauliche Veränderung gewertet.
Der Schutz für eine Photovoltaikanlage werde mittlerweile von jedem zehnten Kunden gewünscht, so Rosseborg. „Das ist im Schadenfall wieder eine Menge Geld, die Anlage kostet ja zwischen 2.000 bis 3.000 Euro.“ Die Police kann zur bestehenden Kleingartenversicherung hinzugekauft werden. Der zusätzliche Versicherungsbeitrag, in dem Gefahren wie Feuer, Sturm und Einbruch/Diebstahl abgesichert sind, ist mit zehn bis 20 Euro pro Jahr noch recht übersichtlich.
Neben Möbeln in der Laube haben viele Gartenbesitzer auch Gartenmöbel im Freien stehen – und wollen diese versichern lassen. Aber der Versicherungsexperte sieht dafür keinen Grund: „Sie werden selten gestohlen, ich hatte in zehn Jahren nicht einen Fall. Es ist eher ein Risiko aus Sicht des Kunden als ein realistisches.“
Der Mindestbeitrag für eine Kleingartenversicherung liege bei rund 35 Euro pro Jahr. Dabei betrage die Versicherungssumme für die Laube 5.000 Euro, die Einrichtung wäre mit 2000 Euro versichert. Auch Aufräumungs- und Abbruchkosten seien immerhin mit 250 Euro versichert. Kommt es zu Gebäudeschäden durch einen Einbruch, wären diese mit 400 Euro abgedeckt. Mit dem Schutz sind laut dem Versicherungsmakler allerdings keine Sturmschäden abgedeckt. „Dafür kämen jährlich zum Grundschutz 20 Euro zum Versicherungsbeitrag dazu.“
Ein Rundum-Sorglos-Paket sei für 127 Euro im Jahr zu haben. Mit dem höheren Versicherungsbeitrag steigen auch die Versicherungssummen: Mit 20.000 Euro wäre die Laube versichert und mit 6.000 Euro die Einrichtung. Zudem seien alle Gefahren abgedeckt, also Feuer, Sturm, Leitungswasser und auch Elementarschäden wie Überschwemmungen. „Aber begrenzt auf 4.000 Euro im Standardprodukt. Das lässt sich zwar erhöhen, aber es ist die Frage, was man wirklich braucht.“
Der höchste Versicherungsbeitrag für einen Premiumschutz liege bei jährlich 300 Euro. Die Versicherungssumme bewege sich dann aber auch bei 40.000 Euro für die Laube, 20.000 Euro für die Einrichtung, und 20.000 Euro für Elementarschäden am Gebäude. Sogar eine Solaranlage ist mit 8.000 Euro und Fahrräder sowie E-Bikes mit 2.000 Euro versichert.
„Der durchschnittliche Beitrag unserer Kunden im Bestand liegt bei rund 75 Euro pro Vertrag“, sagt Rosseborg. „Viele Kunden wählen eher einen kleinen Versicherungsschutz, weil der Vereinsvorsitzende sagt, dass sie eine Versicherung benötigen. Das hören wir immer öfter.“
Viele Kolonien bieten auch Gruppenverträge an, dadurch ist die finanzielle Absicherung der Gartenlaube samt Inhalt zu einem günstigen Beitrag zu haben, erklärt die Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern.
Rosseborg beobachtet, dass Kleingartenbesitzer mitunter davon ausgehen, sie müssten den Wert der übernommenen Laube versichern. Also die Ablösesumme, die sie bei der Übernahme eines Gartens gezahlt haben. „Aber versichert wird der Wiederaufbauwert nach einem Totalschaden.“ Muss eine Laube neu gebaut werden, sei das durch die heutigen Lohn- und Materialkosten mittlerweile wesentlich kostspieliger. „Das bewegt sich bei 10.000 bis 20.000 Euro. Und das ist die eigentliche Versicherungssumme, die man braucht.“
Auch die Verbraucherschützer raten Kleingärtnern, darauf zu achten, dass sie den tatsächlichen Wert der Gartenlaube in den Schutz einbeziehen: „Um gut und ausreichend versichert zu sein, ist für die Gebäudeversicherung der korrekte Versicherungswert („Neuwert“) der Gartenlaube ausschlaggebend. Dieser „Neuwert“ umfasst die Errichtungskosten des Gebäudes. Hierzu gehören neben dem Materialwert auch Konstruktions- und Planungskosten.“
Laut Versicherungsexperte Rosseborg passt die versicherte Summe häufig nicht zum Kleingarten, Kunden schätzen sie also oft zu gering ein. „Es hilft nicht, wenn man alle Gefahren versichert, aber nicht die entsprechende Versicherungssumme gewählt hat. Und genauso hilft es nicht, einfach nur eine hohe Versicherungssumme zu haben, wenn man die Gefahren nicht eingeschossen hat.“