Technik soll Leben retten  Warum KI das Schwimmen in Friesoythe sicherer macht

Heiner Stix
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Von Heiner Stix
| 27.04.2024 11:59 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Lebensretter: Gemeinsam mit einer Mitarbeiterin demonstriert Bädermanager Timo Ukena die Funktionsweise des neuen KI-Systems, das im Aquaferrum zur Unterstützung des Aufsichtspersonals eingesetzt wird. Foto: Stix
Lebensretter: Gemeinsam mit einer Mitarbeiterin demonstriert Bädermanager Timo Ukena die Funktionsweise des neuen KI-Systems, das im Aquaferrum zur Unterstützung des Aufsichtspersonals eingesetzt wird. Foto: Stix
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Premiere im Oldenburger Münsterland: Seit rund einer Woche unterstützen Kameras, Smartwatches und eine KI das Aufsichtspersonal im Aquaferrum.

Friesoythe - Man muss schon wissen, wonach man sucht, um die neuen Kameras im Friesoyther Schwimmbad Aquaferrum zu entdecken. In etwa 6 Metern Höhe hängen sie an den Längsseiten des Schwimmbeckens an den Wänden, fünf halbrunde Glaskugeln, die nur eine Aufgabe haben: die Sicherheit im Bad zu erhöhen und das Aufsichtspersonal mithilfe einer dazugehörenden Künstlichen Intelligenz (KI) zu unterstützen.

Zwei Besonderheiten weist das System auf: Zum einen sind die Kameras nicht besonders hochauflösend, Menschen können auf den Bildern aus datenschutzrechtlichen Gründen grundsätzlich nicht identifiziert werden – zumal niemand die Originalbilder zu sehen bekommt. Denn, und das ist die zweite Besonderheit, auf den Smartwatches des Aufsichtspersonals erscheinen nur gelbe oder rote Punkte, die lediglich zwei Informationen transportieren. „Rot heißt Alarm“, sagt Bädermanager Timo Ukena, „Gelb heißt „geh mal schauen“.“

Kameras überwachen Schwimmbecken

Die Kameras erfassen von den sich im Becken bewegenden Menschen lediglich die Umrisse und leiten diese dann als Vektordaten an das System weiter. Aus den Bewegungsmustern kann die KI, eine aus Israel stammende Sicherheitssoftware namens „Lynxight“, dann ableiten, ob eine Gefahrensituation vorliegt oder nicht. „Wenn jemand ungewöhnliche Bewegungsmuster zeigt oder wenn plötzlich sehr viele Menschen an einem Punkt sind, dann signalisiert das System, dass man da mal nachschauen sollte“, erläutert Ukena. „Und wenn ein Badegast sich 30 Sekunden lang nicht rührt, also beispielsweise reglos auf dem Beckenboden liegt, schlägt das System Alarm.“

Mit genauer Ortsangabe zeigt die Uhr in solchen Fällen an, wo das Aufsichtspersonal eingreifen muss. Ob das auch wirklich funktioniert, haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bades ausgiebig getestet. „Jeder von uns lag mehrfach mit einem 5-Kilo-Ring in jedem Winkel auf dem Beckenboden“, erzählt er. Nur so habe man sicherstellen können, dass die Kameras auch die gesamten 375 Quadratmeter des Beckens erfassen.

Im Nordwesten nur in Emden und Friesoythe

Das System ist in Deutschland noch relativ neu und wird derzeit lediglich in rund 50 Bädern eingesetzt. „Im Nordwesten sind das nur die Bäder in Emden und in Friesoythe“, betont Ukena. Einmalig 60.000 Euro haben die Wirtschaftsbetriebe der Stadt Friesoythe GmbH (Wibef) dafür ausgegeben – vier Smartwatches und neun Kameras inklusive. „Fünf für das große Becken, zwei für das Außenbecken und weitere zwei für das neue Bewegungsbecken, das allerdings erst noch gebaut werden muss“, erläutert der Bädermanager.

Den Menschen am Beckenrand können die Kameras und die KI natürlich nicht ersetzen, einen Vorteil allerdings haben sie: Das System ist nie durch Badegäste und ihre Fragen abgelenkt und hat seine Augen jederzeit überall. Außerdem ist es wie auch die menschlichen Aufsichtspersonen ständig im Training. „Das System fragt nach jeder Meldung, ob sie hilfreich war“, erläutert Ukena. „Mit den Rückmeldungen aus allen beteiligten Bädern wird die KI immer weiter verbessert.“

Kameras und KI dienen nur der Unterstützung

Als Ersatz für das Personal sei das System trotzdem auch langfristig nicht gedacht, betonen Ukena und die Wibef-Geschäftsführerin, Friesoythes Erste Stadträtin Heidrun Hamjediers, unisono. Auch künftig werden im Idealfall drei Menschen Aufsicht halten, Kameras und KI dienen nur der Unterstützung. „Das ist vor allem bei Hochbetrieb ein Backup für uns“, sagt Ukena, „denn ein Badbetreiber muss bei Badeunfällen immer beweisen, dass man alles unternommen hat, um den Ernstfall zu verhindern.“

In Friesoythe selbst, sagt Ukena, habe es bislang noch keinen tragischen Unfall gegeben. „Das soll auch so bleiben“, betont er. „Und die Kameras und die KI helfen uns dabei.“

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