Osnabrück Zauberformel für eine gute Rente: Wie viel Geld jeder sparen muss - schaffen Sie das?
Jetzt schon für die Rente vorsorgen ist wichtig – doch wie viel muss man sparen? Finanzexperten Saidi Sulilatu von Finanztip und Rentenberater Peter Knöppel verraten, wie viel jeden Monat zurückgelegt werden sollte. Schaffen Sie das?
Dass die gesetzliche Rente alleine nicht ausreichen wird, um den Lebensstandard halten zu können – da sind sich Experten einig. „Die Politik macht es sich zu einfach“, findet Rentenberater Peter Knöppel. Fast 18 Millionen Menschen seien, direkt oder indirekt, von Altersarmut betroffen.
Die Frage ist: Was muss ich schon jetzt machen, damit ich trotzdem eine gute Rente haben werde? Dieser Frage ist Moderator Michael Clasen im Live-Talk „Rente und Altersvorsorge: Wie der Altersarmut entkommen?“ nachgegangen.
Saidi Sulilatu, Chefredakteur von Finanztip, mahnt eindringlich: Eine private Altersvorsorge zusätzlich zur gesetzlichen Rentenversicherung sei wichtig, um eine Rente zu bekommen, bei der nicht zu große Abstriche zum gewohnten Lebensstil gemacht werden müssen. „Je früher desto besser“ lautet da die Devise. Das Problem daran: Der jungen Generation fehlt oft das nötige Wissen über Finanzen. Hannah Petersohn, Finanzexpertin unseres Medienhauses, und Sulilatu fordern deshalb, dass bereits in der Schule Finanzkompetenzen vermittelt werden sollen. Denn nur damit könne eine gute Altersvorsorge funktionieren.
Das waren die Gäste des Expertentalks „Rente und Altersvorsorge: Wie der Altersarmut entkommen?“ am 18. April:
Die persönliche Renteninformation, die jeder ab dem 27. Geburtstag bekommt, gibt Auskunft über die bisher erworbenen Rentenansprüche. Beim Berechnen der voraussichtlichen Höhe der Rente muss einiges beachtet werden: Vor allem die Inflation. Bei einer durchschnittlichen Teuerungsrate von zwei Prozent pro Jahr sinkt die Kaufkraft der später zu erwartenden Rente erheblich. Sulilatu gibt zu Bedenken, dass dies den Wert der Rente in den kommenden Jahren – also die Jahre bis zur Rente – sinken lassen werden. „Es werden rund 1000 Euro im Monat fehlen“, so der Finanztip-Chefredakteur.
Vom ersten richtigen Gehalt sollte man jeden Monat mindestens zehn Prozent für die Rente zurücklegen – und natürlich bei jeder Gehaltserhöhung anpassen, erklärt Petersohn. Bei Selbstständigen sollten es 15 Prozent vom Nettoeinkommen sein. Das ist die Faustformel. In Zahlen könnte das wie folgt aussehen: Bei einem Nettogehalt von 2000 Euro sollten rund 300 Euro pro Monat für die Altersvorsorge weggelegt werden, meinen die Experten. „Das ist eine Menge und für viele nicht zu machen, aber das ist die harte Realität“, kommentiert Salilatu.
Der beste Weg, sein Geld für die Rente zu sparen, sei durch die Investition in Aktien, da sind sich die Experten einig. „Nur dort können Renditen erzielt werden, die langfristig hoch bleiben“, sagt Petersohn. Allerdings gebe es Unterschiede, worin investiert werde: Männer würden eher auf Einzelaktien, Frauen eher auf ETFs setzen. Beides habe seine Vor- und Nachteile. „Allerdings ist bei Frauen die Rendite auf Dauer oft besser“, bemerkt Petersohn.
Wer lediglich in Einzelaktien investiert, geht ein höheres Verlustrisiko ein. Die Anfälligkeit für Schwankungen ist bei Einzelaktien im Durchschnitt höher. Auch Sulilatu empfiehlt, auf breit gestreute ETFs zu setzen, zum Beispiel über MSCI World ETF. Auch da könne der Wert zwar stark schwanken, aber Ausharren werde belohnt.
Hier gibt es den Experten-Talk zum Nachschauen:
Auch wenn es sich für viele Mieter so anfühle, sei die Mietzahlung kein „rausgeschmissenes Geld“. Salilatu: „Ich erkaufe mir damit auch Freiheit und niedrige Kosten.“ Denn wer sich nicht mit den Rahmenbedingungen zum Eigenheim (Energie, Renovierung und Co.) auskenne, der brauche sich auch nicht durch den Kauf eines Hauses stressen. „Dann lieber Mieten und in Aktien investieren, dann kommt man im Alter gut aus“, beruhigt Salilatu. Eine Immobilie als Geldanlage sei also nicht für jedermann eine gute Option.
Schwieriger wird es bei der Frage, wie sich Entgeltpunkte durch Pflege von Angehörigen auf die Rente ausüben. Auch wenn das Ansammeln von Entgeltpunkten erst einmal gut klinge, bedeutet es nicht immer, dass auch die Rente dadurch deutlich höher werde. Knöppel empfiehlt deshalb, eine unverbindliche Rentenauskunft bei der Deutschen Rentenversicherung anzufordern. Dort würden auch die Entgeltpunkte berücksichtigt werden.
Einen Tipp für Studenten hat Knöppel auch: „Macht eure Minijobs schon direkt rentenversicherungspflichtig, dann habt ihr zumindest einen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente!“