Ein Ex-Polizist hilft mit Wer in Barßel keine Hundesteuer zahlt, dem droht jetzt Ärger
Nach zehn Jahren will die Gemeinde ihre Statistik auf Vordermann bringen und ein Stück Gerechtigkeit herstellen. Denn nicht alle Hundehalter haben ihren Vierbeiner angemeldet. So läuft die Zählung ab.
Barßel - Rund 65.000 Euro nimmt die Gemeinde Barßel jährlich an Hundesteuer ein. Dabei sind längst nicht alle Hunde gemeldet. Es gibt eine gewisse Dunkelziffer. Jetzt soll Schluss sein mit dem Steuerbetrug. Ab sofort müssen Hundebesitzer jeden Tag damit rechnen, dass ein Kontrolleur an der Haustür klingelt. Ein Hundezähler.
Das ist kein geringer als der ehemalige Polizeioberkommissar des Polizeikommissariats Barßel Karl Deters. „Wir konnten den ehemaligen Polizeibeamten erneut für diese Aufgabe gewinnen. Die letzte Hundezählung war vor zehn Jahren. Schon damals ist Karl Deters auf Hundesuche gegangen“, sagt Barßels Bürgermeister Nils Anhuth. Im Gemeindegebiet gibt es 1363 Hunde. Oder? Eigentlich weiß es die Kommune nämlich nicht genau.
Mindestens 40 Euro Hundesteuer im Jahr
Die Dunkelziffer dürfte höher sein – schließlich kostet jeder Hund mindestens 40 Euro Hundesteuer im Jahr. Bei einem zweiten Hund werden 90 Euro und bei jedem weiteren Hund 120 Euro fällig. Für jeden gefährlichen Hund kassiert die Gemeinde sogar 400 Euro. „Für „Gefährliche Hunde“ gibt es verschiedene Kriterien. Es geht nicht nur um bestimmte Rassen“, erklärte Ronny Häntschel von der Gemeindekasse, der eng bei der Hundezählung mit Karl Deters zusammenarbeitet. Klar, dass sich viele Hundebesitzer diese Kosten sparen wollen.
Hunde aus Tierheimen sind zwei Jahre steuerfrei. Ebenso beispielsweise Rettungs- oder Blindenbegleithunde“, so Häntschel.
Die Gemeinde setzt nun zur Hundezählung an. „Bei der Zählung haben wir uns kein Zeitfenster gesetzt. Aber nach einem halben Jahr sollte die Zählung durch sein“, so Barßels Bürgermeister. „Wir sind keine Ermittlungsbehörde. Daher wird es auch keine Strafen geben, wenn der Hund nicht angemeldet ist. Lediglich eine Nachzahlung könnte erfolgen“, so Anhuth.
„Ich werde nicht an jeder Haustür klingeln, um jeden einzelnen Haushalt zu kontrollieren. Aber wenn ich auf meinen Fahrradtouren einen Hund sehe oder höre, werde ich natürlich bei den Besitzern nachfragen. Dann gleiche ich die in meinem Handy gespeicherten Daten ab und halte Rücksprache mit der Gemeindekasse“, sagt Deters. Schlechte Erfahrungen habe er bei der Hundezählung 2014 nicht gemacht. Auch sei er von keinem Hund gebissen worden oder von Hundebesitzern angemacht worden, erklärte der 74-jährige Pensionär. Zugute kommt ihm bei der Hundezählung sein ehemaliger Job bei der Polizei. „So kennt man natürlich Land und Leute und natürlich auch seine „Pappenheimer“. Es gehe nicht darum, mehr Hundesteuern in die Gemeindekasse zu bekommen, sondern vielmehr um die Steuergerechtigkeit, so Barßels Kassenleiter.
An- und Abmeldung online möglich
Im Rahmen der Hundezählung werde auch geprüft, ob die Hundehalter die Vorschriften des Niedersächsischen Hundegesetzes einhalten. Beispiel Sachkundenachweis oder Kennzeichnungspflicht. Auch gibt es keine Erwartungen oder Zielvereinbarungen. Die Gemeinde muss sich eben überraschen lassen, wie viele Neuanmeldungen die Zählung am Ende bringt. „Wir hoffen natürlich, dass sich die Bürger noch an die letzte Zählung erinnern und ihre Hunde ohnehin angemeldet haben“, meint Häntschel. Für die An- und Abmeldung braucht man auch nicht ins Rathaus kommen. Das kann auch online erledigt werden. Die Vordrucke gibt es auf der Homepage der Kommune (www.barssel.de/hundesteuer).
Und wenn die Bewohner den Kontrolleur nicht in die Wohnung lassen? „Wenn jemand betrügen will, schafft er das vermutlich auch“, fürchtet der Bürgermeister. Aber der Hund werde beim unerwarteten Klingeln wohl seine Nase um die Ecke halten. Hundezähler Karl Deters jedenfalls freut sich auf seinen neuen Job. „Viele Haushalte und Menschen kenne ich ja noch von meiner beruflichen Tätigkeit als Polizist. Das macht es mir etwas leichter“, sagt Deters, der sich in den nächsten Tagen auf die Suche nach versteckten Hunden machen wird.