Protest-Aktion mit Kinderschuhen Zu wenige Kindergarten-Plätze – Eltern in Barßel sind in Sorge
Laut den neuesten Zahlen fehlen in der Gemeinde Barßel 50 Kindergarten- und 40 Krippenplätze. Das ist aber nicht der einzige Grund für den Unmut der Eltern.
Barßel - Da staunten die Mitglieder des Ausschusses für Jugend, Familie, Senioren und Soziales der Gemeinde Barßel nicht schlecht, als sie das Pfarrheim Barßel zu ihrer Sitzung betraten. Dutzende von Kinderschuhen hatten die Elternvertreter der Kindergärten der Gemeinde Barßel auf dem Fußboden platziert. Auf den Tischen lagen Zettel mit der Aufschrift „belegt“. Damit wollten die Elternvertreter der Kindergärten symbolisch nicht nur auf die fehlenden Kindergarten- und Krippenplätze in den Einrichtungen aufmerksam machen, sondern auch auf hohen Schließungs- und Ausfallzeiten. Stand Februar fehlten 50 Kindergarten- und 40 Krippenplätze. Zudem hagelte es für die Eltern Absagen.
Mit einer Powerpoint-Präsentation in einer Sitzungsunterbrechung stellten die besorgten Eltern ihre Sichtweise der Dinge noch einmal vor. „Auch für uns ist das keine erfreuliche Erkenntnis. Wir haben deutliche Überhänge an Anmeldungen. Eine schnelle Lösung gibt es nicht. Zwar wird in Barßelermoor in den nächsten Jahren eine ,Kita für alle‘ gebaut. Doch das hilft uns jetzt nicht weiter“, erklärte Barßels Erster Gemeinderat Michael Sope. Dass es zum neuen Kindergartenjahr einen Platzmangel geben werde, sei nichts Neues, denn bundesweit fehlten Plätze.
„Wir machen uns schon Gedanken, wie wir schnell Abhilfe schaffen können“, so Sope. Die Kritik von Sope richtete sich am Kindergartenbedarfsplan des Landkreises Cloppenburg. Der attestiert der Gemeinde einen hohen Versorgungsgrad. „Der rechnet mit einem Versorgungsgrad von drei Jahrgängen. Es müssten aber realistisch 3,5 Jahrgänge herangezogen werden“, sagte Sope.
„Land zieht sich aus Verantwortung heraus“
„Das Land will nicht bezahlen und lässt uns am Hungerhaken hängen und zieht sich aus der Verantwortung heraus. Wir müssen die Kröte schlucken. Wir sind jetzt aber an unseren Grenzen, was Bauten, Gruppen und Personal betrifft“, wurde Bürgermeister Nils Anhuth deutlich. „Wir suchen in alle Richtungen, um Räumlichkeiten zu finden und sind auch dauernd in Gespräch mit den Leiterinnen. Doch alles ist nicht so einfach. Die rechtlichen Hürden für Übergangslösungen sind nach dem Niedersächsischen Kindertagesstättengesetz sehr hoch und so gut wie nicht zu erfüllen. Das wissen ‚Außenstehende gar nicht‘“, so Barßels Bürgermeister.
Ein gebe aber einen Lichtblick am Horizont. In den Räumlichkeiten der Baptistengemeinde Elisabethfehn könnte eine Kindergartengruppe eingerichtet werden. Hier sei man in guten Gesprächen mit der Kirche. Zudem sei man im Austausch mit dem Träger „Ein Weidenkörchen für Kinder“ aus Oldenburg. „Hier ist geplant, ein Gebäude in Harkebrügge für eine zweite Kindertagesstätte zu nutzen“, so Anhuth. Man verschließe sich keiner neuen Idee der Eltern. Aber nicht nur die Räumlichkeiten seien das Problem. Vielmehr fehle es an Erziehern und Erzieherinnen.
„Müssen in Hannover auf den Putz hauen“
In diese Kerbe schlug auch Pastor Thomas Perzul von der Evangelischen Kirche. „Räume zur Verfügung stellen hilft nicht, besonders den Kindern nicht. Es fehlt die qualifizierte Betreuung. Hier kann man der Gemeinde keinen Vorwurf machen. Das Land ist hier gefordert, und daher rief er die Eltern auf, sich einmal auf den Weg nach Hannover zu machen, um zu protestieren. „Die hohen gesetzlichen Hürden binden uns die Hände. Wir müssen in Hannover auf den Putz hauen“, so Ratsherr Hans Geesen (CDU). „Die Räume der Baptisten zu nutzen ist eine gute Idee. Dafür sollten wir Geld zur Verfügung stellen“, so Ratsherr Hans Eveslage (CDU). Doch das sei nur eine Notlösung. Auch Eveslage kritisierte den Bedarfsplan des Landkreises. „Der passt nicht auf unsere Gemeinde bezogen“. Bei der Einrichtung einer zweiten Kindertagestätte in Harkebrügge sollte man die Planungen großzügig gestalten und sich Optionen für eine Erweiterung offen halten“ so Eveslage.
Die Sprecherin der Elternräte, Cornelia Giegel, machte deutlich, dass sich die Eltern sorgen machen um eine Kindergarten- oder Krippenplatz. „Es geht um das Wohl unserer Kinder.“ Und hier wolle man gemeinsam mit der Gemeinde Barßel Lösungen erarbeiten und aufzeichnen.