Osnabrück Doppelhaushälfte: Ein Streifzug durch die Welt der paradoxen Wörter
Bizarr, widersinnig oder einfach nur lustig? Paradoxe Wörter gehören zum Alltag und machen zugleich nachdenklich. Was sagen uns Wörter wie Trauerfeier oder Wahlpflichtfach über die deutsche Sprache?
Mir wird ganz bittersüß zumute, wenn ich ein Wort wie Doppelhaushälfte lese oder von einem Wahlpflichtfach reden höre. Ja, was denn nun? Wie kann ich frei wählen, wenn ich doch in der Pflicht stehe? Und warum muss ich ein Haus erst verdoppeln, um dann davon die Hälfte zu beziehen – also doch wieder nur ein Haus?
Im Deutschen wimmelt es von solchen Wörtern, die einander widersprechende Wörter zu einer neuen Einheit verschweißen. Wer eines gefunden hat, entdeckt immer mehr. Steckt ein vertracktes System dahinter?
Sicher, auch paradoxe Wörter lassen sich erklären. Bei einer Doppelhaushälfte kleben zwei Häuser aneinander. Und das Wahlpflichtfach lässt eine Wahl, allerdings nur in einem zuvor abgesteckten Bereich. Logisch, oder? Trotzdem machen mich solche Wörter immer wieder ratlos, weil sie ein verschachteltes Denken verraten. Paradoxe Wörter finde ich mal zum Lachen, mal zum Totärgern. Eine Hassliebe eben.
Warum begehen wir eine Trauerfeier, wenn ihr Anlass doch alles andere als fröhlich ist? Was soll der Handschuh, der doch nicht für den Fuß gedacht ist? Und ist ein Brennholzverleih nicht vollkommen absurd, da Brennholz doch niemals zurückgegeben werden kann – es sei denn als Asche?
Nein, ich möchte von solchen Wörtern nicht auf einen vorgeblichen Kollektivcharakter der Deutschen zurückschließen, nicht über jene Kompliziertheit grübeln, die angeblich so typisch deutsch sein soll. Nachdenklich machen sie mich aber schon, die paradoxen Wörter.
Zumindest eine Eigenheit der deutschen Sprache erleichtert paradoxen Wörtern das Leben. Sie erlaubt es, Substantive unmittelbar zu neuen Wörtern zusammenzufügen. Nicht immer gehen die dabei eine harmonische Verbindung ein.
Wer sich den Gefrierbrand genauer anschaut, runzelt schon die Stirn über der Vorstellung, dass es brennen soll, wo alles gefroren ist. Und was soll der Busbahnhof? Bus oder Bahn: Konnte sich da jemand nicht entscheiden? Ich frage mich auch, was ich mit einem offenen Geheimnis anfangen soll. Ein Geheimnis, von dem alle wissen, ist doch keines mehr.
Sicher, wer immer nur auf strikter Logik besteht, entwickelt keinen Sinn für schöne, weil beziehungsreiche Wortschöpfungen. Doppelsinn gehört zur Sprache. Auf die Vorstellung, es könne einen Himmel auf Erden geben, möchte ich einfach nicht verzichten. Bei der Frauenmannschaft ist das anders. Dieses Wort verrät einiges von jenem Misstrauen, das Frauen entgegengebracht wird, die sich in vermeintlichen Männersportarten etablieren.
Ich kann dagegen über eingefleischte Vegetarier lachen oder mir vorstellen, wie wohl Schwarzlicht leuchtet. Und sogar für die Originalkopie habe ich noch Verständnis, auch wenn ich gleich fragen möchte: Original oder Kopie? Beides zusammen geht doch nicht. Vielleicht bildet Sprache in solchen Wörtern auch nur jene Gegenläufigkeit ab, die zum Leben gehören.
Bevor ich mit stummem Schrei zurück in die Zukunft reise, sage ich mir: Wart amol gschwind. Und überlege, dass so eine paradoxe Redewendung Stoff für einen neuen „Wortklauber“ wäre.