Osnabrück  Wie die Finanzaufsicht Senioren vor Internet-Abzocke schützen will

Hannah Petersohn
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Von Hannah Petersohn
| 23.04.2024 12:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Kriminelle nutzen immer öfter aus, dass ältere Menschen meist über wenig Finanzwissen verfügen. Die Finanzaufsicht Bafin will das nun ändern. Foto: IMAGO/Westend61
Kriminelle nutzen immer öfter aus, dass ältere Menschen meist über wenig Finanzwissen verfügen. Die Finanzaufsicht Bafin will das nun ändern. Foto: IMAGO/Westend61
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Für Betrüger sind Senioren ideale Opfer, um an Geld zu kommen. Eine Initiative will nun ältere Menschen vor Online-Abzocke schützen – und ihre Finanzkompetenz fördern. Denn nicht nur kriminelle Machenschaften können die Rente schmälern.

Senioren geraten immer öfter ins Visier von Kriminellen – und büßen teils beträchtliche Teile ihrer oftmals eher schmalen Rente ein. Erst vor wenigen Wochen verloren mehrere Rentner aus dem Kreis Dithmarschen tausende Euro, weil sie auf eine angeblich seriöse Geldanlage im Internet hereingefallen waren.

Aktuell warnt sogar die Deutsche Rentenversicherung (DRV) vor dubiosen SMS und E-Mails, die so gemacht sind, als habe sie die DRV selbst verschickt: Darin werden die Empfänger aufgefordert, Geld auf ein fremdes Konto zu überweisen, andernfalls würden Rentenkürzungen drohen. „Es sind die älteren Menschen unserer Gesellschaft, die (...) zur Zielscheibe geworden sind, in der Regel sind die Geschädigten über 60 Jahre alt“, warnt das Landeskriminalamt Niedersachsen. 

Auch, wenn sich Senioren schutzlos fühlen mögen: Sie können etwas tun, um sich besser abzusichern. So rät die Finanzaufsicht Bafin, regelmäßig die Kontoumsätze zu überprüfen, auf starke Passwörter zu setzen und sichere Internetseiten, die durch das vorangestellte „https“ zu erkennen seien, zu nutzen.

Zudem klärt die Behörde über die bekannte Betrugsmasche Phishing auf, bei der Betrüger persönliche Daten wie Passwörter „fischen“, um beispielsweise auf das Online-Banking der Opfer zugreifen zu können. „Betrügerinnen und Betrüger geben sich dafür häufig als Bank aus. Sie schicken E-Mails, SMS oder melden sich telefonisch und fordern zum sofortigen Handeln auf. Klicken Sie auf keine Links in E-Mails und geben Sie keine Bankdaten, TAN-Nummern oder Login-Daten weiter“, rät die Behörde. 

Doch selbst wenn Senioren nicht Opfer krimineller Machenschaften werden, sollten sie ihre Finanzkompetenzen stärken. Denn die meisten Banken schließen immer mehr Filialen, gerade im ländlichen Raum. Weniger mobile, ältere Menschen stellt das vor die Herausforderung, ihre Bankgeschäfte online erledigen zu müssen. Dadurch sparen sie zwar Anfahrtswege und sind nicht mehr von Öffnungszeiten abhängig. „Aber viele von ihnen schrecken vor Anwendungen zurück, die ihnen zu kompliziert erscheinen“, beobachtet die Bafin.

Zumal ältere Menschen nicht nur durch Gaunereien einen Teil ihrer Rente einbüßen. Auch die Gebühren für Geldgeschäfte sind in einer Filiale meistens höher als bei sogenannten Direktbanken. Diese reinen Online-Banken bieten Girokonten oft günstiger an.

„Bei digitalen Finanzgeschäften betreten Seniorinnen und Senioren oft Neuland. Ängste halten einige davon ab, dieses Neuland zu betreten, sie nehmen dann zum Beispiel teurere Kontoführungsgebühren in Kauf“, sagt Barbara Keck, Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisation (Bagso) unserer Redaktion. Die Bagso vertritt die Interessen der älteren Generationen in Deutschland, ihr zufolge gibt es einen großen Bedarf an verständlichen Informationen und den Wunsch nach einem Austausch zu Finanz-Themen.

Deswegen wollen Bafin und Bagso nun gemeinsam ältere Menschen zu Finanzthemen informieren, damit Senioren lernen, besser mit ihren finanziellen Angelegenheiten umzugehen. „Ziel ist es, digitale Barrieren zu überwinden“, so die Bafin. Die Finanzaufsicht klärt kostenlos auf ihrer Website über Online-Banking auf, gibt Hinweise zu Finanz-Apps und digitalen Geldbörsen. Auch das Thema Bezahlen im Internet greift die Behörde auf und erklärt beispielsweise die sogenannte Zwei-Faktor-Identifizierung. Aber: „Kein digitales Verfahren ist hundertprozentig sicher“, räumt die Bafin ein. 

„Ältere Menschen stehen oft vor neuen finanziellen Herausforderungen. Die Spannbreite der Themen reicht von ‚wo kann ich einsparen‘ über ‚sichere Geldanlagen‘ bis hin zu ‚Immobilienverkauf‘“, weiß Bagso-Geschäftsführerin Keck. Mit der Initiative will sie dafür sorgen, dass sich ältere Menschen sicher in der digitalen Welt bewegen, gute Angebote für Geldanlagen erkennen und nicht auf unseriöse Offerten hereinfallen.

Bafin und Bagso bieten zudem digitale Stammtische an. Während der Webinare, eine Art online geführter Austausch, können Teilnehmer den Finanzexperten konkrete Fragen zu individuellen Finanzthemen stellen. Laut Keck war der erste digitale Austausch gut besucht.

Die Informationen und Tipps veröffentlicht die Bafin online, aber sie können auch gedruckt bestellt werden. „Immer noch sind rund sieben Millionen ältere Menschen nicht digital unterwegs und viele schätzen bei so wichtigen Themen die gedruckte Version“, berichtet Keck. Ging es in der ersten Ausgabe um digitale Finanzangebote und was es dabei zu beachten gilt, soll sich in der kommenden zweite Ausgabe alles um das Thema „Betrugsmaschen erkennen“ drehen.

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